Tierheim Drakenburg hält Abstand von „bürokratischen Spitzfindigkeiten“

Fundtier erst nach Abgabe als Fundsache ein Fundtier

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Drei Wochen lang alle drei Stunden mit der Flasche gefüttert haben die Drakenburger Tierschützer diese junge Katze.

Nienburg - Von Kurt HenschelDRAKENBURG · Helke Romann, Vorsitzende des Vereins „Tierschutz Nienburg – Drakenburger Heide“, schüttelt wieder einmal mit dem Kopf. Unverständnis herrscht bei ihr und ihren Mitstreitern darüber, dass augenscheinlich erneut ein Tier starb, weil die Frage der Übernahme der Behandlungskosten nicht eindeutig gewesen ist. „Bürokratische Spitzfindigkeiten“, so Helke Romann, machten es den Tierschützern aus Drakenburg sowie Tierärzten und tierlieben Menschen schwer.

Die Krux: Ein Fundtier ist erst dann ein Fundtier, wenn es als Fundsache bei Behörden oder der Polizei abgegeben worden ist. Erst dann sei die Zuständigkeit für die Versorgung, Unterbringung und Behandlung von Fundtieren durch Städte und Gemeinden gesichert.

Findet jemand aber ein verletztes Tier und will es sofort versorgen lassen, ohne es zuvor als Fundsache gemeldet zu haben, dann sieht es vollkommen anders aus: Dann gilt das Tier formell nicht als Fundsache, die Übernahme der Kosten für Versorgung, Unterbringung und Behandlung ist in einem solchen Fall nicht gesichert.

„Das ist unglaublich“, so die Vorsitzende, die dringend darauf hofft, dass es möglichst bald zu einer Regelung im Landkreis Nienburg kommt, die die ständigen Diskussionen um die Übernahme der Behandlungskosten beendet.

Obwohl das Drakenburger Tierheim Abstand von der genannten „bürokratischen Spitzfindigkeit“ hält und auch Fundtieren hilft, die keine offiziellen Fundsachen sind, müsse dringend ein Umdenken erfolgen. „Ein verletztes Tier, das sofort tierärztliche Hilfe benötigt, kann niemand erst zum Fundamt bringen. Erstens sind die Behörden nicht immer erreichbar, außerdem kann es für das Tier dann schon zu spät sein“, beklagt Helke Romann. Sie räumt zwar ein, dass ein Fundtier als Fundsache zu melden ist, um es dem Besitzer wieder zuführen zu können, aber das könne auch im Anschluss an eine lebensrettende Behandlung erfolgen. „Wichtig ist für uns, dass dem Tier geholfen wird“, so Helke Romann, deren Team im Tierheim jeden Tag zwischen 10 und 16 Uhr zu erreichen ist und außerhalb dieser Zeiten bei Notfällen spätestens am folgenden Tag reagiert.

Ein Fundtier ist also eine Fundsache – aber kein I-Phone, das jemand im Zug vergessen hat. Ein Tier kann seinem Besitzer aus verschiedenen Gründen fortgelaufen oder als blinder Passagier in einem Auto mitgefahren sein. Auch besteht die Möglichkeit, dass sich das Tier in einer fremden Umgebung verirrt hat. Fundtiere seien meistens handzahm, so Romann.

Herrenlose Tiere, oft in Freiheit geborene oder verwilderte und ausgesetzte Haustiere, zählen nicht zu den Fundtieren. Für sie ist das Veterinäramt des Landkreises zuständig – nicht die Fundort-Gemeinde.

Im Zweifel Rat bei den Experten einholen

„Menschen können nicht einfach ihrem Instinkt folgen, sie müssen aufpassen, was sie tun“, so Helke Romann, die anbietet, im Zweifel Rat bei den Drakenburger Tierschützern einzuholen. Die haben die notwendigen Kenntnisse, um weiterhelfen zu können.

Und sie sind gerade einem „Trickser“ auf die Schliche gekommen: Ein Mann hatte „sein“ Tier als Fundtier im Tierheim abgegeben. Das stimmte nachweislich nicht – die Tierschützer erstatteten Anzeige.

Noch ein paar Worte zum Tierschutzgesetz: Das besagt, dass das Aussetzen oder Zurücklassen von Tieren ein Bußgeld von bis zu 25 000 Euro nach sich ziehen kann. Aber auch diejenigen, die ein Tier mit einem Wert von mehr als zehn Euro finden und es nicht als Fundsache melden, machen sich strafbar, so Romann. „Wir hatten einmal einen Fall, dass jemand einen Hund fand und ihn einfach behielt. Als ein Tierarzt im Zusammenhang mit einer Impfung einen Chip entdeckte, war der eigentliche Besitzer schnell ermittelt. Und der hatte schon gar nicht mehr daran geglaubt, dass sein geliebtes Tier noch lebte.“

Freude haben Romann und ihre Mitstreiter derzeit an einer kleinen Katze, die als mutterloses Fundtier seit ihrem fünften Lebenstag im Tierheim ist. Die kleine Samtpfote ist drei Wochen lang alle drei Stunden mit der Flasche gefüttert worden und hat jetzt damit begonnen, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Einer der Tierpfleger wollte übrigens nicht mit der Katze zusammen auf ein Foto: „Alle sind der Meinung, dass die Tiere im Vordergrund ihrer Arbeit stehen, nicht die Menschen“, so Helke Romann abschließend.

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