Zur Historie der Ziegeleien in Magelsen

Brandgefährlich, aber nicht brennbar

Aus dem Jahr 1955 stammt diese Aufnahme von der 1870 gegründeten Dampfziegelei der Familie Hecht in Dahlhausen. Unmittelbar am Weserufer gelegen, produzierte das Unternehmen Ziegel aus Marschton, die sich durch Festigkeit und Formschönheit auszeichneten und beim Brennen eine tiefrote Farbe erhielten. Der Transport der fertigen Ziegel erfolgte bis zum zweiten Weltkrieg teilweise noch auf dem Wasserweg, später aber per Lastwagen.
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Aus dem Jahr 1955 stammt diese Aufnahme von der 1870 gegründeten Dampfziegelei der Familie Hecht in Dahlhausen. Unmittelbar am Weserufer gelegen, produzierte das Unternehmen Ziegel aus Marschton, die sich durch Festigkeit und Formschönheit auszeichneten und beim Brennen eine tiefrote Farbe erhielten. Der Transport der fertigen Ziegel erfolgte bis zum zweiten Weltkrieg teilweise noch auf dem Wasserweg, später aber per Lastwagen.

Magelsen – Sie werden gebrannt, aber sie sind nicht brennbar. Ziegelsteine. Ziegeleien, die sie herstellten, gab es früher in großer Zahl. In Magelsen existierten zur Blütezeit der Branche allein drei jener Betriebe, deren kantige Produkte den Herstellern buchstäblich aus den Händen gerissen wurden. Denn Steine und Dachpfannen aus Ton waren der hochwillkommene und bessere Ersatz für die leicht entflammbaren Baumaterialien Holz und Reet oder Stroh. Und in Magelsen, wie in vielen anderen Orten, brannte es oft und einmal, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sogar verheerend.

Fachwerkhäuser mit Strohdach wurden schnell ein Raub der Flammen, wenn ein Feuer erst einmal ausgebrochen war. Hinzu kam, dass die Gefache der damaligen Häuser mit ebenfalls brennbarem Weidengeflecht und Lehm ausgefüllt waren. So konnte es geschehen, dass dann unter ungünstigen Voraussetzungen, etwa bei starkem Wind, rasch ein ganzer Ortsteil lichterloh brannte, sobald die Flammen von einem Haus auf das andere übergegriffen hatten. Die Chroniken des Hoyaer Landes berichten von so manchen Feuersbrünsten, die in den Ortschaften wüteten. In Magelsen war das 1892 der Fall. Ein Großfeuer brach aus und machte einen beträchtlichen Teil der Ortsmitte dem Erdboden gleich.

Zu dieser Zeit arbeiteten in Magelsen bereits drei Ziegeleien, denn auch in den Jahren zuvor hatte es in der Gemeinde schon eine rege Bautätigkeit gegeben. Die Erfindung des Ringofens im Jahr 1859 machte Ziegelsteine, Dachziegel und Ziegelrohre in Massenproduktion möglich und dadurch nicht zuletzt erschwinglicher. Während Häuser aus Ziegelsteinen und Dachziegeln die Ortsbilder stark veränderten, ermöglichten Ziegelrohre neben der Kanalisation die unterirdische Drainage und Entwässerung von Feldern.

Die Brandkatastrophe von 1892 löste in Magelsen einen zusätzlichen Bauboom aus. Wie die Villa Clüver – heute Alte Schule –, entstanden auf den abgebrannten Grundstücken eine ganze Reihe von Neubauten. Hinzu kam, dass der Trend zum feuerfesten Ziegelstein viele Eigentümer älterer Häuser überzeugte und veranlasste, leicht entflammbares Material – wie Flechtgefache und Reet- oder Strohdächer – durch Mauersteine und Dachpfannen aus gebranntem Ton zu ersetzen, denn sie verringerten die Brandgefahr erheblich.

In der Zeit von 1850 bis 1914, zum Ausbruch des ersten Weltkriegs, wurden in Magelsen zahlreiche Häuser, Stallungen und Scheunen aus Ziegeln gebaut. Um 1900 erlebte der Bauboom in der Gemeinde dann seinen Höhepunkt, und die drei ortsansässigen Ziegeleien arbeiteten mit Hochdruck daran, das brandgeschädigte Dorf in einen neuen, besseren Zustand zu versetzen. In dieser Zeit entstand auch der komplette, noch heute als „Mühlendorf“ bekannte Ortsteil neu.

Etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in ebenjenem Mühlendorf die Dampfziegelei A. Menge betrieben, die einen festen Dampfkessel für ihre Produktion nutzte. Der darauffolgende Eigentümer Büntemeyer verkaufte die Ziegelei später, und sein Nachfolger Rumke beabsichtigte zunächst, das Werk zu modernisieren. Doch der zweite Weltkrieg kam, und in den ersten Kriegsjahren wurde die Ziegelei eingestellt. Eigentümer Rumke betreibt heute Landwirtschaft.

Die zweite Magelser Ziegelei, die „Ziegelei am Schlichtenkamp“, gehörte dem Rittergut Clüver und befand sich am Ortsrand, an der Straße nach Oiste und Verden. Dieser Betrieb schloss seine Tore allerdings schon um 1900.

Dritter im Bunde des Magelser Ziegel-Trios war Hofbesitzer Hecht, der seine 1870 gegründete Ziegelei in Dahlhausen mit einer fahrbaren Dampfmaschine betrieb. In den Wintermonaten diente sie dazu, ein Sägegatter und eine Mühle anzutreiben. Im Jahr 1962 hatte die Ziegelei Hecht 18 Beschäftigte. Im Jahr zuvor erreichte der Betrieb die stolze Produktionszahl von zwei Millionen Ziegeln. Mitte der 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde auch diese Ziegelei geschlossen.

Im 19. Jahrhundert, so hieß es in einem geflügelten Wort, nannte fast jeder Gutsbesitzer eine Ziegelei sein eigen. Doch nach und nach, bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, fielen diese dörflichen Betriebe in ganz Deutschland dem „Ziegeleisterben“ zum Opfer. Dafür gab es verschiedene Gründe. An erster Stelle stand wohl die Verwendung von Beton, wie der Vorstand des Vereins Alte Schule Magelsen berichtet. Überdies waren es die Kalksandsteine, die den Ziegeln den Rang abliefen. Auch wurden viele Betriebe unrentabel, weil ihnen die Lehmressourcen ausgingen, oder weil sie mit dem technischen Strukturwandel nicht mehr Schritt halten konnten.

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