Archäolgische Funde

Ausgrabungen am Hoyaer Schloss

Hoyas Bürgermeisterin Anne Sophie Wasner weist auf das historische Feldsteinmauerwerk in der nördlichen Schlossmauer hin, das aus der Grafenzeit stammt. Die jetzige Lücke, die als Baustellenzufahrt dient, war vor dem 18. Jahrhundert nach Abbrucharbeiten mit neuzeitlichen Ziegeln geschlossen worden.
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Hoyas Bürgermeisterin Anne Sophie Wasner weist auf das historische Feldsteinmauerwerk in der nördlichen Schlossmauer hin, das aus der Grafenzeit stammt. Die jetzige Lücke, die als Baustellenzufahrt dient, war vor dem 18. Jahrhundert nach Abbrucharbeiten mit neuzeitlichen Ziegeln geschlossen worden.

Hoya – „Hoch die Tassen!“, muss es wohl des Öfteren geheißen haben – im Hoyaer Schloss zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert. Denn Austernschalen waren es unter anderem, die Archäologen jetzt im Erdreich der einstigen Grafenresidenz entdeckten.

Wie gut es sich die früheren hochwohlgeborenen Bewohner des Schlosses gehen ließen, lassen auch weitere Funde vermuten, die ans Tageslicht kamen. Hinter den Festungsmauern, gegen die zu gräflichen Zeiten sogar Bremer Heerscharen vergeblich anrannten, müssen gutes Essen und ein guter Tropfen zu gräflichen Zeiten fraglos angesagt gewesen sein.

Der Beginn der Rückbauarbeiten am Hoyaer Schloss war am Mittwochnachmittag Anlass für einen Pressetermin an Ort und Stelle. Bürgermeisterin Anne Sophie Wasner, Stadtdirektor Detlef Meyer, Wirtschaftsförderer York Schmelter und Architekt Patrick Dietz von der „Pmp Projekt GmbH“ informierten über den Stand der Dinge. Vor der nördlichen Schlossmauer wurde seit Mitte November eine Baustellenzufahrt mit Lager- und Standflächen eingerichtet. Dort soll später ein Parkplatz für etwa 20 Fahrzeuge entstehen, und zur Schaffung des Unterbaues musste an einigen Stellen tief ins Erdreich eingedrungen werden.

Mögliche Erkenntnisse zur Geschichte Hoyas

Nachdem für die Baustraße ein Durchbruch in der nördlichen Schlossmauer angelegt wurde, ist dort auch deren historischer Teil mit seinen zusammengefügten Feldsteinen zu erkennen. „Bei den archäologischen Grabungen dort vor der Mauer gab es nur wenige Funde“, berichtet Architekt Patrick Dietz. „Zum Beispiel wurden mehrere Tonpfeifenstiele freigelegt, aber auch glasierte Keramik, Steinzeug und einige grün und braun glasierte Ofenkacheln.“ Am aufschlussreichsten aber sind sicherlich die ausgegrabenen Austernschalen, deuten sie doch auf einen Lebensstandard von hohem Niveau hin.

Weil die Funde auf den Zeitraum vom 17. bis zum 19. Jahrhundert datiert wurden, lässt sich nach Aussage von Patrick Dietz darauf schließen, dass der gesamte Bereich vor dem Schloss im 19. Jahrhundert aufplaniert worden ist. Außerdem wurde an der Ausbruchstelle der nördlichen Schlossmauer das Gründungsmauerwerk freigelegt. Es gehörte ursprünglich zur Nordwand eines mittelalterlichen Gebäudes, das in der Zeit bis zum 18. Jahrhundert abgerissen wurde. Auch weiterhin werden Archäologen die Erdarbeiten am Schloss begleiten. Dietz: „Dabei wird es vielleicht noch weitere wertvolle Erkenntnisse zur Geschichte Hoyas und seines Schlosses geben.“

Die etwa vier Meter breite Ausbruchstelle wird zunächst als Zufahrt für Baustellenfahrzeuge genutzt. Später soll die Maueröffnung als Durchfahrt für den Lieferverkehr und als Zufahrt für Feuerwehrfahrzeuge genutzt und mittels eines Tors blickdicht verschlossen werden. Das jetzige Haupttor soll dann weiterhin als öffentlicher Zugang zum Schlosshof genutzt werden.

Arbeiten sind mit Denkmalpflege abgestimmt

„Alle Rückbauarbeiten am Schloss sind mit der behördlichen Denkmalpflege abgestimmt worden“, erläutert Architekt Dietz. „Im Wesentlichen werden neuere An- und Einbauten sowie Bodenbeläge, Abhangdecken, alte Haustechnik und vor allem schadstoffbelastete Bauteile entfernt.“ Die Verbindungselemente zwischen den Gebäuden werden zurückgebaut, sodass sie wie ursprünglich Mitte des 19. Jahrhunderts wieder freistehen. Danach soll es innerhalb der Gebäude weitergehen. Es werde damit gerechnet, so Dietz, dass die Rückbauarbeiten bis zum Frühjahr 2021 andauern. Danach solle es dann zügig mit den Sanierungsmaßnahmen weitergehen. Die Fertigstellung des 7,2 Millionen Euro teuren Projekts sei für 2023 geplant.

„Wir haben das Richtige getan, als wir das Schloss kauften“, sagte Bürgermeisterin Anne Sophie Wasner während des Pressetermins. „Nach 500 Jahren ist das Schloss endlich wieder Hoyaer Eigentum. Darauf können wir bauen. Das wird jetzt deutlich.“ Stadtdirektor Detlef Meyer betonte, dass die Zeitplanungen für das Großprojekt eingehalten worden seien. Wirtschaftsförderer York Schmelter wies auf die nun sichtbaren ersten Veränderungen am Schloss hin.

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