Auf dem Weg nach Bethlehem

In Magelsen sind die Figuren der Weihnachtsgeschichte auf Wanderschaft

Weiße Holzfiguren der heiligen drei Könige mit Menschen auf einem winterlichen Feld
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Die heiligen drei Könige mit ihren golden glänzenden Gaben sind eine der Figurengruppen, die zurzeit in Magelsen auf „Wanderschaft“ in Richtung Kirche sind. Heiligabend werden sie dort – pünktlich zum Festgottesdienst – ankommen. Vor dem Stern, der ihnen vom Waldrand leuchtet, drei Mitglieder des Hersteller-Teams (von links): Wilhelm Meyer, Imke Mühlsteph und Heinrich Meyer.

Magelsen – „Mama, Mama! Scheint jetzt in Magelsen immer die Sonne?“ Aufgeregt streckt der kleine Leon am Fenster den Arm aus und zeigt auf die andere Straßenseite. „Sieh mal, da steht der weiße Engel! Der stand gestern noch bei der alten Schule. Und die Sonne scheint auch.“ Seine Mutter kommt herüber, legt ihrem Sohn die Hand auf die Schulter und überlegt schon mal, welche Erklärung sie gleich abgeben kann. Denn prompt bemerkt der Fünfjährige in ernstem Ton: „Du hast gesagt, wenn Engel auf Reisen gehen, scheint die Sonne.“

„Das sagt man so“, versucht Leons Mutter ihm auseinanderzusetzen. „Das ist ein Sprichwort, eine Redensart. Außerdem ist der Engel da drüben eine Holzfigur. Mit mehreren weiteren Figuren trifft er sich Heiligabend vor der Kirche. Da stellen sie dann gemeinsam die Weihnachtsgeschichte dar. Maria und Joseph sind natürlich dabei, die heiligen drei Könige und ...“ Leon unterbricht sie, immer noch aufgeregt: „Aber der Engel macht den Sonnenschein. Das sieht man doch. Oder?“

Seine Mutter unterdrückt einen Seufzer und nimmt sich fest vor, künftig behutsamer zu sein – mit geflügelten Worten, aus denen ihr Sohn einen Erklärungsbedarf ableiten könnte. Aktuell aber gelingt es ihr, Leon mit der Geschichte der Magelser Weihnachtsfiguren zu begeistern. Schließlich gehören zu denen auch noch ein Kamel, ein Esel und ein Ochse – wenn auch nur aus Holz.

Insgesamt fünf Gruppen weißer Figuren sind es, die sich derzeit in Magelsen auf dem symbolischen Weg nach Bethlehem befinden. Stellvertretend für den Geburtsort des Christuskinds ist es der Vorplatz der Kirche, wo sich die Figuren der Weihnachtsgeschichte am Heiligabend zum Gottesdienst unter freiem Himmel versammeln werden.

Ein Team kreativer Magelser setzte diese Idee in die Tat um und löste damit begeisterte Reaktionen aus – bis hin zu einem regelrechten kleinen Figuren-Tourismus. Einwohner aus dem Ort und der Umgebung machen sich mit dem Auto, per Fahrrad oder zu Fuß auf den Weg, um herauszufinden, wo sich die leuchtend weißen Figuren gerade „aufhalten“. Friederike Stegemann und Imke Mühlsteph hatten die Idee zu der außergewöhnlichen Inszenierung der Weihnachtsgeschichte, die sich mit wechselnden Schauplätzen zurzeit im Magelser Ortsbild abspielt.

Die Vorarbeiten für das Projekt leisteten Imke Mühlsteph, Tanja Spekovius und Sabina Koldehofe. Und dann schritten Hartmut Westermann, Wilhelm Meyer und Heinrich Meyer mit der Stichsäge zur Tat. Aus wetterfesten weiß beschichteten Spanplatten modellierten sie die Figuren, deren Umrisse zuvor mithilfe eines Beamers auf die Platten projiziert worden waren. Hinzu kamen Bodenbretter und Erdnägel, Lilo Meyer und Angelika Meyer besorgten den Endschliff, und schon waren die Skulpturen fertig für den Start ihrer „Wanderschaft“.

Dazu stellten die Initiatoren ihre weißen Werke an verschiedenen Punkten in der Gemeinde auf und versäumten es nicht, Paten für die insgesamt fünf Figurengruppen anzuwerben. Anwohner in der Nähe der jeweiligen Standorte sind es, die sich um das Wohlergehen der Figuren kümmern – so etwa, wenn doch einmal eine Bö kommen sollte, der die Bodenverankerung nicht standhalten würde.

Für die „Wanderschaft“ der Figuren sorgt das Team etwa alle ein bis zwei Tage. Dann geht es für Maria und Joseph mit dem Esel, die heiligen drei Könige mit dem Kamel, den Schäfer mit seiner Schafherde und den Engel mit seiner frohen Botschaft immer ein Stück weiter in Richtung Kirche. Der Ochse befindet sich auf dem Vorplatz, weil er in der Weihnachtsgeschichte ja auch im Stall steht.

„Friederike Stegemann und ich gingen von dem Grundgedanken einer Krippe auf dem Kirchenparkplatz aus. So entstand die Idee der wandernden Figuren, zunächst noch als coronabedingten Ersatz für den Gottesdienst“, erzählt Imke Mühlsteph. Letzterer wird nun vor der Kirche stattfinden – dort, wo dann auch alle weißen „Darsteller“ der Weihnachtsgeschichte nach ihrer Wanderschaft eingetroffen sein werden.

Von Horst Friedrichs

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