Architekturbüro stellt Ideen für künftige Nutzung vor / Massive Umbauten nötig

Das Grafenschloss braucht neue innere Werte

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Mediengruppe Kreiszeitung

Von Michael Wendt. Gastronomie, Tagungs- und Schulungsräume, ein Trauzimmer, eine Hochzeits-Suite, Miet- und Ferienwohnungen, dazu Büroräume: Das alles könnte in Zukunft Platz im Hoyaer Schloss finden. „Ein Mix aus dem Anspruch, öffentlich zu sein und Erträge zu erwirtschaften, muss es sein“, sagte Lennart Hellberg, der Geschäftsführer von „pmp Projekt“ in Hamburg. Die Stadt hatte das Architekturbüro mit der Erstellung eines Nutzungskonzepts für das alte Grafenschloss beauftragt. Am Mittwochabend stellte es Hellberg der Öffentlichkeit im „Lindenhof“ in Hoya vor – und gab auch eine Kostenprognose für die Umsetzung der Ideen: 5,1 Millionen Euro.

Rund 100 Zuhörer waren in den „Lindenhof“ gekommen. „Schön, dass das Thema so viele interessiert“, sagte Bürgermeisterin Anne Wasner (SPD). Sie hatte den Kauf des Schlosses vehement gefordert und blickte zurück: „Wir haben am 11.11. [2013] für den Kauf gestimmt – und es war kein Faschingswitz! Und wir haben es am 1. April [2014] vom Land übernommen – und es war kein Aprilscherz!“

„Das Schloss ist das zentrale Kulturdenkmal in Hoya“, sagte Lennart Hellberg. Es habe in seiner Geschichte viele tiefgreifende Veränderungen erlebt. „Mittelalterlich sind hauptsächlich nur noch die Außenmauern.“ Das sei ein Vorteil, denn so sind aus Sicht von Hellberg Änderungen möglich, ohne den Denkmalschutz zu berühren. Und bauliche Änderungen seien dringend nötig: Die Flügel benötigten aus Sicherheitsgründen jeweils ein zweites Treppenhaus, außerdem einen Fahrstuhl („Ohne Barrierefreiheit geht es heute nicht mehr.“), und die aktuelle Zimmer-Aufteilung sei viel zu kleinteilig.

Vor der Aufstellung des Nutzungskonzepts habe „pmp Projekt“ mit Bürgern, Firmen und der Verwaltung gesprochen, ihre Ideen aufgenommen. Daraus entwickelte die Firma das vorgestellte Konzept. Oder, besser gesagt: mehrere. „Es ist heute kein festgelegtes, in Stein gemeißeltes Nutzungskonzept, das wir Ihnen präsentieren, sondern eine erste Idee“, betonte Hellberg.

Was die kommerzielle Nutzung des Schlosses angeht stehe an erster Stelle die Gastronomie. Hellberg: „Ein Punkt, der unbedingt zum Nutzungskanon gehören sollte!“ Der Konzeptentwurf sieht dafür das mittleren Gebäude vor. Insbesondere die vorhandene Terrasse „sollte fast zwingend für die gastronomische Nutzung angedacht werden“.

Für das um 1840 entstandene mittlere Gebäude gilt allerdings das Gleiche wie für die beiden älteren Flügel des Schlosses: Die Nutzfläche ist gering. Für einen größeren Gästeraum schlug Hellberg deshalb einen Anbau im Süden vor. Auf der Schlosszufahrt könnten 35 Parkplätze entstehen.

Bei der Untersuchung der Bausubstanz, die keine gravierenden Schäden aufweist, gab es eine Überraschung: Im Ostflügel existierte einst ein Saal. Die Deckenbalken sind noch vorhanden. Der Raum könnte wieder hergerichtet werden, wäre 140 Quadratmeter groß und böte bis zu 100 Leuten Platz.

An zwei Stellen geben die Gebäude einen tiefen Einblick in die Geschichte: im Gewölbekeller des Ostflügels und im ehemaligen Kerker im Westflügel – beide sollten erhalten bleiben.

Das gilt auch die zwei Dachgeschoss-Wohnungen im Westflügel – allein schon, damit das Schloss stets belebt ist. Weitere Wohnungen im leer stehenden Dachgeschoss des Ostflügels einzurichten, sei kostenintensiv, sagte Hellberg, und würde durch den nötigen Bau von Gauben das Aussehen des Schlosses maßgeblich beeinflussen. Alternativ könnte das Dachgeschoss als Magazin- und Depotfläche für Stadtarchiv und Heimatmuseum dienen.

Mehrere Zuhörer lobten das Konzept ausdrücklich. Kritik gab es keine. Die geäußerten Anregungen zielten vor allem darauf ab, durch die Schaffung weiterer Wohnungen mehr Einnahmen zu generieren.

Stadtdirektor Detlef Meyer schloss den Abend mit einem Ausblick: „Wir hoffen auf Fördergelder. Aber um die generieren zu können, brauchen wir ein endgültiges Nutzungskonzept.“ Das soll der Stadtrat im Laufe des nächsten Jahres aus den vorliegenden Ideen erarbeiten und beschließen.

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