Duo „Walther & Treyz“ begeistert mit einem Mix aus irischer und deutscher Folklore

Ein Auftritt, der unter die Haut geht

Gudrun Walther und ihr Ehemann Jürgen Treyz spannten den Bogen von deutschsprachigen Volksliedern bis hin zu Bluegrass-Songs. Foto: UWE CAMPE

Bücken - Von Uwe Campe. Es ist schon erstaunlich, welch hochkarätige Musikveranstaltungen Peter Klein in seiner Bücker Kleinkunstdiele (KKD) stets aufs Neue förmlich aus dem Hut zu zaubern scheint. So ist ihm auch zum Start in die diesjährige Konzertsaison mit dem Auftritt des Duos „Walther & Treyz“ aus dem schwäbischen Oberlenningen wieder ein Auftakt nach Maß gelungen, der nicht nur ein volles Haus bedeutete, sondern im Verlauf des Konzerts auch strahlende Gesichter der durchweg begeisterten Besucher.

Doch der Reihe nach: Gudrun Walther (Gesang, Geige, Akkordeon) ist die Musikbegeisterung in die Wiege gelegt worden, war doch bereits ihr Urgroßvater, von dem sie die mitgeführte Violine geerbt hat, von Beruf Tanzgeiger. Sie und ihr Ehemann Jürgen Treyz (Gitarre, Gesang) touren entweder zu zweit oder aber gemeinsam mit der von ihnen 2003 gegründeten deutsch-irischen Folkband „Cara“ durch Europa, Amerika und sogar Australien. Sie zählen inzwischen mit zu den angesagtesten Folkmusikern Deutschlands, haben zudem bereits zwei „Irish Music Awards“ gewonnen und außerdem zahlreiche CDs aufgenommen.

Der reduzierte Auftritt als Duo ermöglicht den beiden Künstlern eine Entdeckungsreise zu den eigenen Wurzeln und erlaubt ihnen, ihr Können komplett auszuspielen. Mit der als „Contemporary Folk“ umschriebenen Musik spannen sie den Bogen von deutschsprachigen Volksliedern, der ihnen inzwischen zur zweiten Heimat gewordenen keltischen Musiktradition, bis hin zu den auf den verschiedenen Tourneen kennengelernten Bluegrass-Songs.

Auch in der KKD gelang den beiden mit einem vielseitigen und fein arrangierten Programm der musikalische Brückenschlag zwischen Irland und Deutschland, wobei sich vokale und instrumentale Stücke in etwa die Waage hielten. In den Liedern glänzte Gudrun Walther mit kristallklarer Stimme, während Ehemann Jürgen Treyz mit der zweiten Stimme diskret, aber durchaus wirkungsvoll im Hintergrund agierte. Dass zudem beide ihre jeweiligen Instrumente perfekt, gleichzeitig aber auch mit viel Spielwitz beherrschen, versteht sich bei diesen Vollblutmusikern von selbst. Insgesamt hinterließ das nur gelegentlich Blickkontakt suchende Paar einen sich intuitiv verstehenden und hervorragend aufeinander eingespielten Eindruck.

Den Anfang machte ein etwa vierminütiger, geigendominierter irischer Tanz, dem die Ballade „Maid on the Shore“ folgte, in der eine hübsche, von Piraten geraubte Jungfrau diese mit ihrem Gesang derart betörte, dass alle Männer einschliefen und das junge Mädchen schließlich mit deren erbeuteten Schätzen entkommen konnte.

Zu allen vorgetragenen Stücken lieferte das Paar instruktive Hintergrundinformationen, wie etwa bei den beiden Menuetten aus der sogenannten Dahlhoff-Sammlung. Dabei handelt es sich um zahlreiche von der Küsterfamilie Dahlhoff im westfälischen Dinker gesammelte und katalogisierte Volkstänze aus dem 18. Jahrhundert, die dort fast 200 Jahre unbeachtet auf einem Dachboden schlummerten und erst 2012 wiederentdeckt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

Auf keltische Tänze (Reels, Jigs) folgte die vertonte Version der um 1773 entstandenen schaurig-schönen Ballade „Lenore“ des Dichters Gottfried August Bürger, die

unter anderem auch Autoren wie Edgar Allan Poe inspiriert haben soll. Nach weiteren Tänzen aus der Dahlhoff-Sammlung ging es mit dem Bluegrass-Song „Sticks that made Thunder“ der Band „The SteelDrivers“ in die Pause. In ihm wird aus Sicht einer am Schlachtfeldrand stehenden Eiche ein Gefecht während des amerikanischen Sezessionskriegs besungen.

Auch in der zweiten Konzerthälfte wurden die gespielten Tänze und Lieder von kleinen, meist im familiären Umfeld anzusiedelnden Geschichten begleitet. In dem Song „Heinz fährt Karussell“ des befreundeten Liedermachers Bernd Kohlhepp gelang es dem Duo dann sehr eindrucksvoll, das Bild des mit dem Down-Syndrom behafteten Heinz, der mit glänzenden Augen und geröteten Wangen Karussell fährt, vor das geistige Auge der Besucher zu projizieren - nicht nur gemessen am folgenden Applaus einer der Höhepunkte des Abends.

Nach einer vom Publikum geradezu gebannt und andächtig verfolgten irischen Romanze - für Gudrun Walther der emotionale Tiefpunkt des Abends - sowie den Stücken „Roseville Fair“ und „Return to Milltown“ klang das Konzert programmgemäß mit dem vertonten Gedicht „Auf der Teck“ des schwäbischen Dichters Eduard Mörike aus.

Fiel der Beifall nach den einzelnen Vorträgen bereits ungewöhnlich intensiv aus, so war der Schlussapplaus geradezu rekordverdächtig und nötigte den Musikern gleich mehrere Zugaben ab. Peter Klein fand erst danach Gelegenheit, das Duo für seinen scheinbar unbegrenzten Ideen- und Variationsreichtum zu loben und ihm für den unter die Haut gehenden Auftritt zu danken. Er sprach aber auch dem Publikum seinen Dank für die Unterstützung aus und zitierte eine Zuschauerin, die bereits in der Pause festgestellt hatte: „Ich wusste gar nicht, dass es so viele schöne deutsche Volkslieder gibt.“ Dem wäre eigentlich nichts hinzuzufügen, ließe sich diese denkwürdige Veranstaltung nicht auch trefflich mit einem Vers aus dem vorgenannten Mörike-Gedicht umschreiben, der da lautet: „Wer sich hier nicht freuen kann, der lasse sich begraben“.

Nächste Veranstaltung:

Die KKD zeigt am Mittwoch, 20. Februar, im Rahmen der Reihe „Geschichten von hinter dem Horizont“ ab 19.30 Uhr den Film „Der marktgerechte Patient“.

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