Ausverkauftes Gotteshaus: Quartett „Opus 4“ zelebriert die Musik

Posaunisten erfüllen Stiftskirche mit tonaler Macht

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Hans-Martin Schlegel (links) und Stefan Meisner vom Quartett „Opus 4“ an ihren Barockposaunen. Auf dem Foto fehlen Dirk Lehmann und Jörg Richter.

Von Horst Friedrichs. Wer sie einmal gehört hat, traut es ihnen zu: Dass sie Mauern zum Einsturz bringen, wird allerdings wohl nicht passieren. Aber die vier Ausnahme-Musiker des Leipziger Gewandhausorchesters, weltbekannt als „Posaunenquartett Opus 4“, erwecken mit ihrer tonalen Machtfülle geradezu jubilierende Assoziationen. Und die reichen vom instrumental erzeugten Bild der kollabierenden Jericho-Mauern bis hin zum sanften Wispern einer Frühlingsbrise. Was dazwischen erlebbar ist, zelebrierten die Virtuosen aus der Stadt des Thomaskantors am Sonntagabend vor voll besetzten Zuhörerbänken in der Stiftskirche Bücken.

Für Jörg Richter, den Leiter des Quartetts, ist die Posaune das schönste Blechblasinstrument. In der Fachliteratur heißt es überdies, dass die Posaune von allen Musikinstrumenten der menschlichen Stimme am nächsten komme. In solchen Superlativen ließ es sich beim Bücker Sonntagskonzert der Leipziger Meistermusiker trefflich schwelgen. Um die Vielfalt ihrer klanglichen Möglichkeiten unter Beweis zu stellen, zogen die Posaunisten denn auch alle Register ihres überragenden Könnens – wobei der anklingende Gedanke an die Orgel durchaus gerechtfertigt war.

Die harmonische Wucht des Klangkörpers aus vier Posaunen füllte mittels der dargebotenen Kompositionen und ihrer speziellen Arrangements das Kirchenschiff mehr als einmal mit sakraler Mächtigkeit. Zugleich führten die Musiker ihr Publikum in die unterschiedlichen Epochen ihrer Kunst und ebenso in die Wesenszüge der Komponisten.

Barockposaunen, sonst eher von zeitgenössischen Holzschnitten, Kupferstichen oder Ölgemälden bildlich bekannt, überraschten gleich zu Beginn des Konzerts sowohl optisch als auch klanglich. Nun waren die alten Meister der Malerei nicht zwingend gleichzeitig Meister der Instrumentendarstellung. Deshalb wohl das Unerwartete, das die Gewandhausmusiker mit dem ersten Teil ihres Konzerts boten. Die seltsam geformten Posaunen alter Bilddarstellungen wirkten in den von Jürgen Voigt aus Markneukirchen (Sachsen) nachgebauten Originalen schon wesentlich verlässlicher. Dass sie dann auch wie Posaunen klangen, bewirkten ihre Anwender aus Leipzig auf überragende Weise. Unter anderem waren es Werke von Claudio Monteverdi, Tylmann Susato und Heinrich Schütz, die „Opus 4“ auf Barockposaunen erklingen ließ.

Der instrumentale Umstieg auf die heutige Zeit erfolgte dann mit „Lobet den Herren, alle Heiden“ von Johann Sebastian Bach. Wie auch die Berliner Philharmoniker spielen die Posaunisten von „Opus 4“ auf deutschen Instrumenten und geben damit dem Posaunensatz einen typischen, homogenen, weichen Klang.

Im zweiten Teil des Bücker Programms folgten Werke von Anton Bruckner, Jacques Charpentier und George Gershwin. Das Publikum zeigte seine Begeisterung mit anhaltendem Applaus, und so wurden die Musiker erst nach zwei Zugaben entlassen.

Pastor Paul-Gerhard Meißner erklärte, dass der Erlös der Veranstaltung der laufenden Instandhaltung der 2014 renovierten Orgel dienen werde. „Nach der Renovierung ist vor der Renovierung“, sagte Meißner und wies auf den gemütlichen Ausklang des Konzertabends bei rotem und weißem Orgelwein aus der Pfalz hin. Dessen Verkaufserlös werde gleichfalls der Orgelinstandhaltung dienen.

www.posaunenquartett-opus4.com

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