Seniorinnen machen alles richtig

Falsche Polizisten: Zahl der Vorfälle rapide gestiegen

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Die Polizei lobt das Verhalten von drei Nienburgerinnen, die sich von Betrügern am Telefon nicht verunsichern ließen.

Nienburg. Drei Mal schlugen falsche Polizisten in Nienburg am Sonntag zu – in allen drei bekannten Fällen scheiterten sie. Zwischen 22.30 und 23 Uhr meldeten sich drei Nienburgerinnen mit einem identischen Sachverhalt bei der Polizei.

In Nienburg blieben die Täter aktuell erfolglos. Landesweit hat die Zahl der gemeldeten Vorfälle rapide zugenommen. In den ersten elf Monaten des zurückliegenden Jahres waren es 3946, im gesamten Vorjahr lag die Zahl bei 2927. Im Jahre 2016 wurden in Niedersachsen noch 257 solcher Vorfälle erfasst.

Die Nienburgerinnen ließen sich nicht weiter auf die Pseudo-Beamten ein. „Wäre das Gespräch hier weiter gegangen, sind verschiedene Szenarien möglich“, erklärt Axel Bergmann, Pressesprecher der Polizeiinspektion. In manchen Fällen würden die Täter sogar anbieten, Wertgegenstände und Bargeld der vermeidlichen Opfer „sicherzustellen“ bis der angeblich noch flüchtige Täter gefasst sei.

„Die Hinweisgeberinnen kannten nach eigenem Bekunden die Warnungen der Polizei zum Beispiel vor dem Enkeltrick und haben sich nicht verunsichern lassen“, berichtet Bergmann. „Sie haben alles richtig gemacht, einfach aufgelegt und danach ihre richtige Polizei informiert,“ lobt der Polizeisprecher die 60 bis 78 Jahre alten Frauen. Die Nummer des Anrufers im Telefondisplay war unterdrückt. „Selbst wenn die bekannte Telefonnummer der Polizei im Display erscheint, sollte man sich immer über einen Rückruf versichern, da es mittlerweile Software gibt, mittels der ein Betrüger fremde Telefonnummern anzeigen lassen kann, sogenanntes ‘call-ID-spoofing’ “, warnt Bergmann. Außerdem würde die Polizei solche Hinweise niemals per Telefon weitergeben, sondern die Betroffenen persönlich aufsuchen. „Und dann lässt man sich selbstverständlich den Dienstausweis zeigen und ruft im Zweifel zusätzlich in der Dienststelle an,“ rät der Polizeisprecher in dem Zusammenhang. Weitere aktuelle Anrufe dieser Art sind der Polizei in Nienburg nicht bekannt.

Solche Fälle sind auch in dieser Region keine Seltenheit. Erst am Freitag hatte sich ein Unbekannter in Schwarme im Landkreis Diepholz als Angehöriger der örtlichen Kriminalpolizei ausgegeben und behauptet, dass es in der Nachbarschaft zu Einbrüchen gekommen sei. Dann hat er nachgefragt, welche Wertgegenstände es bei den Angerufenen zu finden gäbe. Auch hier reagierten die potenziellen Opfer ausnahmslos richtig und gaben keine Auskunft. Ebenso erfolglos war eine Masche vor wenigen Tagen in Stadthagen. Hier gab sich der Anrufer als Notar aus, der angeblich einen Gewinn überbringen will. Vorher verlangte er von seinen Gesprächspartner allerdings eine finanzielle Sicherheitsleistung.

In Hannover erbeuteten falsche Polizeibeamte dagegen erst am Montag bei einer 88 Jahre alten Frau 8000 Euro und wertvolle Goldmünzen. Eine Betrügerin hatte sich, wie die Polizei gestern mitteilte, als LKA-Beamtin ausgegeben und von einem angeblich in der Nachbarschaft festgenommenen Einbrecher berichtet. Da auch die alte Frau von den angeblichen Tätern abgehört worden sei, müsse sie ihre Wertsachen in Sicherheit bringen, lautete die Masche. In mehreren Telefonaten mit mehreren Gesprächspartnern brachten die Betrüger die Frau dazu, ihre Wertsachen vor die Türe ihrer Wohnung zu legen.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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