Vier Varianten – eine Lösung

„Gläserne Werkstatt“ im Vestibül des Nienburger Rathauses lädt ein

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Der Bahnverkehr durch Nienburg soll zunehmen.

Die Bahn will mehr Güterzüge durch Nienburg fahren lassen. Um die entsprechende zusätzliche Lärmbelastung zu kompensieren, hat die Kreisstadt verschiedene Lärmschutzkonzepte entwickelt. Wie die vier Varianten aussehen, zeigt jetzt eine „Gläsernen Werkstatt“ im Rathausvestibül.

  • Bahn will mehr Güterzüge durch Nienburg fahren lassen
  • „Gläserne Werkstatt“ im Rathaus zeigt Lärmschutzmaßnahmen
  • Bürger sollen ihre Ideen einbringen

Nienburg - von Leif Rullhusen. Mit dem Rad auf dem „High Bike“ ampel- und kreuzungsfrei durch Nienburg fahren oder nach New Yorker High-Line-Vorbild in acht Metern über der Stadt durch Parklandschaften spazieren. Das sind noch ferne Zukunftsvisionen. Sie könnten aber Realität werden.

„Gläserne Werkstatt“ seit Montag geöffnet

Die seit Montag geöffnete „Gläserne Werkstatt zum Lärmschutzprojekt“ im Vestibül des Nienburger Rathauses beschäftigt sich mit diesen und weiteren Ideen. Grund dafür ist die geplante Blockverdichtung auf der Bahnstrecke Verden-Nienburg-Wunstorf. Mithilfe moderner Technik will die Deutsche Bahn deutlich mehr Güterzüge in diesem Bereich auf die Gleise bringen. Den dadurch verursachten Lärm sollen entsprechende Schutzmaßnahmen kompensieren. In die Tasche greifen muss dafür der Bund. Die Frage ist, wie tief er dieses macht. Über die Bereitstellung der finanziellen Mittel wird der Bundestag im April im Rahmen einer sogenannten Parlamentarischen Befassung entscheiden.

Vier mögliche Varianten

Vier mögliche Varianten stellt die Stadt nun in der „Gläsernen Werkstatt“ vor. Neben dem gesetzlichen Lärmschutz für rund 90 Millionen Euro, der sechs Meter hohe Wände entlang der Gleise vorsieht, wären sogenannte waagerecht über das Gleis hinausragende Lärmschutzgalerien für knapp 130 Millionen Euro, eine Stahlbetoneinhausung oder eine Umgehungsstrecke die Alternativen. Die Kreisstadt favorisiert eine der beiden letzten, deutlich teureren Möglichkeiten. Ein Umgehungsgleis, das den Güterzugverkehr an Nienburg vorbei leitet, würde Synergien mit der geplanten B 215-Ortsumgehung hinsichtlich des Lärmschutzes und Flächenverbrauchs bieten. Kostenpunkt: 250 Millionen Euro.

Stahlbetoneinhausung ist die teuerste Möglichkeit

Bei der Stahlbetoneinhausung handelt es sich um eine knapp acht Meter hohe, rechteckige Betonröhre, die auf einer Länge von acht Kilometern über die Gleise quer durch Nienburg gestülpt würde. Kosten dafür: 370 Millionen Euro. Auf ihr könnte dann zum Beispiel der High-Bike-Radweg entstehen.

Größenvergleich: Bürgermeister Henning Onkes und Sachgebietsleiter Claas Bigos vor der knapp sechs Meter hohen symbolischen Wand.

„Nienburg ist der neuralgische Punkt auf dieser Strecke. Wir wollen uns deshalb nicht mit einer Lärmschutzwand abspeisen lassen. Wir wollen eine städtebaulich integrierte Lösung“, verdeutlicht Nienburgs Bürgermeister Henning Onkes. „In der Gläsernen Werkstatt können sich die Bürger in die unterschiedlichen Lösungen hineinfühlen“, erklärt der Bürgermeister zum Start des Forums. „Wir wollen mit den Menschen über die Varianten diskutieren.“ Es müsse als Ergebnis auch keine „artenreine Lösung“ herauskommen. Denkbar sei zum Beispiel eine Mischlösung aus Tunnel und Lärmschutzwänden, erklärt Onkes. Um sich ein Meinungsbild zu schaffen, hat die Stadt Fragebögen erarbeitet, in denen die Bürger eine Variante wählen und ihre Entscheidung begründen sollen.

Lärmschutzwandmodelle im Rathaus

Wie hoch allein eine sechs Meter hohe Lärmschutzwand wirkt, können Besucher der „Gläsernen Werkstatt“ gleich beim Betreten des Rathauses erleben. Zwei etwa eineinhalb Meter breite Modelle haben Bauhof-Mitarbeiter gebaut, in den Originalfarben der Wände gestrichen und im Vestibül aufgestellt. Dabei mussten sie bei der Höhe etwas mogeln. Zum Original fehlen 25 Zentimeter, da die Deckenhöhe sonst nicht gereicht hätte.

Auswirkungen auf das Mikroklima

Neben dem mangelnden Schallschutz spreche auch die Auswirkung auf das Mikroklima gegen eine Lärmschutzwand oder -galerie. „Wir haben im Sommer dann einen richtigen Heizstrang quer durch die Stadt, insbesondere bei Galerien“, warnt Onkes. Ein begrünter Tunnel würde die Hitzeentwicklung etwas kompensieren.

In Kleinstgruppen zum Besuch anmelden

In Kleinstgruppen mit maximal drei Personen können sich Interessierte zum Besuch anmelden. Die Führungen durch die „Gläserne Werkstatt“ übernehmen Henning Onkes, Stadtentwickler Klaus Hütten, Claas Bigos, Leiter des Sachgebiets Stadtplanung und Umwelt oder der Umweltbeauftragte Adrian Winkelmann. Der nimmt unter Tel. 05021/87214 oder per E-Mail an a.winkelmann@nienburg.de auch Anmeldungen entgegen. Die „Gläserne Werkstatt“ ist bis zum 4. Februar geöffnet.

Anregungen der Besucher in Forderungskatalog einarbeiten

Bis Ende März sollen die Anregungen der Werkstatt-Besucher in einen Forderungskatalog der Stadt eingearbeitet werden. Anschließend muss der Stadtrat diesem zustimmen, bevor der Bundestag eine Entscheidung trifft. Dabei setzt die Stadt auch auf die Unterstützung der drei lokalen Bundestagsabgeordneten Maik Beermann (CDU), Marja-Liisa Völlers (SPD) und Katja Keul (Grüne), die zu einem Besuch in die „Gläserne Werkstatt“ eingeladen sind. ‹

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