Plattdeutscher Abend im Güterschuppe

„Achtersinnige Geschichten ut dat Lewen“ mit Falco Weerts und Helmut Fellermann

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Gemeinsamer Auftritt (von links): Falco Weerts mit Helmut Fellermann und den Cornelia und Klaus Kasimirs auf der Bühne des Eystruper Güterschuppens. 

Eystrup - Der Heimatverein Eystrup hatte am Samstag zu einem plattdeutschen Abend in den Alten Güterschuppen am Eystruper Bahnhof eingeladen, zu dem Anne Graue vom Vorstand neben etwa 100 Gästen den Autor und Moderator Falko Weerts begrüßen konnte. Der 77-jährige „Plattsnacker“ aus Kirchweyhe ist einem breiten Publikum noch bestens durch die Fernsehsendung „Talk op Platt“ des Norddeutschen Rundfunks in Erinnerung, die er an der Seite von Gerlind Rosenbusch zwischen 1995 und 2006 etwa 120 Mal moderierte. Darüber hinaus hat er aber auch in Filmen mitgewirkt, lange Jahre die plattdeutschen Nachrichten auf Radio Bremen gesprochen und mehrere Bücher verfasst, die in einem eigenen Verlag erschienen sind.

Zur Verstärkung hatte sich der gebürtige Ostfriese Weerts den gelernten Schneider und späteren Bademeister Helmut Fellermann aus Lahausen sowie das Akkordeon-Duo Cornelia und Klaus Kasimir aus Weyhe mitgebracht. Unter dem Motto „Achtersinnige Geschichten ut dat Lewen“ unterhielten dann der sich allerdings in einem hartnäckigen Kampf mit seinem Mikrofon befindliche Weerts und der als „Hinnerk Achterdiek“ vorgestellte Fellermann in einem sauberen Plattdeutsch auf meist humorvolle Weise mit Alltagsgeschichten, Döntjes, selbstverfassten Gedichten, Rätseln und Zungenbrechern. Die mit statistischen Daten unterlegten Betrachtungen über die plattdeutsche Sprache, die Entstehungsgeschichte von Radio Norddeich oder die Rolle der Mutter im Wandel der Zeit hatten dann schon eher einen ernsteren Hintergrund. Ausführungen von Fellermann über den in der Handwerkerhierachie ganz unten angesiedelten Schneiderberuf ließ Weerts passend eine plattdeutsche Übersetzung von Schneidermeister Böck aus Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ folgen. Anekdoten über Begegnungen mit Plattdeutsch sprechenden Künstlern wie etwa der Volksschauspielerin Heidi Kabel, dem Opernsänger Heinz Kruse oder dem Schauspieler Peter Heinrich Brix rundeten das knapp zweistündige, nur durch eine Pause unterbrochene Programm ab.

Für den musikalischen Part waren zunächst einmal die auf eine mehr als 35-jährige Bühnenpräsenz zurückblickenden Cornelia und Klaus Kasimirs auf ihren Akkordeons zuständig, die ebenso mit einem Mix aus Evergreens wie mit einem Potpourri niederdeutscher Lieder zu gefallen wussten und wiederholt zu spontanem Mitsingen animierten, aber auch mit einer selbst arrangierten Fassung des „Intermezzo Sinfonico“ aus der Oper „Cavalleria Rusticana“ überraschten. Multitalent Fellermann begleitete sie zudem bei einigen Stücken auf dem Saxofon. Als dieser gar noch auf einer winzig kleinen Violine die „Frühlingsouvertüre“ erklingen ließ, wurde es so still im Saal, dass man eine fallende Stecknadel hätte hören können.

Ob nun mit den Geschichten „Ut ole Tiden“, den musikalischen Darbietungen oder der sich zum Abschluss gewidmeten und mit einem witzigen Vergleich beantworteten Fragestellung „Wat is Politik?“ – das Quartett verstand es ausgezeichnet, sein Publikum auf manchmal hintersinnige, stets aber amüsante und kurzweilige Weise zu unterhalten, selbst wenn dem Ganzen gelegentlich ein kleiner Schuss Spritzigkeit gutgetan hätte. Dass die Akteure dafür jede Menge Beifall ernteten, versteht sich fast von selbst.

Der ein positives Resümee ziehenden Anne Graue fiel es dann auch wie dem Publikum, das trotz der 15-jährigen Mona im Schnitt ein Alter hatte, das in etwa dem von Falco Weerts entsprach, nicht schwer, sich über einen sehr gelungenen Abend zu freuen.

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