36-Jähriger der Liebe wegen in Deutschland und begeistert von KVHS Verden

„Aussie“ Brad Ellis ist längst in Hoya angekommen

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Da habe er sich fast wie der Bachelor gefühlt: Brad Ellis, gebürtiger Australier aus der Nähe von Sydney und Wahl-Hoyaer, nach der Zertifikats-Verleihung bei der Kreisvolkshochschule (KVHS) Verden strahlend in der Mitte des Bildes zwischen seinen Mitschülern.

Hoya/Verden - Von Kurt Henschel. Brad Ellis ist waschechter Australier. Dass er einmal in der Weser- und Grafenstadt Hoya leben würde, hatte er sich viele Jahre lang nicht vorstellen können. Dann begegnete ihm in Australien eine junge Deutsche und es funkte. Liebe halt. Inzwischen ist die junge Dame, die wie viele andere ausgereist war, um ein fremdes Land und eine andere Kultur kennenzulernen, zurück. Quasi im Gepäck mitgebracht hat sie ihren Brad – Brad Ellis.

Die junge Dame heißt Anna von Behr, ist die Tochter von Werner von Behr und dessen Ehefrau Inge. Zur Familie gehören ferner die Söhne Alexander, Dietrich sowie Hartwig. Erstgenannte spielen Fußball in der Sportgemeinschaft (SG) Hoya. Brad (eigentlich: Bradley) Ellis begleitete sie zu ihren Spielen und hatte somit überhaupt kein Problem, die Bezirksliga-Fußballer für sich zu gewinnen – mit seiner stets höflichen, bescheidenen und gewinnenden Art. Es dauerte auch nicht lange, bis Brad als „Superfan“ sein eigenes Trikot bekam.

Doch der 36-Jährige, der offen und unvoreingenommen auf alle Menschen in seiner neuen Heimat zugeht, hatte neben dem Zuschauen bei Fußballspielen auch andere Dinge zu erledigen, um sich in Hoya „komplett“ heimisch fühlen zu können. So belegte er jüngst einen „Integrations- und Orientierungskurs“ bei der Kreisvolkshochschule (KVHS) in Verden. Acht Monate dauerte der Kurs, Brad Ellis war begeistert, wie er mitteilte.

Mit einer Gala hatte die KVHS ihren zehnten Geburtstag gefeiert. Die Schüler waren mit Theaterstücken in das Programm eingebunden, hatten aber eigentlich nur ihre Zertifikate, die sie ausgehändigt bekommen sollten, im Sinn. „Wir waren sehr aufgeregt und freuten uns bei der Übergabe“, so der Neu-Hoyaer, denn es sei die Anerkennung harter Arbeit im Bereich „Deutsche Sprache, schwere Sprache“ gewesen.

Ellis lobt die Pädagogen der KVHS, den hohen Standard des Unterrichts, die besonders gute Atmosphäre an der Schule, die er morgens um 7.30 Uhr erreichte, obwohl der Unterricht erst eine Stunde später begann. „In der Zwischenzeit trank ich einen Kaffee, wiederholte Übungen und sprach mit der Putzfrau über den Kurs.“ Ellis ergänzt: „Sie war sehr tolerant gegenüber meinen Konversationsmöglichkeiten.“

Auf dem Weg in seine Klasse rief Ellis auch immer wieder seinen beiden Lieblings-Verwaltungsmitarbeiterinnen Inga und Monika ein „Hallo“ zu oder erzählte die eine oder andere witzige Geschichte.

Alle Mitarbeiter seien immer bereit gewesen, ihm zu helfen. „Tolle Arbeit“ bescheinigt er vor allem den Lehrerinnen Swetlana, Monika und Teuta, die ihn „über die Grenzen hinweg“ unterstützt hätten – bei seinem Unfall vor der Schule, gegen seine Angst vor dem Bewerbungsprozess in einem fremden Land sowie mit einer aufmunternden Handy-Nachricht vor dem letzten großen Test.

Der „Aussie“ erlebte in der KVHS Verden nach eigenen Worten „den besten Start, den er sich hätte vorstellen können“. Zudem habe er „niemals zuvor mit so vielen verschiedenen Kulturen zu tun gehabt“. Er, der in der bürgerlichen Schicht in einem Vorort von Sydney aufgewachsen ist, verbringt inzwischen seine freie Zeit – wie selbstverständlich – beim Essen mit Ukrainern, beim Bier mit Rumänen oder bei irgendwas mit einem syrischen Freund.

„Wir haben hier eine Kultur des Miteinanders und des sich gegenseitigen Unterstützens. Unser aller Ziel ist es, in Deutschland ein gutes Leben aufzubauen. Wie ich gelernt habe, macht Verschiedenheit dies nur noch besser“, erklärt Ellis.

Der Wahl-Hoyaer hat der KVHS bereits mit seinen Englisch-Kenntnissen geholfen. „Freiwillig, um meine Dankbarkeit zu zeigen“, sagt er. So war er dabei, als die neuen Kurs-Teilnehmer ankamen. Da habe er sich an seinen ersten Tag erinnert und ist sich sicher, dass auch der neue Kurs an der KVHS „auf einen guten Weg ins künftige Leben in Deutschland“ führt.

Ellis betont: „Ich verstehe gut, dass es eine große Ungewissheit und Angst wegen der Neuankömmlinge gibt, die schon da oder noch auf dem Weg sind. Aber ich bin sicher, dass alle diejenigen, die zur KVHS gehen, in guten Händen sind.“ Zurück nach Australien will er übrigens nicht mehr. Sein dortiger Job in der Computer-Branche, so erklärt er, sei „zu stressig“ gewesen.

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