Ergebnis präsentiert

TU Berlin hat Samtgemeinde analysiert: Studentenvortrag ein Schocker

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Die Studentengruppe der TU Berlin, die dem Samtgemeinderat am Mittwochabend im „Lindenhof“ über ihr Studienprojekt zur kommunalen Planungshoheit berichtete. 

Hoya - Von Horst Friedrichs. Nachdenklich bis schockiert ließ ein Vortrag die Mitglieder des Samtgemeinderats zurück. Denn das gestelzt bürokratisch klingende Thema „Kommunale Planungshoheit im Spannungsfeld zwischen Regional- und Fachplanung“ war bedeutungsschwerer, als es sich anhörte. 

Studenten der Technischen Universität (TU) Berlin hatten sich die Samtgemeinde Grafschaft Hoya vorgenommen und waren nach monatelanger Arbeit gemeinsam mit ihrem Professor in die Grafenstadt gekommen, um das Ergebnis zu präsentieren. Im „Lindenhof“ in Hoya war ihnen ein voller Saal sicher, denn der Vortrag war eingebettet in eine Sitzung des Samtgemeinderats mit vielen Zuhörern.

Perspektiven mit Schockerqualität gab es vor allem im zukunftsgerichteten Teil des Studentenvortrags. Dessen Untertitel lautete: „Eine Restriktionsanalyse“. In die Umgangssprache übersetzt bedeutet das so viel wie „Einschränkungsuntersuchung“. Gemeint war damit die Frage: Wie eingeschränkt ist die Samtgemeinde in ihrer Planung?

Gruseln in Farbe

Die drei Vortragenden aus der insgesamt neunköpfigen Projektgruppe beschränkten sich in ihrer Darstellung auf die Orte Bücken, Eystrup und Hoya, um das Ganze überschaubar zu halten.

Gruselig wurde es, als die Ergebnisse studentisch akribischer Nachforschungen von Haus zu Haus anhand eines Stadtplans deutlich wurden. Vor dem Hintergrund voraussichtlicher demografischer Entwicklung formierte sich da – farbig unterlegt – eine erschreckend hohe Zahl von Einfamilienhäusern etwa in Hoya, die in den Jahren 2025 bis 2033 leer stehen werden, wenn die Jungplaner recht behalten. Ihre Erkenntnis: „Dann werden immer kleinere Wohnungen gefragt sein.“ Die Überalterung der Gesellschaft, so das Resümee der Studenten, werde in der Samtgemeinde unter anderem dazu führen, dass immer weniger Einfamilienhäuser gebaut werden.

In seiner Begrüßung hatte Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer an die ersten Kontakte mit der Studentengruppe und ihrem Professor erinnert, die bereits im November vergangenen Jahres geknüpft worden waren (wir berichteten).

„Flächennutzungspläne sind veraltet“

Professor Dr. Stephan Mitschang erklärte dem Rat, dass die Studenten im Rahmen ihres Studiums ein Projekt erarbeiten und dessen Ergebnis präsentieren müssen. „Auch ihr Vortrag heute Abend wird bewertet werden“, fügte Mitschang schmunzelnd hinzu.

Im Wesentlichen gehe es in der Analyse um die Frage, welche Widerstände der kommunalen Planung in der Samtgemeinde Hoya entgegenstehen.

Mitschang, der das Projekt betreut hatte, hörte den Vortrag der Studenten in Hoya selbst zum ersten Mal.

Die vorhandenen Flächennutzungspläne (F-Pläne) in der Samtgemeinde seien veraltet, erklärte Student Alexander Kalus als erster Vortragender. Der F-Plan für Hoya stamme aus dem Jahr 1979, der für Eystrup sei 1985 aufgestellt worden. Studentin Rhona Wagner berichtete, in Hoya habe es seither 27, in Eystrup 19 Planänderungen gegeben. Instrumente der kommunalen Planung seien unter anderem die Raumordnungsprogramme des Landes und des Kreises sowie letztlich die Flächennutzungspläne der Samtgemeinde und die Bebauungspläne der Gemeinden. Ausführlich schilderten die Studenten die im Raum Hoya, Eystrup und Bücken vorhandenen Einschränkungen.

Bis zu zwölf Prozent weniger Einwohner

Dabei ging es im Wesentlichen um Abstände, die etwa von der Weser, von der Bahnlinie sowie von Straßen, Industriebetrieben und landwirtschaftlichen Betrieben eingehalten werden müssen. Daraus ergäben sich kommunale Handlungsfreiräume. Dem Flecken Bücken beispielsweise, der über viele unbebaute Grundstücke verfüge, sei anzuraten, erst einmal Innenentwicklung zu betreiben – also innerörtlich zu bauen statt am Ortsrand.

Bei der demografischen Entwicklung in der Samtgemeinde hob Alexander Kalus die abzusehende Schrumpfung und gleichzeitige Überalterung sowie eine bedingte Internationalisierung der Bevölkerung hervor. Hintergrund seien zu geringe Geburtenraten und eine steigende Lebenserwartung. Eine Verbesserung könne durch Binnenmigration (Zuzug aus anderen Gegenden Deutschlands) oder durch Außenmigration (Zuzug aus dem Ausland) erreicht werden. Nach unterschiedlichen Berechnungsszenarien werde die Bevölkerungszahl der Samtgemeinde Grafschaft Hoya von heute rund 16 750 Einwohnern auf bis zu 15 000 im Jahr 2033 sinken.

„Immer mehr Häuser, in denen niemand wohnt“

„Es wird immer mehr Häuser geben, in denen niemand wohnt“, lautete Kalus’ düstere Prognose für die Samtgemeinde.

Studentin Anne-Marie Wulff beschrieb unter der Rubrik „Gemengelagen“ unter anderem die Ziele der Bauleitplanung, die Wohn- und Gewerbenutzung sowie die Wohn- und Landwirtschaftsnutzung im Innenbereich sowie Nutzungskonflikte im Außenbereich. Alles Sachen, die die Planungsfreiheit der Samtgemeinde zumindest nicht erweitern. Es dürfte also spannend werden, wie der Rat sein erklärtes Ziel, in den kommenden Jahren einen neuen F-Plan aufzustellen, erreicht.

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