15 neue Stolpersteine in Hoya / Ursula Isenbeck hält bewegende Ansprache

Gegen das Vergessen

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Rosen umrahmen die Stolpersteine. ·

Hoya - Von André SteuerBewegende Momente erlebten die Besucher gestern bei der Verlegung der neuen Stolpersteine in Hoya. Zahlreiche Menschen waren dabei, als mit dieser Aktion an das Unrecht der Deportation und Ermordung ehemaliger jüdischer Hoyaer Bürger erinnert wurde.

Ganz still wurde es, als Ursula Isenbeck zu sprechen begann. „Das Schweigen über die feige Ermordung der jüdischen Mitbürger hat lange genug gedauert. Es ist gut, dass jetzt hier in Hoya darüber geredet wird“, sagte Isenbeck, die Nachfahrin der deportierten Familie von Henny Kahn ist. Sie erzählte auf dem Fußweg an der Langen Straße, vor Hausnummer 51 stehend, von ihrer Familie und deren bewegtem Leben. Ein Leben, in dem eine Ideologie dazu führte, dass Menschen ermordet wurden. Sie erzählte von Bürgern, denen das Leben brutal genommen wurde. Menschen, deren Lebensmitte einmal die Grafenstadt Hoya gewesen war, bevor ihnen alle Rechte genommen und sie von anderen zu Nummern degradiert und letztlich umgebracht wurden. Und Isenbeck erzählte davon, dass sie hier vor ihrem Geburtshaus stehe.

Still und mit bedachten Bewegungen fügte der Künstler Gunter Demnig vier Stolpersteine, auf denen die Namen der einstmals hier lebenden Menschen stehen, in die Pflasterung ein. Die Namen auf den Steinen halten die Erinnerung an die jüdischen Bürger lebendig. Es handelt sich um Namen von Familienangehörigen von Ursula Isenbeck.

Gunter Demnig brachte vor 20 Jahren die Idee mit den Stolpersteinen ins Rollen. Seither hat er europaweit in knapp 1 000 Orten an die 40 000 Stolpersteine verlegt. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagte Gunter Demnig. „Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten.“ Auf den Steinen steht geschrieben: „Hier wohnte ...“ Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.

Johannes Fink, Lehrer an der Marion-Blumenthal-Hauptschule (MBHS), sagte in seiner Ansprache: „Mit der Verlegung der Steine beziehen wir heute Stellung. Stellung gegen rechte Gesinnung und menschenverachtende Ideologien. Mögen uns die Stolpersteine immer wieder an unsere Veratwortung erinnern.“ Fink hat sich gemeinsam mit der Sozialarbeiterin der MBHS, Frauke Gieße-Claus, für die Aktion eingesetzt: „Wir wollen zeigen, dass wir die Geschichte und das Geschehene nicht vergessen haben. Wir wollen Erinnerungen und Gedenken wach halten, damit so etwas nie wieder geschieht.“

Auch die Hoya IG Synagoge und viele Bürger haben sich für die Aktion stark gemacht. In der politischen Gemeinde fanden sich schnell engagierte Mitstreiter, und so konnten jetzt 15 neue Stolpersteine verlegt werden. 15 Steine für 15 Menschenleben, die sinnlos vernichtet wurden – eine 15-fache Mahnung wider das Vergessen.

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