111 Jungvögel im Landkreis Nienburg

Babyboom bei den Störchen

Im zweiten Versuch hat es geklappt: Jungstörche in Hassel.
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Im zweiten Versuch hat es geklappt: Jungstörche in Hassel.
  • Uwe Campe
    vonUwe Campe
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Landkreis Nienburg – Hermann Brockmann freut sich, konnte der neue Storchenbeauftragte des Kreises Nienburg, der diese Aufgabe im März von Dr. Reinhard Löhmer übernommen hat, doch gleich im ersten Jahr seiner Tätigkeit ein Rekordergebnis verzeichnen. Zwischen Hilgermissen und Diepenau zählte der 65-Jährige, der zur Zeit noch als Leiter der Revierförsterei Harbergen im Dienst ist, insgesamt 61 besetzte Storchenhorste, sechs mehr als im Vorjahr. Von diesen 61 Paaren hatten 50 Bruterfolg, bei den übrigen elf wurden von vermutlich noch unerfahrenen Paaren begonnene Brutversuche vorzeitig abgebrochen. Wenngleich mit vorläufig 111 groß gewordenen Jungstörchen das Vorjahresergebnis von 117 geringfügig verfehlt wurde, belegen diese Zahlen doch eindrucksvoll eine sich seit einigen Jahren vollziehende ständige Bestandserholung, die auch auf Landes- und Bundesebene beobachtet wird.

Die Anzahl des Nachwuchses lag in diesem Jahr zwischen ein und vier Jungstörchen je Horst, im Durchschnitt bei etwas über zwei. Allerdings gelang es den Storcheneltern nur an den Standorten Wenden und Münchehagen, vier Junge aufzuziehen. Wesentliche Faktoren für den jeweiligen Bruterfolg sind ein ausreichendes Nahrungsangebot und günstige Wetterverhältnisse während der Brutsaison. Längere nasse und kalte Phasen im Frühjahr können ebenso wie länger anhaltende trockene Perioden und ein damit reduziertes Angebot an Regenwürmern, Heuschrecken, Mäusen und Amphibien zu Ausfällen führen. Hinzukommt ein inzwischen hoher Überschuss an Nichtbrütern, von denen gelegentlich Revierkämpfe ausgelöst werden, welche zu empfindlichen Störungen des Brutgeschehens führen können. Dem in früheren Zeiten häufig beklagten Mangel an geeigneten Nistmöglichkeiten kommt heute hingegen nur noch eine untergeordnete Bedeutung zu, gibt es im Kreisgebiet doch inzwischen etwa 90 Horste, von denen viele den Störchen auf von Menschenhand aufgestellten Masten angeboten werden.

Der Verbreitungsschwerpunkt im Kreis Nienburg befindet sich nach Angaben seines Storchenbeauftragten im Südkreis, vornehmlich in den Ortschaften entlang der Weser, im Einzugsbereich des Steinhuder Meeres und in einigen Dörfern entlang der Großen Aue. Aber auch im Nordkreis gibt es im Raum Schweringen, Sebbenhausen, Balge und Haßbergen einen Hotspot mit mehreren erfolgreichen Brutpaaren.

In der Samtgemeinde Graftschaft Hoya schritten in diesem Jahr in Ubbendorf, Hassel und Holtrup jeweils ein Paar sowie in Schweringen zwei Paare zur Brut und zogen insgesamt zehn Junge auf, was in etwa dem Kreisdurchschnitt entspricht. Ein anfänglich erhofftes noch besseres Ergebnis blieb jedoch aus, da es die Störche in Dahlhausen und am Wiedesee in Hoya bei Brutversuchen beließen beziehungsweise die in Mahlen mit zwei Küken zunächst erfolgreich gestartete Brut aus nicht näher bekannten Gründen abgebrochen wurde.

Hermann Brockmann konnte schon im ersten Jahr seiner neuen Tätigkeit, die neben der Bestandserfassung auch die Beratung bei der Aufstellung von Nisthilfen, das Ablesen von Ringen und die Mithilfe bei der weiteren Versorgung verletzter Störche umfasst, viele wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse gewinnen. Zwei Beispiele: In Holtrup wurden von drei geschlüpften Küken zwei von den Altvögeln aus dem Nest geworfen. Nachdem eines Tages das Weibchen verschwunden blieb, musste sich der männliche Altvogel allein um die Aufzucht des einzigen verbliebenen Jungvogels kümmern. Durch tatkräftige Mithilfe und Hinzufütterung seitens des Hofbesitzers gelang es immerhin, diesen erfolgreich aufzuziehen.

Anders verhielt es sich in Hassel, wo ein Paar, das bereits mit der Brut begonnen hatte, von fremden Störchen attackiert wurde. Bei den Kämpfen um den Horst gingen schließlich die beiden bereits gelegten Eier verloren. Letztlich konnte der Angriff aber abgewehrt werden und das Paar begann schon bald danach, ein Nachgelege zu bebrüten. Diese zweite Brut wurde mit zwei Jungvögeln dann auch glücklich zu Ende geführt.

Volkstümlich sind Störche bekanntlich für das Bringen von Babys zuständig. Ob ihr eigener Babyboom in den kommenden Jahren anhält, bleibt abzuwarten. Schließlich möchte sich Hermann Brockmann nach der demnächst anstehenden Pensionierung noch intensiver um „seine“ Störche kümmern.

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