26 Bewohner und elf Mitarbeiter infiziert

Corona-Ausbruch im Pflegeheim Kastanienhof: 37 Infizierte

Ein Kastanienhof-Hinweisschild an einem Straßenmast.
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Hier führt kein Weg rein: Bis Ende Januar steht der Kastanienhof unter Quarantäne.

Eitzendorf – Jetzt hat auch die Samtgemeinde Hoya ihren Corona-Hotspot: Im Alten- und Pflegeheim Kastanienhof in Eitzendorf sind 26 Bewohner und elf Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet worden. Das teilte Johann Rippe, Leiter der Einrichtung, am Abend mit. Der Landkreis Nienburg bestätigte den Fall.

Den Betroffenen gehe es den Umständen entsprechend gut, sagt Rippe. „Wir machen eine tägliche Fieberliste.“ Bisher sei kein Wert über 38 Grad gemessen worden.

Die Entwicklung am Kastanienhof war offenbar dramatisch. Johann Rippe schildert es so: „Am Freitag, 8. Januar, als die Mitarbeiter zum Dienst kamen, wurden sie per Schnelltest getestet. Alle Ergebnisse waren negativ.“

Am Montag darauf hätten sich zwei Pfleger gemeldet, weil sie ein Kratzen im Hals spürten. Sie seien vorsorglich nach Hause geschickt und vom Hausarzt untersucht worden. Die Einrichtung habe noch am selben Tag weitere Schnelltests bei Bewohnern und Pflegern veranlasst. „Die waren alle negativ“, sagt Rippe.

Zwei Tage später, am Mittwoch, 13. Januar, seien die ersten Bewohner und Mitarbeiter des Kastanienhofs geimpft worden. Just an diesem Tag habe es den ersten positiven Schnelltest in der Einrichtung gegeben, sagt Rippe. Dann habe das Infektionsgeschehen eine weitere Dynamik erfahren.

Auch kein perfekter Schutz: FFP2-Masken tragen die Mitarbeiter im Kastanienhof seit mehr als zwei Monaten, sagt die Heimleitung.

74 Heimplätze hat der Kastanienhof nach Angaben von Rippe. Das heißt, mindestens jeder dritte Bewohner hat sich angesteckt. Bei den insgesamt 49 Mitarbeitern ist es etwa jeder vierte.

Die Betroffenen werden innerhalb der Einrichtung isoliert von den übrigen Bewohnern betreut. Ins Krankenhaus sei bislang keiner von ihnen eingeliefert worden. Die Mitarbeiter arbeiteten unter Vollschutz. sagt Rippe. Das bedeutet: FFP2-Maske, Brille, Handschuhe und Kittelschutz. Die immer öfter auch im öffentlichen Raum sichtbaren FFP2-Masken seien im Kastanienhof schon seit mehr als zwei Monaten im Einsatz, sagt Rippe.

Angehörige im Kastanienhof bis auf Weiteres außen vor

Angehörige dürfen die Einrichtung bis auf Weiteres nicht mehr betreten. Sämtliche Besuchstermine wurden abgesagt. Der Landkreis hat den Kastanienhof vorerst bis Ende Januar unter Quarantäne gestellt. Die Zusammenarbeit mit der Behörde läuft nach Angaben von Rippe gut: „Wir sind in ständigem Austausch mit dem Gesundheitsamt.“

Die Nachricht hatte sich in den vergangenen Tagen irgendwie angekündigt. Bereits Ende vergangener Woche erreichten die Redaktion Hinweise über angebliche Corona-Ausbrüche in verschiedenen Einrichtungen. Der Landkreis Nienburg bestätigte diese Fälle allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht.

Vermutlich machten solche Gerüchte auch anderswo die Runde. Jedenfalls meldeten sich gestern mehrere Leser, um zu erfahren, wie sich das Infektionsgeschehen in der Samtgemeinde entwickelt. „Das ist doch eine wichtige Information“, sagte Heiner Behrens aus Hoyerhagen. Eine 84-jährige Frau aus Bücken sah das ähnlich: „Ich würde gerne wissen, ob es Fälle in Hoya gibt oder in Bücken. Ich will mich ja schützen.“

Meyer: „Regelung wie im Kreis Diepholz würde ich begrüßen“

Auf Nachfrage erklärte Bürgermeister Detlef Meyer, dass diese Zahlen nicht vorlägen. Anders als die Nachbarkreise hat Nienburg bisher keine Angaben zu einzelnen Gemeinden gemacht. „Eine Regelung wie im Kreis Diepholz, die würde ich begrüßen“, sagt Meyer. Dort und auch in Verden werden Bürger täglich über die Situation in ihrem Heimatort informiert. In Nienburg nicht. Hier bekommen die Menschen nur eine Übersicht über den gesamten Kreis geboten. Doch auf Druck der Kommunen und in Anbetracht steigender Zahlen ändert das Gesundheitsamt nun seine Strategie.

Künftig sollen die aktuellen Zahlen für die zehn Gemeinden im Landkreis Nienburg einmal pro Woche öffentlich gemacht werden, kündigt ein Sprecher an. Dazu gehörten neben Angaben zu Infektionen auch Daten zu erfolgten Impfungen. Auf Nachfrage erklärt der Sprecher, dass die Aufschlüsselung nur bis zur Ebene der Samtgemeinde reiche. Die Frage, wie viele Corona-Fälle es in Eystrup, Schweringen oder Magelsen gibt, bleibt also unbeantwortet.

Landkreis begründet fehlende Offenheit bei Corona-Zahlen

Derzeit würden die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen, um die Informationen auf der Internetseite des Landkreises veröffentlichen zu können. Der Sprecher hofft, dass es bereits am kommenden Montag so weit seien könnte.

Dass der Landkreis diese Daten lange zurückgehalten hat, begründet der Sprecher unter anderem mit der Sorge, dass Menschen sorglos werden könnten, wenn die Zahlen in ihrem Heimatort niedrig sind. Es habe auch datenschutzrechtliche Bedenken gegeben, etwa dass erkrankte Personen in kleinen Orten durch die Statistik erkennbar würden.

Bei einem Fall wie in Eitzendorf bleibt der Landkreis zurückhaltend. Er überlässt es den Betreibern von privat betriebenen Einrichtungen, die Öffentlichkeit über das Ausmaß zu informieren.

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