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Baugebiet „Lange Straße“: Boden ist frei von Schadstoffen

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Von: Nala Harries

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Der Boden im Baugebiet „Lange Straße“ in Hoya könnte noch Reste vom Abbruch aufweisen, meinen Stadtdirektor Detlef Meyer und Bauamtsleiter Rolf Walnsch. Eine Nachbeprobung habe jedoch ergeben, dass dort keine Schadstoffe mehr vorhanden seien.
Der Boden im Baugebiet „Lange Straße“ in Hoya könnte noch Reste vom Abbruch aufweisen, meinen Stadtdirektor Detlef Meyer und Bauamtsleiter Rolf Walnsch. Eine Nachbeprobung habe jedoch ergeben, dass dort keine Schadstoffe mehr vorhanden seien. © nala harries

Hoya – Alle Schadstoffe im Baugebiet „Lange Straße“ seien ausgetauscht worden, versichern die Verantwortlichen der Stadt Hoya. Potenzielle Käufer hatten dies infrage gestellt.

Alle Schadstoffe auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses in Hoya seien der Bodenschutzverordnung entsprechend ausgetauscht worden, versichern Bauamtsleiter Rolf Walnsch und Stadtdirektor Detlef Meyer. Einzelne Reste vom Abbruch könnten allerdings noch vorhanden sein. Eine Nachbeprobung habe aber sichergestellt: Die Erde sei schadstofffrei.

Die von der Stadt in Auftrag gegebene Bodensanierung sei somit erfolgreich gewesen, betonen die Verantwortlichen der Stadt. Potenzielle Käufer hatten dies jedoch infrage gestellt.

Sie zweifelten am Erfolg der Maßnahme und kritisierten, dass die Stadt mit diesbezüglichen Informationen lange Zeit hinterm Berg gehalten habe, geht aus einem am Samstag erschienenen Leserbrief hervor.

Zur Erinnerung: Bereits 2016 hat die Stadt Hoya die Fläche mit dem Ziel, dort eine Wohnbebauung zu entwickeln, erworben. Als dann alle Verfahrensschritte durchlaufen waren, kam bei der Erschließung allerdings eine böse Überraschung ans Licht: Im Erdreich wurden Bauschutt und eine Belastung durch Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) festgestellt. Die Stadt ließ daraufhin eine Bodensanierung durchführen.

Im Juni 2020 habe es eine Veranstaltung im Sitzungssaal des Rathauses gegeben, in dessen Rahmen die Verantwortlichen die interessierten Käufer über die Belastungen im Boden informierten. Aus diesem Grund konnten nämlich auch die Verträge noch nicht abgeschlossen werden, erläuter Detlef Meyer. Zu diesem Zeitpunkt habe die Stadt außerdem bereits klar gemacht, dass eine Bodensanierung nicht über die Anforderungen der Bodenschutzverordnung hinaus gehen werde, fügt Rolf Walnsch hinzu. Die beiden sehen daher keinen Grund dafür, sich rechtfertigen zu müssen, möchten aber den Ablauf des Prozesses darlegen.

Das Unternehmen Underground untersuchte daraufhin die Grundstücke und erstellte ein Gutachten, welches den Käufern zur Verfügung gestellt worden sei, meinen Meyer und Walnsch. Dabei sei herausgekommen, dass einige Bereiche den Anforderungen der Bodenschutzverordnung und dem vom Land Niedersachsen vorgegebenen Werten für den sogenannten Wirkungspfad Boden–Mensch nicht entsprachen. „Woher die Belastung kam, ist heute nicht mehr nachvollziehbar“, sagt der Bauamtsleiter.

Um diese Gefahren aus dem Weg zu räumen, ließ die Stadt im Rahmen eines Sanierungskonzepts den belasteten Boden in einer Tiefe zwischen zwei und drei Metern austauschen und den nicht belasteten Boden im oberen Bereich in rund einem Meter Tiefe wieder einbauen. Letztere Schicht weise aber noch Schluffanteile auf, die den Boden möglicherweise nicht tragbar machen würden, meint Walnsch und fügt hinzu: „Dafür übernehmen wir jedoch keine Haftung. Das ist Sache des Bauherren, der sich gemeinsam mit seinem Bauunternehmen die Frage nach der Statik stellen muss.“ So werde es bei jedem Baugrundstück gehandhabt. In diesem Zuge weist er zudem daraufhin, dass dies in den Kaufverträgen geltend gemacht worden sei. Die Stadt sei nur haftbar, was die Bodenschutzverordnung angehe, fassen die Verantwortlichen zusammen.

An diesem Punkt setzten auch die potenziellen Käufer in ihrem Leserbrief an. Denn um ihr favorisiertes Grundstück an der Langen Straße überhaupt bebauen zu können, sei ein „nicht unerheblicher Eurobetrag“ nötig, kritisierten sie. Das Risiko, dass man sein Grundstück vorab noch auskoffern müsse, bestehe jedoch bei allen, meint der Bauamtsleiter. Dieses Vorgehen sei üblich. Daher nur einigen potenziellen Käufern ein günstigeres Angebot zu unterbreiten und anderen hingegen nicht, das funktioniere nicht, erklären die Verantwortlichen und berufen sich auf den Gleichheitsgrundsatz.

Derartige Bodenverhältnisse, wie die an der Langen Straße, seien nichts Außergewöhnliches. Ein Schluffanteil finde sich auch in vielen anderen Bereichen, meint der Bauamtsleiter und nennt in diesem Zuge den Untergrund, auf dem der Neubau der Schule stehe.

Aber warum hat die Stadt im Rahmen der Bodensanierung auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses das Problem mit dem Schluff nicht gleich mit behoben? Dies hätte nach Angaben der Verantwortlichen zu Mehrkosten geführt. „Dann hätten wir die Grundstückspreise anheben müssen“, meint Rolf Walnsch. Diese standen jedoch bereits vor der Bodensanierung fest. Die Kosten für diese Maßnahme hätte die Stadt auf die Käufer umlegen können, hat sie aber nicht. Detlef Meyer sah und sieht auch heute noch dies als Aufgabe der Stadt.

Er bedauere es, dass alles so lange gedauert habe. Laut ihm sei einerseits bereits viel Zeit vergangen, bis der Bebauungsplan rechtskräftig war. Andererseits mussten für die Bodensanierung die Arbeiten ausgeschrieben und Partner gefunden werden. „Dafür waren wir relativ schnell“, findet er.

Wie die potenziellen Käufer in ihrem Leserbrief schrieben, sei der Erwerb ihres favorisierten Baugrundstücks an der Langen Straße unter den von der Stadt vorgegebenen Bedingungen jedoch untragbar. Die Frage, ob es derzeit Alternativen in Hoya gebe, verneinen Walnsch und Meyer. Das Problem sei, dass die Grafenstadt über keine Flächen im Außenbereich verfüge, weswegen die Entwicklung des Innenbereichs so wichtig sei. Um dies zu ermöglichen, müsse unter anderem Altbestand abgerissen werden, wobei Belastungen entdeckt werden könnten. Als Beispiel nennt Detlef Meyer das Projekt „Scharfe Ecke“ an der Langen Straße oder eben das Krankenhausgelände.

Zukünftig soll an der Deichstraße neben der Öffnung zur Weser hin und der Möglichkeit zur Ansiedlung von Dienstleistern ebenfalls eine Wohnbebauung entstehen. „Auch da muss geschaut werden, in welchem Zustand der Boden ist. Das ist dann allerdings wieder Sache der Interessenten“, hält Walnsch abschließend fest.

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