Betroffener Mediziner: „Habe das am Montag erfahren“

MVZ schließt im Mai: Hoya verliert einen Frauenarzt

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Das MVZ belegt die oberste Etage des Ärztehauses an der Von-Kronenfeldt-Straße in Hoya. Die Bezeichnung Medizinisches Versorgungszentrum klingt nach mehr, als es ist. Seitdem es keinen Chirurgen mehr in Hoya gibt, besteht das MVZ ausschließlich aus der Frauenarztpraxis.

Hoya - Von Anne Schmidtke und Michael Wendt. Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in Hoya wird am 31. Mai geschlossen. Das hat heute die Betreiberin, eine Tochterfirma des Rotenburger Diakonie-Krankenhauses, mitgeteilt. Betroffen ist demnach die Praxis von Frauenarzt Hamid Kamara. Das MVZ befindet sich im Ärztehaus an der Von-Kronenfeldt-Straße. Von den weiteren Arztpraxen im Gebäude ist in der Pressemitteilung keine Rede.

Heinz Arendt, Hausarzt und Facharzt für Innere Medizin, betreibt seine Praxis ebenfalls im Ärztehaus an der Von-Kronenfeldt-Straße. „Ich bleibe hier. Ich habe 1500 Patienten. Da wäre es blöd, die Praxis zu schließen“, erklärt der Mediziner auf Nachfrage unserer Zeitung.

Von den weiteren Mieter im Gebäude hat keiner seinen Vertrag gekündigt, sagte gestern der Eigentümer des Gebäudes auf Nachfrage. Neben dem Frauenarzt und dem Allgemeinmediziner sind im Ärztehaus auch eine Apotheke, eine Augenärztin, ein Hautarzt und eine Physio-Therapeutin zu finden. Als uns die Pressemitteilung des MVZ-Betreibers erreichte, waren die Arztpraxen bereits geschlossen. Weitere Mediziner konnten wir deshalb heute nicht zu ihren Plänen befragen.

Bis vor einem Jahr hielt das MVZ in Hoya auch eine chirurgische Versorgung bereit. Laut Pressemitteilung fand sich in den vergangenen Monaten kein neuer Chirurg, der sich in Hoya niederlassen wollte. Die Fortsetzung des Betriebs mit dem ausschließlich gynäkologischen Angebot sei aus wirtschaftlicher Sicht nicht weiter vertretbar. Daher habe sich die Geschäftsführung dazu entschlossen, das MVZ in Hoya aufzugeben.

„Wir bedauern es sehr, dass wir diesen Schritt gehen müssen. Hamid Kamara hat mit seinem Team über viele Jahre ausgezeichnete Arbeit geleistet, die wir sehr schätzen“, zitiert die Mitteilung Rainer W. Werther, Geschäftsführer des Diakonieklinikums Rotenburg und des MVZ.

„Ich habe das erst am Montag erfahren. Das hat mich alles sehr überrascht“, erklärt Hamid Kamara auf Nachfrage unserer Zeitung. Er habe einen Urlaubstag in Köln verbracht, als Rainer W. Werther ihn auf seinem Handy angerufen und ihm von der Schließung berichtet habe. „Ich habe die Praxis vor 25 Jahren in Hoya gegründet“, sagt Kamara. In der Stadt gibt es noch eine weitere frauenärztliche Praxis.

Stadtdirektor und Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer findet es fast schon „skandalös, dass die Schließung jetzt so plötzlich kommt“. Immerhin seien Stadt und Samtgemeinde seit Langem im Gespräch mit dem Rotenburger Diakonieklinikum, um die ärztliche Versorgung in Hoya sicherzustellen. „Dabei ging es um die Frage, was wir tun können, um Anreize für junge Ärzte zu schaffen“, sagt Meyer. Da setze auch die Kampagne „Ärztlich Willkommen“ an, an der sich die Samtgemeinde beteiligt.

„Ich habe nächste Woche kurzfristig einen Termin in Verden bei der Kassenärztlichen Vereinigung bekommen“, sagt Meyer. Die Vereinigung müsse die ärztliche Versorgung der Versicherten sicherstellen.

Hamid Kamara sagt, dass er bereits eine Nachfolgerin in Aussicht hatte, eine Ärztin, die gerade ihre Fachausbildung macht und dann ab dem 1. Januar 2017 die Praxis übernommen hätte. „So war es geplant“, sagt der 70-jährige Hoyaer. Jetzt gehe er davon aus, dass sich das erledigt hat.

„Ich weiß nicht, wie es weitergeht“, sagt Kamara. Er mache sich vor allem Sorgen um seine vier Mitarbeiterinnen und seine Patientinnen. „Wir haben im Quartal mehr als 1200 Patientinnen aus der ganzen Region“, sagt er. Rainer W. Werther habe ihm erzählt, dass sowohl diese als auch seine Angestellten nach Verden ins dortige MVZ wechseln könnten.

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