Ehrenamt als Prior des Klosters behält er bei

Geistlicher Vizepräsident Arend de Vries geht in den Ruhestand

Als geistlicher Vizepräsident geht Arend de Vries in den Ruhestand – als Prior im Kloster Loccum will er noch viel gestalten. 
+
Als geistlicher Vizepräsident geht Arend de Vries in den Ruhestand – als Prior im Kloster Loccum will er noch viel gestalten. 

Loccum - Harte Realitäten und Visionen treffen aufeinander, wenn es um die Zukunft des Klosters Loccum geht. Einer, der gestaltend daran mitwirkt, ist Arend de Vries. Und er hat demnächst mehr Zeit, sich dieser Aufgabe zu widmen, denn am 27. November wird er aus seinem Dienst als geistlicher Vizepräsident der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers verabschiedet. Sein Ehrenamt als Prior des Klosters behält er bei. Wir haben mit ihm über Kloster-Realität und seine persönlichen Wünsche für diesen geistlichen Ort gesprochen.

Seit Jahren ist das Kloster Loccum eine große Baustelle und das Virus macht es nicht eben leichter. Ob der Plan aufgeht, im Sommer 2021 sämtliche Räume freigegeben zu haben, steht durch die Pandemie noch in den Sternen. Es genügt doch, wenn eine Handwerker-Truppe in Quarantäne geschickt wird, um alle zeitlichen Abstimmungen über den Haufen zu werfen. Arend de Vries ist dennoch zuversichtlich. Und hat der Pandemie sogar etwas Schönes abgewonnen. Beim Lockdown im Frühjahr, als er zum täglichen Stundengebet keine Besucher in die Stiftskirche lassen durfte und die Hora stattdessen vollkommen allein feierte. „Einfach zu singen!“, sagt er. Das hat er genossen. Für sich, laut und auf den Nachhall lauschend.

Ähnliche Erlebnisse haben seine Liebe zum Loccumer Kloster geweckt. 2013, als dort Jubiläum gefeiert wurde. Wenn es abends seine Aufgabe war, die Türen zu schließen und er Kirche und Kreuzgang für sich allein hatte. Auch damals, sagt er, hat er manchmal gesungen. 2013 hatte er sich zudem drei Wochen Auszeit vom Landeskirchenamt genommen und das Jubiläum als ehrenamtlicher Klosterführer begleitet. Auch davon schwärmt er heute noch –Menschen dazu zu bringen, diesen Ort ebenfalls lieb zu gewinnen, das gelinge so relativ leicht.

Prior, also Stellvertreter des Abtes, ist de Vries seit 2008. Zunächst mit Horst Hirschler als Abt, seit einigen Monaten mit Landesbischof Ralf Meister. Und bald mit mehr Zeit für die Belange des Klosters. Diese Belange sind vielfältig. Die Baustelle muss fertig werden – dann stehen die nächsten Schritte an. Für das Kloster als geistlichen Ort, als touristischer Anziehungspunkt, als Raum für Kultur und auch als Wirtschaftsbetrieb.

Viele Vikare wünscht sich de Vries für den geistlichen Ort, denn in erster Linie wird das Kloster als Ausbildungszentrum für angehende Pastoren aus fünf Landeskirchen genutzt. Um frei werdende Pfarrstellen besetzen zu können, haben die Landeskirchen Vikare nötig. Und das Kloster behält mit vollen Kursen seine Berechtigung.

Mehr Musik und Gastronomie

Geistlicher Ort soll es aber auch von Seiten des Klosters sein. Theologische Tagungen, Einkehrtagungen und Pilgerarbeit möchte de Vries ausbauen. Ein weiteres Standbein in der Außenwirkung soll die Musik sein. Die Konzertreihe der „Musik zur Einkehr“ in den Sommermonaten, aber gerne auch ausgewählte Konzerte und Kultur anderer Art.

Ein weiteres Ziel von de Vries ist das Kloster als touristischer Ort. Die großen Besucherströme, der Bekanntheitsgrad aus 2013 sind durch die Bauarbeiten zwar verpufft. „Wir fangen wieder bei Null an“, sagt er und ist sich dennoch sicher, dass Gäste wiederkommen, wenn die Bauzäune gefallen sind. In diesem Zusammenhang wünschen sich Prior und Konvent eine Gastronomie innerhalb der Klostermauern. Vermutlich soll diese nahe der Frauenkapelle im Torhaus eingerichtet werden.

Bei allen Wünschen und guten Ideen muss sich de Vries aber auch den Fakten stellen und die haben in erster Linie etwas mit Finanzen zu tun. Die jahrelangen Bauarbeiten im Kloster werden zwar in erster Linie von der Landeskirche finanziert. Aber auch das Kloster hat daran zu tragen. Nicht zu knapp und erheblicher als ursprünglich kalkuliert.

Von den derzeit veranschlagten Baukosten in Höhe von 33 Millionen Euro sollten 1,5 Millionen auf die Kappe des Klosters gehen. Diese Summe ist mittlerweile auf zwei Millionen Euro gewachsen, da einige Drittmittel nicht wie kalkuliert fließen werden. Hinzu kommt die „Klausur“, die das Kloster auf eigene Rechnung im zweiten Obergeschoss des Konventshauses ausbaut: Zehn Gästezimmer, die mit antiken Möbeln ausgestattet werden, in denen der Konvent und seine Gäste nächtigen dürfen und die weitere 500 000 Euro kosten.

Die Einnahmenseite des Wirtschaftsbetriebs Kloster ist eine weitere Baustelle. Die Pachten für die weitläufigen Ländereien sind feste Einnahmen, schlagen aber nicht sehr zu Buche. Anders sieht es mit dem Forstbetrieb aus. Der soll eigentlich 80 000 bis 100 000 Euro jährlich einspielen. Sturmschäden, dürre Sommer, der Borkenkäfer und der immense Preisverfall beim Holz machen diese Bilanz zunichte. In der Forst, sagt de Vries, müsse neu geplant werden. Eine Aufgabe für Jahrzehnte – denn was jetzt gesät wird, kann erst in Jahrzehnten zur Ernte kommen.

Im Kloster Loccum soll in den kommenden Jahren vieles aufgebaut und verändert werden. 

Wie in vielen Kirchengemeinden ist auch in Loccum der Friedhof ein weiteres Sorgenkind. Mehr Urnen, kaum noch Erdbestattungen – kostendeckend ist auch der Friedhof nicht mehr. Der Prior wünscht sich, dass die Friedhofsordnung überdacht wird. Bislang darf nicht jeder, der es wünscht, seine letzte Ruhestätte dort bekommen. Nur Loccumer, solche, die lange dort gelebt haben, und deren Verwandte ersten Grades. „Warum sollen wir diesen Friedhof nicht für Menschen zur Verfügung stellen, die eine innere Verbindung haben oder es dort schön finden?“, fragt de Vries. Eine Diskussion dazu beginnt.

In solche Diskussionen möchte er auch Überlegungen einfließen lassen, Klosterräume gelegentlich zu vermieten. Refektorium und Kreuzgang, für besondere Anlässe freigeben – das könnte den Finanzen helfen. Immer dem geistlichen Ort gerecht, aber eben auch im Hinblick auf die Finanzsituation.

Noch mehr Impulse erhofft sich der Prior, wenn der Konvent vergrößert wird. Das wird durch die neue Klosterverfassung möglich, die im Spätsommer verabschiedet wurde und mit der auch die Männerbastion im Konvent gefallen ist. Im ehemaligen Männer-Kloster ist es nach 857 Jahren nun erstmals möglich, Frauen in das Leitungsgremium zu berufen. Was nicht zuletzt ein Verdienst von de Vries ist. Größer, jünger und eben auch weiblich wünscht er sich den Konvent. Im Dezember soll es die ersten Beratungen dazu geben.

Nicht nur dann wird Arend de Vries im Kloster anzutreffen sein. Er will künftig mehr Gottesdienste gestalten, wird wie alle Konventualen wenigstens eine Woche pro Jahr im Kloster leben, wird womöglich Tagungen anbieten, um mit Menschen zu beten, singen, schweigen, meditieren, die Umgebung zu genießen und Erfahrungen mit Gott zu machen. Und denjenigen, die ihn im Kloster besuchen, verspricht er eine Tasse Tee. Selbstverständlich Ostfriesen-Tee, denn mit dem ist er hoch oben an der Küste schließlich groß geworden. Das hat er schon immer so gehalten und daran soll sich auch jetzt nichts ändern.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Argentinien und die Fußball-Welt trauern um Diego Maradona

Argentinien und die Fußball-Welt trauern um Diego Maradona

Marie-Anne Raue: «Weihnachten wird bei mir gegrillt»

Marie-Anne Raue: «Weihnachten wird bei mir gegrillt»

Vom Exoten zum Mainstream-Stromer: Der BMW iX3 im Test

Vom Exoten zum Mainstream-Stromer: Der BMW iX3 im Test

Gute Hygiene schützt uns vor Salmonellen

Gute Hygiene schützt uns vor Salmonellen

Meistgelesene Artikel

Junge Mutter zwangsprostituiert, eingesperrt und getötet: Mord-Anklage gegen Frau und zwei Männer

Junge Mutter zwangsprostituiert, eingesperrt und getötet: Mord-Anklage gegen Frau und zwei Männer

Junge Mutter zwangsprostituiert, eingesperrt und getötet: Mord-Anklage gegen Frau und zwei Männer
Soziales Möbelhaus in Leese zu abgelegen für Laufkundschaft

Soziales Möbelhaus in Leese zu abgelegen für Laufkundschaft

Soziales Möbelhaus in Leese zu abgelegen für Laufkundschaft
Stolzenau: Arbeiter stecken unter Weserbrücke fest

Stolzenau: Arbeiter stecken unter Weserbrücke fest

Stolzenau: Arbeiter stecken unter Weserbrücke fest

Kommentare