Raus aus der Komfortzone

Aktion des Landvolks Mittelweser bringt Pastoren und Landwirte zusammen

Pastor Michael Weiland (links) und Landwirt Ralf Straßburg verlegten gemeinsam Beregnungsrohre. Foto: Regine Suling
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Pastor Michael Weiland (links) und Landwirt Ralf Straßburg verlegten gemeinsam Beregnungsrohre.

„Jesus ist auch direkt zu den Menschen gekommen. Man darf sich als Kirche nicht darauf verlassen, dass die Menschen zu uns kommen“, findet Michael Weiland. Deshalb ließ sich Hassels neuer Pastor auch nicht zweimal bitten, als ihn das Landvolk Mittelweser und der Kirchenkreis Syke-Hoya gemeinsam dazu einluden, zusammen mit Landwirt Ralf Straßburg das erste Tandem der neuen Aktion „Pastor trifft Bauer“ zu bilden.

Hassel - Die Idee dahinter: Pastoren lernen den Arbeitsalltag von Landwirten kennen. Und das auf ganz praktische Art und Weise: „Ich durfte heute Morgen gleich dabei helfen, 770 Ferkel einzustallen“, sagte Michael Weiland freudig, als er vom Trecker stieg, um eine erste Bilanz seines Einblicks in die Landwirtschaft zu ziehen. „Das war was zum Warmwerden“, sagte Ralf Straßburg über die morgendliche Aktion. „Ich habe schon 1 000 Fragen gestellt. Mir ist es wichtig, von Sorgen, Preisen und der Verantwortung zu hören, die ein Landwirt trägt“, erzählte Michael Weiland. „Ich bin ein Stadtkind, war aber im Sommer immer bei meiner Oma, die eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) in der damaligen DDR betreute.“

Nach dem Zwischenstopp auf dem Hof in Hassel ging es weiter aufs Feld. „Wir müssen Beregnungsrohre verlegen“, kündigte Ralf Straßburg an. „Wahnsinn, dass ich das alles kennenlernen und erfahren darf, wo Lebensmittel herkommen und wer die Menschen dahinter sind“, war Michael Weiland begeistert und hob die Rohre gemeinsam mit Ralf Straßburg vom Anhänger. Körperliche Arbeit sei ihm nicht fremd, sagte der Pastor, der Hochachtung vor dem Beruf des Landwirts hat. „Man muss vielseitig sein und seine Hände in vielen Töpfen drin haben“, stellte er schnell fest. Als er zuvor mit Ralf Straßburg auf dem Trecker durchs Dorf fuhr, winkten ihnen einige Passanten zu. „Hier lässt es sich aushalten“, sagte Michael Weiland denn auch über seinen neuen Arbeitsort Hassel, in dem er mit einer halben Stelle vertreten ist. „Bisher läuft es hier ganz gut. Die Leute sind sehr nett und umgänglich.“

Ralf Straßburg war mit seinem Helfer auf Zeit zufrieden: „Das passt gut“, sagte er und empfiehlt auch anderen Berufskollegen, einen Geistlichen mal mit in den Stall oder aufs Feld zu nehmen. „Ich hoffe, ich bin kein Klotz am Bein“, sagte der Pastor mit einem Grinsen im Gesicht. „Das ist schon in Ordnung“, lobte der Schweinemäster und Ackerbauer den Pastor. Der nahm für sich viele Eindrücke mit: „Man kommt mal raus aus seiner Komfortzone und sieht, was der andere macht.“ So etwas müsse er viel häufiger machen, findet Michael Weiland. „Denn als Pastor ist es wichtig zu wissen, was die Menschen brauchen.“ Ein Gegenbesuch des Landwirts beim Pastor ist ebenfalls vorgesehen – eventuell mit einer Aktion zum Erntedank. Erst mal aber verlegten die beiden gemeinsam die Beregnungsrohre weiter.

„Vielleicht müssen wir nach dem Mittagessen noch hacken, den Ackerschachtelhalm bekommen wir sonst nicht weg. Der hat lange Wurzeln“, sagte Ralf Straßburg und zog das Unkraut mit den Fingern aus der Erde. Zunächst aber gab es eine Mittagspause für die beiden. „Ich finde die Aktion super, weil ich dabei auch den Menschen kennenlerne, mit dem ich es zu tun habe“, berichtete Michael Weiland über den spannenden Tag. Sprach’s und kletterte hinter das Steuer des Treckers. „Du fährst uns nach Hause“, kündigte Ralf Straßburg an. Bange war dem Pastor nicht dabei. „Das ist lange her, aber ich bin als Kind schon Trecker gefahren.“

Weitere Informationen zum Landvolk gibt es im Internet unter

www.landvolk- mittelweser.de

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