Ein Bericht aus Madagaskar, der Insel von Lemuren, Herzlichkeit und Totenkult

Die Ahnen sind immer dabei

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Herman Voepel zeigte Bilder und Gegenstände einer Madagaskar-Reise mit seiner Tochter Ines.

Von Horst FriedrichsIm Land der Lemuren ist der Totenkult allgegenwärtig. Solchermaßen Anschauliches und Faszinierendes aus Madagaskar schilderte der Nienburger Herman Voepel am Mittwoch in der Kleinkunstdiele Bücken. Anlass war ein Abend im Rahmen der Erfolgsreihe „Geschichten von hinter dem Horizont“, zu der Betreiber Peter Klein erneut ein volles Haus begrüßen konnte. Im behaglichen Fachwerk-Ambiente ließ Herman Voepel den dunklen Herbstabend vergessen und entführte sein Publikum mithilfe der Leuchtkraft von farbenprächtigen Leinwand-Bildern in ein sonnenverwöhntes Land im Indischen Ozean.

Dabei war es eine Winterreise, die der Nienburger mit seiner Tochter Ines auf die ferne und geheimnisvolle Insel im Osten Afrikas unternommen hatte. „Nach Sonnenuntergang, gegen 6 Uhr abends, wird es im madagassischen Winter kühl, so um neun Grad plus“, schilderte Voepel den erlebten Klima-Kontrast zu den bunten Bildern von der fernen Insel.

Wie bei der Reise selbst, assistierte Ines Voepel ihrem Vater auch während des Vortragsabends in Bücken, indem sie Mitgebrachtes herumreichte. So gab es unter anderem „Totenkult zum Anfassen“ mittels einer aus Holz geschnitzten Stele jener Art, wie sie in Madagaskar Grabstellen markiert.

„Hinschauen ist verboten“, erläuterte Herman Voepel und fügte hinzu, dass man sich den meist aus Steinen aufgeschichteten Grabmälern nur bis zu einer gewissen Entfernung nähern dürfe. Die Ahnen, davon seien die Einwohner Madagaskars überzeugt, seien stets in der Nähe der Lebenden, in Tiergestalt. Deshalb würden die Lemuren – mit ihrer bekanntesten Art, den possierlichen Kattas – als heilige Tiere verehrt. Mit ihren charakteristischen schwarz-weiß beringten Schwänzen waren sie auf Voepels bunten Bildern zu sehen, an Häufigkeit nur noch übertroffen von Chamäleons – in aller Deutlichkeit oder auf „Suchbildern“ aus dem Regenwald. Sie ließen die Frage offen, ob das anpassungsfähige Reptil sich nur versteckt hatte oder gar nicht vorhanden war.

Die Reise führte Herman Voepel und Tochter Ines zunächst nach Antananarivo, der Hauptstadt der viertgrößten Insel der Welt. Von den insgesamt 20 Millionen Einwohnern Madagaskars, das etwa so groß ist wie Deutschland und Frankreich zusammen, leben zehn Prozent in Antananarivo.

Vom Hauptstadt-Airport flogen die beiden Nienburger zunächst nach Tulíar, einer Stadt im Südwesten Madagaskars. Von dort aus ging es per Kleinbus und Lastwagen durch das Hochland bis zur Kanalzone, angelegt durch die französischen Kolonialherren, die die Insel 1960 verließen.

Auf dem Weg durch die unterschiedlichsten Regionen machten Herman und Ines Voepel eindrucksvolle Bilder von Landschaft und Menschen, deren unvoreingenommene Herzlichkeit sich in leuchtenden Augen von Kindern und Erwachsenen widerspiegelte. „In den ländlichen Gebieten begegneten sie uns mit freundlicher Neugier“, berichtete Herman Voepel. „Doch sie haben uns niemals angebettelt. In der Hauptstadt sah das allerdings anders aus.“ Das Landleben ohne Strom und fließend Wasser sei dabei ebenso problematisch wie die Tatsache, dass 60 Prozent der Bevölkerung Madagaskars unter 18 Jahre alt ist.

Die Farbenpracht von Obst und Gemüse auf Straßenmärkten – mit leeren Konservendosen als Maßeinheit beim Verkauf – vermittelten ebenso einen Eindruck von der Landwirtschaft Madagaskars wie die Bilder von Zebu-Rindern, die als wichtigstes Nutztier dienen. Aufnahmen von der Papierherstellung aus Baumrinde und der Verarbeitung von Sisal zu Flechtwerk-Produkten zeugten vom handwerklichen Geschick der Bevölkerung.

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