JBG-Entlassungsfeier mit Ermunterungen und Mahnungen / Beckmann-Urenkel zu Gast

„Auch das Abitur mit Note 3,6 ist ein Riesenerfolg“

Femke Plüschke und Jan-Henrik Gieße hielten die Schülerrede.

Hoya - Von Michael Wendt. „36 Jahre lang bin ich vor einer Rede bewahrt worden. Aber manche erwischt es auf den letzten Drücker – das wissen manche Abiturienten ja auch“, frotzelte Deutsch-Leistungskurs-Lehrer Werner Kraus am Freitag bei der Entlassung der Hoyaer Abiturienten. Der Oberstudienrat geht in den Ruhestand und musste deshalb als Redner bei der Feier am Johann-Beckmann-Gymnasium (JBG) ran. Und so entdeckte er am Ende seiner Berufszeit einen Beweis für die Bedeutungslosigkeit von Literatur: das „Turbo-Abitur“ nach zwölf Schuljahren.

„Wenn deutsche Minister ,Die Entdeckung der Langsamkeit‘ des deutschen Schriftstellers Sten Nadolny gelesen hätten, wäre das zu verhindern gewesen“, sagte Kraus, der für seine Rede lauten Applaus und zwischendurch immer wieder Lacher vonseiten der Schüler erntete. „Danke, Herr Kraus!“, verabschiedete ihn Jan-Henrik Gieße, der gemeinsam mit Sabrina Petersen die Feier moderierte, und fügte laut hinzu: „Der Typ ist der Hammer!“

Gieße hielt gemeinsam mit Femke Plüschke auch die Abiturienten-Rede. Viel Wichtiges habe man in der Schule nicht gelernt, sagte Plüschke: Die Cafeteria fegen, Fristen einhalten oder Steuererklärungen machen. „Aber wir haben gelernt, dass die Aussage ,Die Klausuren der Oberstufe gehen vor‘ schlichtweg eine Lüge war.“ Denn in der Oberstufe hieß es immer: Die Arbeiten der fünften und sechsten Klasse gehen vor, scherzte Femke Plüschke.

Zum „Turbo-Abi“ kam noch das Turbo-Schuljahr 2015/2016. „Es war vorne zu kurz und hinten zu kurz“, sagte Schulleiter Lutz Bittner und dankte seinem Kollegium für tolle Arbeit in extrem kurzer Zeit. Ganz schlecht getan hat das „Turbo-Abitur“ dem aktuellen Entlassungsjahrgang übrigens nicht. 85 Schüler waren zu den Prüfungen zugelassen worden, 84 schafften das Abi, unter ihnen 19 ehemalige Realschüler, die am JBG besonders gefördert werden.

Lutz Bittner ehrte im Namen der Nienburger Ernst-Stewner-Stiftung Lea Bening für das beste Abitur (Note 1,4). Die schlechteste Note war eine 3,6. „Aber auch dafür haben die Schüler gekämpft und es geschafft, und deshalb ist es ein Riesenerfolg“, lobte Bittner.

Zu Beginn der Feier hatte er einen besonderen Gast begrüßt: Erstmals war in Dr. Nicolau Beckmann ein Nachfahre des Schulnamensgebers Johann Beckmann (1739–1811) vor Ort. Er ist der Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel des gebürtigen Hoyaers, der im 18. Jahrhundert den Begriff „Technologie“ prägte und heute als Begründer der Warenkunde gilt. „Wenn Sie sich fragen ,In welche Richtung will ich gehen?‘, dann entscheiden Sie sich mit dem Herzen!“, rief Nicolau Beckmann den Schülern zu.

Detlef Meyer war in diesem Jahr Dreifach-Gast der Verabschiedung: als Samtgemeindebürgermeister, als Vertreter der Hans-Lühmann-Stiftung und „als stolzer Vater eines Sohns, der das Abitur geschafft hat“. Die Arbeit fängt nach dem Abi erst an, sagte er – nicht als einziger Redner. Aber, fügte Meyer hinzu: „Euer Talent ist eure Chance – und auch unsere. Lasst jetzt euer Talent von der Kette!“

Als Vertreterin der Elternschaft ermutigte Susanne Bregmann, die gemeinsam mit Claudia Theis sprach, die Schüler zu mehr Fantasie. „Die brauchen wir. Das durch Geld und Noten zu Bewertende hat in unserer Zeit ein zu starkes Gewicht.“ Elisabeth Duske vom JBG-Förderverein sagte: „1 000 Pläne zu haben, ist allemal besser als ein ,Plan B‘.“

Schließlich verabschiedete Lutz Bittner die Schüler an diesem 17. Juni, dem ehemaligen Gedenktag für die Opfer des Aufstands 1953 in der DDR, mit einer Mahnung. Angesicht der Flüchtlingsströme sagte er: „Die Würde des Menschen ist unantastbar, so steht es im Grundgesetz. Alle Menschen sind gleich. Ihr hab den Auftrag, diesem Recht Geltung zu verschaffen!“

Die besonders Geehrten:

Die Jahrgangsbesten erhielten Preise der Ernst-Stewner-Stiftung (Notendurchschnitt/Preisgeld):

Lea Bening (1,4; 600 Euro)

Finn Stürmann (1,5; 400 Euro)

Stefanie Friedrich (1,5; 200 Euro)

Weitere Einser-Abiturienten:

Femke Plüschke (1,6), Sophia von Lingen (1,6), Ruben Leon Salz (1,6), Corinna Schneidt (1,7), Rieke Heitmann (1,7), Tim Bösche (1,7), Julia Hogrefe (1,8), Leonie Stöver (1,9), Inken Feltrup (1,9), Pascal Brockmann (1,9)

Von der Hans-Lühmann-Stiftung ausgezeichnet und mit je 333 Euro bedacht:

Rieke Heitmann für herausragende Leistungen im Profil Naturwissenschaften (1,7)

Tim Bösche für herausragende Leistungen im Profil Sprache (1,7)

Rieke Schulz als beste ehemalige Realschülerin (2,0)

Einen Sonderpreis der Schule (250 Euro) erhielt

Dilber Ersu für herausragende Leistungen als ehemalige Realschülerin und für besonderen Einsatz im sozialen Bereich.

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