Hoyaerin Renate Paul als Tschernobyl-Beauftragte verabschiedet 

Abschied vom goldrichtigen Weg

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Ihrem Enkelkind, aber auch ihrem Garten möchte sich Renate Paul nach dem Abschied vom Amt der Tschernobyl-Beauftragten etwas mehr widmen. 

Hoya - Von Horst Friedrichs. „Es war ein gutes und einfaches Arbeiten unter dem Dach der Kirche“, sagt Renate Paul und fügt hinzu: „Gott hat mich immer gut behütet.“ Die Hilfe für Menschen in Not ist der rote Faden im Leben der Hoyaerin, die durch ihr Wirken einen herausragenden Ruf erworben hat. 

Am Sonntag nahm sie in einem Gottesdienst Abschied von jenem Teil ihrer Arbeit, die sie als Beauftragte der Tschernobyl-Aktion im Kirchenkreis Syke-Hoya geleistet hat (wir berichteten). Aufgaben in einem aktuellen Feld mitmenschlicher Hilfe widmet sie sich jedoch weiterhin mit ganzer Kraft: Als Sprecherin des Arbeitskreises „Brot und Salz“ freut sie sich über eine gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung der Samtgemeinde Grafschaft Hoya und unterstützt in deren Gebiet gemeinsam mit derzeit 64 Paten die Flüchtlingshilfe.

„Da mache ich auf jeden Fall weiter“, versichert Renate Paul und erwähnt, dass sie selbst auch eine fünfköpfige Flüchtlingsfamilie in Bücken betreut. Außerdem arbeitet sie weiterhin im Hoyaer Jugendzentrum „Conexxxx“ mit, wo sie donnerstags regelmäßig beim Kochabend anzutreffen ist.

Als Kirchen-Beauftragte für die Tschernobyl-Aktion widmete sie sich jedes Jahr vier Wochen lang den Kindern aus der radioaktiv verseuchten Region Gomel in Weißrussland, die zum Erholungsurlaub in den Kirchenkreis Syke-Hoya kommen. 26 Jahre lang betreute Renate Paul jeweils 18 Kinder, die gemeinsam mit zwei Erwachsenen aus ihrer Heimat im „Hoyaer Land“ untergebracht wurden, die vergangenen Jahre im Schullandheim Wöpse. Das erwies sich als vorteilhafter, verglichen mit der Unterbringung in Gastfamilien, sagt Renate Paul.

Das Zusammensein bescherte den Kindern eine Vielzahl von Erlebnissen, die sie auch in der Erinnerung teilen können. Zugleich erwies es sich als heilsames Mittel gegen Heimweh. In der Gemeinschaft kam es meist gar nicht erst auf.

Mehr Zeit mit Enkelkind

Was das Besuchsprogramm für die Kinder aus Weißrussland betraf, hatte Renate Paul von Anfang an klare Vorstellungen: „Ich habe etwas gesucht, was bei den Kindern nicht etwa unerfüllbare Sehnsüchte weckt. Geld durfte nicht obenan stehen, und so wollte ich ihnen nicht unsere Konsumwelt und unseren Reichtum vorführen.“

Der Weg, den die Tschernobyl-Beauftragte deshalb einschlug, führte zur Kultur und zum Vereinsleben im „Hoyaer Land“. Und ebendieser Weg erwies sich als goldrichtig. Renate Paul: „Was die Kinder hier bei uns erleben, ist Balsam für ihre Seele. Dies zu begleiten, hinterlässt bei allen, die dabei sind, einen tiefen Eindruck – auch bei mir, und das jedes Mal von Neuem. Nach den vier Wochen im Jahr, wenn die Kinder wieder weg sind, fällt es schwer, loszulassen und die Begegnungen mit ihnen zu verarbeiten. Ich habe dann immer eine Auszeit gebraucht.“

„Diese Arbeit überfordert mich jetzt vom Zeitaufwand her“, begründet Renate Paul ihren Entschluss aufzuhören. Vor allem aber gibt es für sie auch familiäre Gründe: Sie möchte nun so viel Zeit wie möglich mit ihrem kleinen Enkelkind verbringen.

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