Empfehlung der IWG

Hoya: Ärztehaus-Bau soll 2018 beginnen

Hoya - „Die hausärztliche Versorgung in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya ist derzeit noch ausreichend. Wenn das auch in Zukunft so bleiben soll, besteht jedoch Handlungsbedarf“, so lautet das Ergebnis der Bestandsanalyse zur ambulanten medizinischen Versorgung der Beratungsfirma „Ideenwelt Gesundheitsmarkt“ (IWG).

„Für Hoya hat sich herauskristallisiert, dass eine neue Infrastruktur nötig ist, also ein Ärztehaus“, sagt Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer. Und weiter: „Das wollen wir in 2018 angehen.“

Die Samtgemeinde hatte die Firma aus Gießen auf Initiative von Detlef Meyer engagiert. Das Unternehmen hat mit der Analyse im Sommer begonnen. Unterstützt wurde die IWG dabei von der Kanzlei HFBP Rechtsanwälte und Notar. Beide Unternehmen sind nach eigenen Angaben seit Jahren auf die Entwicklung von Lösungsstrategien zur Sicherung der ambulanten ärztlichen Versorgung spezialisiert.

Die Experten sprachen zunächst mit allen „Akteuren der Gesundheit“ in der Region. Mehr als 95 Prozent der Ärzte, Zahnärzte und weitere Gesundheitsakteure haben sich an den vertraulichen Gesprächen beteiligt. Ärzte bezeichneten die Situation in der Samtgemeinde dabei teilweise als katastrophal.

Standort: Ehemaliges Krankenhausgelände

„Wenn einer der Hausärzte wegfällt, wird es eng“, sagt Dr. Oliver Bechtler, Fachanwalt für Medizinrecht bei der Kanzlei. Und die Ergebnisse zeigen: Es wird eng. „Wir würden in den nächsten Jahren sechs Mediziner aus Altersgründen verlieren“, sagt Meyer. „Es geht darum, den Bestand, der noch vorhanden ist, insbesondere an Fachärzten, zu sichern.“

Zwar eröffnet heute Sylke Fueting, Fachärztin für Allgemeinmedizin, eine Praxis in Eystrup (Zur Zwillingslinde, wir berichteten), doch um weitere Sitze nachbesetzen zu können, muss die nötige Infrastruktur geschaffen werden. Laut IWG heißt das: „Es muss geeignete Räume geben, um Kooperationsmodelle umzusetzen und Ärzten eine Tätigkeit in Anstellung und/oder Teilzeit bieten zu können.“

Der Neubau eines Ärztehauses wird laut dem Unternehmen von 70 Prozent der Befragten befürwortet. Zudem erkläre sich eine deutliche Mehrheit bereit, die eigene Praxis dorthin zu verlegen. „Die Akteure im Gesundheitswesen wollen mitmachen, sie sind bereit umzuziehen“, sagt Meyer.

Ehemaliges Krankenhausgelände favorisiert

Es waren laut dem Samtgemeindebürgermeister lange zwei Standorte im Gespräch: an der Scharfen Ecke (Lange Straße/Von-Staffhorst-Straße) und das ehemalige Krankenhausgelände. „Die niedergelassenen Ärzte sagen, man braucht viele Parkplätze“, sagt Meyer. 

Deshalb soll nun auf dem ehemaligen Krankenhausgelände am oberen Ende der Langen Straße das Ärztehaus entstehen. Für die Parkplätze könnte die westliche Spitze des Geländes genutzt werden, auf der aufgrund der Nähe zur Stromleitung keine Wohn- oder Gewerbebauten erlaubt sind. „Dort gibt es hervorragende Anfahrtsmöglichkeiten“, sagt Meyer. Und weiter: „Das Grundstück für das Ärztehaus haben wir [die Stadt]. Und wir haben Investoren, mit denen wir jetzt ins Detailgespräch gehen.“ Das Ziel: Bauen in 2018.

Die IWG-Experten haben zudem Kontakte zur Helios-Klinik Mittelweser in Nienburg sowie zu den Aller-Weser-Kliniken in Verden aufgenommen. Daraus hätten sich bereits vielversprechende Ideen für Kooperationen entwickelt.

Dritter Versuch, Ärzte aufs Land zu holen

Auch führen die Experten Gespräche mit einem Kinderarzt, der Interesse hat, sich in der Samtgemeinde niederzulassen. Laut Meyer sei als Standort die Arztpraxis an der Hoyaer Straße in Bücken denkbar (wir berichteten). 

Fest steht aber noch nichts. Ein privater Investor hat dort eine Praxis gebaut und ausgestattet, um jungen Ärzten den Weg in die Niederlassung zu erleichtern. „Grundsätzlich halten wir es aber nicht für die ideale Herangehensweise, erst die Immobilie zu gestalten und dann den Arzt zu suchen“, sagt Bechtler. „Besser ist es, die Akteure vor Ort mit ins Boot zu holen und sich dann gemeinsam zukunftsfähig aufzustellen.“ Die Experten sehen in der Samtgemeinde Hoya großes Potenzial und sie auf einem guten Weg. - mwe/vik

Es ist die mittlerweile dritte Initiative, die helfen soll, Ärzte aufs Land zu holen. Zum einen gibt es die Imagekampagne „Ärztlich willkommen“, initiiert von Kommunen aus den Kreisen Nienburg, Diepholz und Verden. Zudem haben Bücken, Eystrup und Hoya finanzielle Anreize für die Ansiedlung von Ärzten geschaffen.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Trump räumt russische Einmischung in US-Wahl ein

Trump räumt russische Einmischung in US-Wahl ein

19-jährige Weyherin radelt 900 Kilometer, um Plastikmüll zu sammeln

19-jährige Weyherin radelt 900 Kilometer, um Plastikmüll zu sammeln

Alaphilippe gewinnt Bergetappe - Van Avermaet festigt Gelb

Alaphilippe gewinnt Bergetappe - Van Avermaet festigt Gelb

Obama fordert Kampf gegen Diskriminierung im Geiste Mandelas

Obama fordert Kampf gegen Diskriminierung im Geiste Mandelas

Meistgelesene Artikel

Bulle in Nordholz aus Güllekanal gerettet

Bulle in Nordholz aus Güllekanal gerettet

Heiner Bremer steht auf alte Fahrzeuge: Der Traum vom Oldtimer

Heiner Bremer steht auf alte Fahrzeuge: Der Traum vom Oldtimer

Huhn brütet Küken in Trecker aus – und wird gerade noch rechtzeitig entdeckt

Huhn brütet Küken in Trecker aus – und wird gerade noch rechtzeitig entdeckt

Sport aus Schottland 

Sport aus Schottland 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.