Grabungen in Lemke mit interessanten Funden

Knochen, Scherben und eine Urne

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Archäologiestudent Thorsten Möllmann gibt der freiwilligen Mitarbeiterin Birgit Bühringer Tipps

LEMKE - von Leif Rullhusen. Die Archäologen Dr. Jens Berthold und Tobias Scholz sind mit dem, was sie im Lemker Erdreich entdeckt haben, sehr zufrieden. Stolz präsentiert Grabungsleiter Scholz unter anderem eine 2000 Jahre alte antike Urne.

LEMKE - von Leif Rullhusen. Einen archäologischen Sensationsfund, wie die Himmelsscheibe von Nebra können sie nicht vorweisen. Trotzdem sind Dr. Jens Berthold und Tobias Scholz mit dem, was sie im Lemker Erdreich entdeckt haben, sehr zufrieden. Stolz präsentiert Grabungsleiter Scholz unter anderem eine antike Urne. „Sie stammt aus der römischen Kaiserzeit, ist also etwa 2000 Jahre alt“, berichtet er. Knochenreste in dem Grabgefäß geben Aufschlüsse über die Bestattung. Ihr Zustand zeige, dass die Person auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, bevor ihre Überreste in die Urne und dann in ein Bestattungsloch kamen.

Gut zwölf Hektar umfasst die Fläche, auf der sich das Grabungsteam von Tobias Scholz durch das Erdreich buddelt.

Auch auf einen Wetzstein, eine Schleuderkugel, Teile einer Drehmühle, Scherben von Keramikgefäßen sowie auf Hinweise von Siedlungsreste aus der Zeit um Christi Geburt stieß das Archäologenteam. Möglicherweise haben sie sogar den Grundriss eines Hauses aus jener Zeit freigelegt. Darauf deutet zumindest ein dunkler Abdruck im Sand hin. „Das wäre der erste im gesamten Landkreis Nienburg“, verdeutlicht Kommunalarchäologe Dr. Berthold. „In diesem Bereich haben wir großen Nachholbedarf.“

Seit vier Wochen graben Studenten von der Georg-August-Universität in Göttingen im Gewerbegebiet Lemke nach Artefakten und Spuren längst vergangener Zivilisationen im Rahmen eines Forschungsprojektes. Initiiert hat die Aktion Kommunalarchäologe Dr. Jens Berthold. „Eine echte Win-Win-Situation für alle Beteiligten“, freut sich Grabungsleiter Scholz. Die Studenten können praktische Grabungserfahrungen sammeln und die Gemeinde kann anschließend Gewerbegrundstücke ohne archäologische Auflagen anbieten. „Wenn die Unternehmen ihren Baubeginn um Wochen verschieben müssen, weil bei den Baggerarbeiten etwas bedeutendes entdeckt wurde, kostet sie das viel Geld“, erklärt Gemeindedirektor Fritz Jansen. Eine solche Gefahr drohe ihnen im Lemker Gewerbegebiet nicht mehr. Etwa zwei Wochen lang graben die Studenten noch nach stummen Zeitzeugen der Geschichte und dokumentieren jedes Detail.

Stolz präsentieren Grabungsleiter Tobias Scholz und Kommunalarchäologe Dr. Jens Berthold die bisherigen Funde.

„Die Dokumentation nimmt die meiste Zeit in Anspruch“, erklärt Thorsten Möllmann, der gerade an seiner Bachelor-Arbeit sitzt. Unterstützt werden die Hochschüler von Freiwilligen, wie Birgit Bühringer aus Marklohe. „Schon als Kind wollte ich Archäologin werden“, erzählt die Familienmutter. Als sie jetzt zufällig von Grabungen erfuhr, bot sie ihre Mitarbeit an. „Ein paar Scherben habe ich schon gefunden“, berichtet Birgit Bühringer stolz. Gut zwölf Hektar umfasst die Fläche, auf der sich das Grabungsteam von Tobias Scholz durch das Erdreich buddelt – Zentimeter für Zentimeter. Parallel zueinander buddeln sie Gräben. Finden sie dabei etwas von Bedeutung, wird die Fläche genauer untersucht. Wer sich für die Arbeit interessiert oder einfach nur einen Blick auf die gefundenen Artefakte werfen möchte, kann das am kommenden Montag, 19. August, machen. In der Zeit von 15 bis 18 Uhr präsentiert das Grabungsteam gemeinsam mit Dr. Berthold im Lemker Gewerbegebiet seine Aktivitäten, seine Arbeitsweise und natürlich die Ergebnisse.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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