„Wissen nimmt die Ängste“

Hospizverein Dasein aus Hoya bildet ab März Ehrenamtliche in der Sterbebegleitung aus

Karen Siepen und Tanja Dannemann (von links) sind selbst ausgebildete Ehrenamtliche in der Sterbebegleitung und empfehlen jedem, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Denn schließlich betrifft es uns alle“, sagen sie.
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Karen Siepen und Tanja Dannemann (von links) sind selbst ausgebildete Ehrenamtliche in der Sterbebegleitung und empfehlen jedem, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Denn schließlich betrifft es uns alle“, sagen sie.

Hoya – Wenn ein geliebter Mensch im Sterben liegt, haben die Angehörigen oft zahlreiche Fragen. Dann sind die Dienste des Hospizvereins Dasein aus Hoya gefragt.

Wenn ein geliebter Mensch im Sterben liegt, haben die Angehörigen oft zahlreiche Fragen. Oftmals wird die Angst vor dem Verlust oder gar davor, etwas falsch machen zu können, durch diesen Umstand noch viel größer, meinen Karen Siepen und Tanja Dannemann vom Hospizverein Dasein aus Hoya. „Das Thema betrifft alle. Jeder kann im Laufe seines Lebens einen Familienangehörigen, einen Freund oder einen Partner verlieren“, sagen sie.

Genau aus diesem Grund sei es gut, auf einen solchen Moment vorbereitet zu sein. „Wissen nimmt die Ängste“, sind sich die Frauen sicher und sprechen dabei aus Erfahrung. Denn Siepen und Dannemann sind schon seit geraumer Zeit als Ehrenamtliche in der Sterbebegleitung tätig. „Wir haben keine Angst mehr vor dem Tod“, erklären sie. Unter anderem diese Einstellung sei es, die Sterbebegleiter Angehörigen und auch Betroffenen mit auf den Weg geben möchten. Dabei benötigen die Aktiven jetzt jedoch Unterstützung, weswegen der Verein Interessierten ab März die Möglichkeit anbietet, sich zum Ehrenamtlichen in der Sterbebegleitung ausbilden zu lassen.

„Wir fahren beispielsweise innerhalb unseres Einsatzbereiches, welcher sich über die beiden Samtgemeinden Hoya und Bruchhausen-Vilsen erstreckt, zu den Sterbenden nach Hause oder in ein Seniorenheim“, geben die beiden einen Einblick. Der Sterbeprozess sei eine intensive Zeit, die gelingen solle. „Sterben ist aber auch eine sehr intime Sache, ähnlich wie eine Geburt.“ Damit währenddessen alles so läuft, wie es sich die Angehörigen und Betroffenen wünschen, vermitteln Karen Siepen und Tanja Dannemann beispielsweise auf Wunsch Kontakte zu Palliativmedizinern oder Pastoren. „Wir sind aber auch da, wenn jemand Fragen hat oder einfach nur reden möchte“, betonen die zwei Frauen. Ihren Erfahrungen nach könnten die Sterbenden mit ihnen in den meisten Fällen viel offener über ihre Sorgen, Wünsche und Bedürfnisse reden als mit vertrauten Familienangehörigen. „Wir sind neutrale Personen“, vermuten sie als Grund dahinter.

Ihre Einsätze seien nicht, wie von vielen vermutet, von Traurigkeit geprägt. Natürlich baue man durch das ständige Beisammensein eine Beziehung auf, „aber wir können nur helfen, wenn wir mitfühlen, nicht aber mitleiden“, sagt Karen Siepen. Manche Sterbegleitungen würden sich über einen kurzen Zeitraum erstrecken, andere über Jahre hinweg. Aber dass die betroffene Person sterben werde, stehe von Anfang an fest. Man könne nur schauen, an welchen Ecken und Enden Hilfe benötigt werde. „Unsere Arbeit ist kein Trauerspiel. Wir haben auch immer viel zu lachen“, versichern die Ehrenamtlichen in diesem Zusammenhang immer wieder.

Wenn bestimmte Situationen dann aber doch emotional sehr nah gehen würden oder die Begleiter mal nicht weiter wüssten, gebe es für solche Fälle zum einen den Partner, mit dem ein Austausch erfolgen könne. Denn es werde immer zu zweit begleitet, Gespräche seien wichtig, meinen Siepen und Dannemann. Und zum anderen würden regelmäßig sogenannte Supervisionen, also Mitarbeiterberatungen, angeboten, in dessen Rahmen Probleme zum Ausdruck gebracht werden können.

Wichtig sei bei dem Ehrenamt, sich auf das Thema Sterben einzulassen und sobald man eine Familie besuche, sich von seinen eigenen persönlichen Dingen losmachen zu können. „Es zählt der Wunsch der Sterbenden und Angehörigen“, betonen Siepen und Dannemann.

Neben der Tätigkeit als Ehrenamtlicher in der Sterbebegleitung könne sich aber auch jeder an den anderen Aufgaben des Vereins beteiligen. Konkret gehe es beispielsweise um die Vorbereitungen von Fortbildungen, die Pressearbeit oder die Organisation von Benefizveranstaltungen. „Jeder soll sich so einbringen, wie er möchte und gerade kann“, wünschen sich die beiden Frauen.

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