Regionaler Anbau

Kanarische Bananen von nebenan: Das Ehepaar Domke baut die Pflanze in Hoyerhagen an

Stolz auf ihren Fruchtstand: Die beiden Gartenbauingenieure Beate und Otto Domke freuen sich über die zahlreichen reifen Bananen, die nun abgeerntet werden können.
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Stolz auf ihren Fruchtstand: Die beiden Gartenbauingenieure Beate und Otto Domke freuen sich über die zahlreichen reifen Bananen, die nun abgeerntet werden können.

Hoyerhagen – Bananen gehören hierzulande eher zu den Exoten. Das Ehepaar Domke aus Hoyerhagen beweist jedoch, dass der Anbau auch vor Ort gelingen kann. 

Bananen gehören hierzulande eher zu den Exoten. Das deutsche Klima ist den anspruchsvollen Früchten, die botanisch gesehen als Beeren gelten, einfach zu kalt. Am besten wachsen sie daher in wärmeren Gebieten, wie Spanien, Panama, Costa Rica und der Dominikanischen Republik. Von dort aus werden sie nach Deutschland verschifft und in den Supermärkten angeboten, wo der Endverbraucher die süßen Leckerbissen schließlich aus den Regalen nimmt.

Dass der Bananenanbau aber auch hierzulande funktionieren kann, beweisen Otto und Beate Domke aus Hoyerhagen. In ihrem Gewächshaus nahe des Mittelpunkts Niedersachsen können sie seit 2015 jährlich um die vier Fruchtstände á mindestens 15 Kilo ernten.

Der Ehrgeiz, auch in dieser Region Bananen anzupflanzen, packte die beiden Gartenbauingenieure 1996 als sie die kanarische Insel La Palma besuchten. „Wir wollten zeigen, dass wir Bananen auch bei uns im Kübel kultivieren können. Daher haben wir auf einer Plantage eine Pflanze der originalen Produktionsbanane gekauft“, erinnert sich Otto Domke, der mit seiner Frau damals noch in Straelen in Nordrhein-Westfalen lebte und dort an Projekten mit den Schwerpunkten Gartenbau und Technik mitwirkte. Bei den La-Palma-Bananen handele es sich um vergleichsweise kleine, aber sehr aromatische Leckerbissen.

So richtig ins Rollen kam der private Anbau dann aber erst 2015 als das Ehepaar, welches mittlerweile in den Ruhestand gegangen war, nach Hoyerhagen zog und sich auf ihrem Grundstück ein professionelles Gewächshaus errichten ließ. „Nachdem ich mich 35 Jahre um Projekte in diesem Bereich gekümmert hatte, konnte ich nicht einfach damit aufhören“, gibt Otto Domke zu.

Von Aufhören kann bei ihm auch definitiv nicht die Rede sein, denn in seinem knapp 60 Quadratmeter großen und vier Meter hohen Gewächshaus, hat der Rentner einiges zu tun. Mittlerweile zählt er sechs aktive riesige Bananengewächse, die mit ihren Blättern bis unters Dach reichen, zu seinen eigenen. Und regelmäßig kommen neue dazu. „Schon während an einem Stamm ein Fruchtstand wächst, bildet sich ein weiterer Nebentrieb. Nach der Ernte wird der alte abgeschlagen und wir kümmern uns um den neuen“, erzählt das Ehepaar begeistert von seinem Hobby.

Ausgeklügelte Technik: Von Otto Domke entwickelte Tensiometer messen in den Kübeln die Bodenfeuchte und versorgen die Pflanzen so bei Bedarf mit Wasser.

Möglich sei der Anbau in der Region allerdings nur durch das professionelle Gewächshaus und die darin verbaute Technik. Die Domkes setzen dabei auf einen selbst entwickelten Solarschotterspeicher sowie auf eine spezielle Bewässerungstechnik. „Das sind Relikte von meiner damaligen Arbeit“, sagt Otto Domke während er auf den riesigen Schaltschrank zeigt, an dessen Bildschirm er das Klima in seinem Gewächshaus regelt. Um ideale Bedingungen für die Pflanzen zu schaffen, speichere die Anlage täglich Solarenergie. Ab einer Temperatur von 25 Grad werde die Wärme in einen unterirdischen Schacht mit Schottersteinen übertragen. „Die Steine speichern diese dann, und wenn die Temperatur beispielsweise in der Nacht unter 16 Grad fällt, wird die Wärme wieder zurück ins Gewächshaus abgegeben.“ Um alles ganz genau zu beobachten, hat der Gartenbauingenieur knapp 100 Fühler in der Anlage verbaut, ebenso ist sein Gewächshaus mit zahlreichen Sensoren ausgestattet.

Um die Pflanzen in ihren Kübeln bestens mit Wasser zu versorgen, kommen die von Otto Domke entwickelten Tensiometer zum Einsatz. Diese Geräte messen vollautomatisch die Bodenfeuchte und führen mit Dünger versetztes Wasser nach Bedarf zu.

Auf diese Weise gelingt es dem Ehepaar, jährlich zahlreiche gold-gelbe Leckerbissen heranzuzüchten. Ihre La-Palma-Bananen seien dem Original gegenüber ebenbürtig, finden die Domkes. Bis die Frucht reif ist, dauert es in Hoyerhagen allerdings etwas länger. „Auf den Kanaren vergehen um die zehn Monate, bis man ernten kann. Hier benötige ich knapp 18 Monate“, erklärt Otto Domke. Darüber hinaus sei der Fruchtbestand in wärmeren Gebieten meist doppelt so groß. Doch der Gartenbauingenieur und seine Frau haben aktuell Anlass zur Freude: Bei ihnen wächst derzeit eine Staude mit rund 25-Kilo Fruchtstand heran. „Ein besonders ertragreiches Exemplar.“

Kommerziell verkauft, werden die Bananen allerdings nicht. „Das ist unser Hobby und eine Spielerei von uns“, erklären sie. Vor der Pandemie veranstaltete das Paar stets ein großes Fest zur Ernte, um die Erträge mit ihren Nachbarn zu teilen. Doch coronabedingt musste dieses nun ausfallen.

Neben den Bananen wollen sich die Domkes jetzt auch an anderen Exoten versuchen. Aus dem Supermarkt besorgten sie sich erst vor Kurzem eine Ananas, die nun eingepflanzt wurde. Auch Kaffee soll schon bald in ihrem Gewächshaus zu finden sein. „Wir wollen es einfach mal ausprobieren“, sagen die beiden voller Tatendrang.

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