Galina Frieling aus Weißrussland war mit 22 Jahren in Hoyerhagen – und kam zehn Jahre später wieder

Sie kam als Au-pair, sie blieb als Ehefrau

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Galina Frieling geb. Nikulina aus Gomel (vorne, rechts) kam vor 14 Jahren als Au-pair zu Beate Waibel-Flanz (links) und deren Familie. Jetzt lebt Galina mit ihrem damaligen Nachbarn und heutigen Ehemann Jens Frieling in Hoyerhagen. Der Bezug zur Heimat ist ihr wichtig – so hilft sie jedes Jahr beim Besuch der 18 Kinder aus Gomel (im Hintergrund).

Hoyerhagen - Von Vivian Krause. Beim Spargelessen mit Freunden ging er auf die Knie und stellte die Frage aller Fragen: „Willst du mich heiraten?“ „Eigentlich wollte ich schon vorher in der Achterbahn fragen, aber da war zuviel Adrenalin im Spiel“, sagt Jens Frieling rückblickend über den Antrag, den er seiner jetzigen Frau Galina machte. Die Weißrussin sagte „ja“. Doch bis zum Kniefall vergingen mehr als zehn Jahre.

Mit einer Achterbahnfahrt ist der Beginn ihrer Liebe nicht zu vergleichen – kein Kribbeln im Bauch beim ersten Treffen, kein Höhenflug, kein Adrenalin. Als Galina Frieling 2003 zum ersten Mal nach Hoyerhagen kam, hätte die Weißrussin nie gedacht, dass sie dort sieben Jahre später hinziehen würde. Sie wusste nur, dass sie ein Jahr als Au-pair-Mädchen bei einer deutschen Familie verbringen würde. Ausgerechnet deren Nachbar ist mittlerweile ihr Ehemann.

Die heute 35-jährige Galina Frieling ist in Gomel geboren, ihr Mädchenname lautete Nikulina. Dort lebt ihre Familie noch heute. Nach der Schule arbeitete sie als Buchhalterin, doch sie wollte mehr. So meldete Galina Frieling sich bei einer Au-pair-Agentur, begann Deutsch zu lernen – und hatte Glück.

Mit 22 Jahren, im September 2003, ging es für sie nach Hoyerhagen. Galina Frieling fand bei Beate Waibel-Flanz und Jürgen Flanz sowie ihren Kindern, der damals dreijährigen Emilie und dem im Juni 2004 geborenen Mattis, ein Zuhause auf Zeit. Eine spannende, aber auch ungewohnte Erfahrung: „Ich komme aus der Stadt und lebe plötzlich auf dem Land“, erinnert sich das ehemalige Au-pair. „Hier konnte ich nicht einfach so ins Kino.“ In Gomel teilte sich Galina Frieling mit ihrem Bruder, ihren Eltern und ihrer Großmutter eine Drei-Zimmer-Wohnung, in Hoyerhagen hatte sie plötzlich ein Zimmer für sich allein.

Der Nachbar, der zum Ehemann wurde

Die Zeit war ein Glücksfall. Nicht nur, weil sich das Mädchen in Hoyerhagen sehr wohl fühlte und komplett in die Familie integriert wurde. Sondern auch, weil gleich nebenan ihr heutiger Mann wohnte. Von einer Beziehung oder gar Ehe mit ihm war sie aber noch weit entfernt, als Galina Frieling – ein „selbstbewusstes, bodenständiges und realistisches Mädchen“, wie Waibel-Flanz sagt – nach einem Jahr wieder in ihre alte Heimat zurückkehrte. Dass Jens Frieling der Richtige für sie sein könnte, ahnten sowohl Galina Frieling als auch ihr heutiger Ehemann nicht: „Ich war einfach zu blöd“, sagt Jens Frieling und lacht.

Schon damals wollte Galina Frieling wieder nach Deutschland kommen. Nicht wegen der Liebe, sondern wegen der Bildung. Während ihrer Au-pair-Zeit machte die jetzt 35-Jährige ein Fernstudium im Bereich Buchführung und Finanzen in Weißrussland. Ihr großer Traum: irgendwann in Deutschland studieren. Das hat geklappt.

Er war der nette Typ von nebenan

Zurück zur Au-pair-Zeit und zu Jens Frieling: Er war der nette Typ von nebenan. Nicht mehr und nicht weniger – zunächst. „Wir haben uns nach meiner Rückkehr nach Gomel Grußkarten zu Weihnachten und zum Geburtstag geschickt“, erinnert die 35-Jährige sich. Rein freundschaftlich.

Im Jahr 2005, ein Jahr nach der Au-pair-Zeit, besuchte Galina Frieling die Familie Flanz erneut. Sie war dort zur Geburtstagsfeier eingeladen. Jens Frieling war ebenfalls Gast. „Wir haben uns eingebildet, zwischen den beiden hat es da schon geknistert“, sagt Waibel-Flanz. „Die beiden haben ziemlich lange miteinander geredet“, erinnert sie sich. Doch auch das war laut Galina Frieling nur freundschaftlich. Der Kontakt beschränkte sich also weiter auf Grußkarten.

Erst 2009 nahm die Liebesgeschichte Fahrt auf. Jens Frieling schickte Galina eine E-Mail. „Dann nahm es seinen Lauf“, sagt Galina Frieling. „Wir haben fast jeden Tag Kontakt gehabt“, fügt Jens Frieling hinzu. „So konnte Galina auch weiter Deutsch lernen“, sagt er.

Silvester 2009 feierte Galina Frieling in Deutschland. Doch nicht etwa mit der Familie Flanz, sondern mit Jens Frieling. Seit dem Besuch sind die Zwei ein Paar.

Umzug nach kurzer Fernbeziehung

Zunächst hatten sie eine Fernbeziehung. Regelmäßig trafen sie sich – zum Skifahren in Polen, bei einem Besuch in Gomel. Ende 2010 zog die Weißrussin nach Deutschland. Geheiratet haben die beiden im Dezember 2013.

Eingeladen war dort auch die Familie Flanz. Sie schenkten den beiden ein Zettel, den ihre Tochter Emilie an jenem Silvestertag geschrieben hatte. „Du hast mir versprochen, bei mir zu schlafen“, schrieb die Kleine darin. Doch dieses Versprechen musste die Weißrussin wohl brechen – der Liebe wegen.

Nicht nur ihr Traum von der großen Liebe, sondern auch der vom Studium in Deutschland wurde wahr. Dafür musste sie jedoch zunächst einen einjährigen Sprachkurs belegen. Nachdem sie die Prüfung abgelegt hatte, konnte ihr Studium beginnen. An der Universität in Bremen studierte sie Betriebswirtschaftslehre (BWL) mit dem Schwerpunkt Logistik. Den Abschluss Bachelor of Arts hat die 35-Jährige seit zwei Jahren. Derzeit sucht sie einen Job.

Galina Frieling fühlt sich in Hoyerhagen sehr wohl. Den Bezug zu ihrer Heimat hat sie aber nicht verloren. Ihre Familie besucht sie regelmäßig, aber auch die jährlichen Treffen mit den Kindern aus Gomel begleitet sie.

2011 half sie zum ersten Mal bei der von der Hoyaerin Renate Paul organisierten Aktion. Jedes Jahr kommen 18 Kinder mit Betreuern für vier Wochen in den Kirchenkreis Syke-Hoya. Für die Kinder aus Gomel ist das eine Flucht aus ihrem Alltag. Gomel war eine stark betroffene Region der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl (im Nachbarland Ukraine). Die Folgen sind noch immer zu spüren. Durch die radioaktive Strahlung ausgelöste Erkrankungen wie Krebs sind die häufige Folge, einige Kinder haben dadurch schon Elternteile verloren.

„Sie sprechen meine Sprache“, sagt Galina Frieling in fast akzentfreiem Deutsch. „Ich helfe, wo ich kann.“ Bei Ausflügen oder vor Ort im Jugendlandheim, in dem die Kinder übernachten – Galina Frieling und ihr Mann sind so oft es geht mit dabei. „Ich bin vier Wochen nicht ansprechbar für Freunde“, sagt die 35-Jährige und lacht. Mittwoch hieß es jedoch erst mal Abschied nehmen, denn die Kinder flogen zurück in ihre – und auch Galina Frielings frühere – Heimat.

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