Umfrage-Chronik zur geplanten Wiesenhof-Erweiterung vor Einkaufsmarkt

Eine relative Vielfalt an „kreativen“ Ausreden

Wietzen - Von Juliane Klugund Kurt Henschel · Umfragen sind zumeist ein undankbares „Geschäft“. Viele Menschen haben zwar eine Meinung, wollen die aber nur selten äußern. Wenn diese Meinung dann auch noch mit dem jeweiligen Namen versehen in der Zeitung zu lesen sein soll, dann bekommen Redakteure sehr häufig einen Korb.

Zum brisanten Thema Wiesenhof-Erweiterung in Wietzen unternahmen die Autoren dieses Berichts gestern einen Umfrage-Versuch. Das ernüchternde Fazit: Lediglich drei Männer stellten sich zur Verfügung, zwei von ihnen ließen sich auch fotografieren.

Gegen eine Wiesenhof-Erweiterung: Hans-Jochen von Restorff. ·

Eine Stunde lang dauerte vor dem Einkaufsmarkt in Wietzen die Umfrage-Aktion, bei der zwar viele Frauen und Männer sprachen, aber sich nicht wirklich stellten.

Zu denen, die ihre Meinung unumwunden äußerten, gehörte Hans-Jochen von Restorff. Er wohne „300 Meter von Wiesenhof entfernt“ und findet den Plan des Geflügelverwerters „nicht toll“. „Tierschutz-Gründe und extremen Gestank“ führte er an, außerdem rechne er mit „deutlich mehr Verkehr vor der Haustür“. „Alle leiden jetzt schon unter dem Gestank“, so von Restorff, der auch in der Wasser- beziehungsweise Abwasser-Problematik unbeantwortete Fragen sieht. Sein Wunsch: „Eine Bürgerbefragung.“

Heinrich Dohrmann aus Wietzen ist „klar dafür“ und würde die Wiesenhof-Erweiterung sogar begrüßen: „Das bringt Arbeitsplätze und Gewerbesteuer für die Gemeinde“, so Dohrmann. Er könne die Aufregung nicht verstehen und fragt: „Was soll da schiefgehen?“

Und der Rest der Angesprochenen? Zunächst Waldemar Janke: „Das gibt Arbeitsplätze.“ Und zu den Protesten sagt er: „Es gibt immer jemanden, der gegen etwas ist.“

Nachfolgend die Chronik der Aussagen und Ausreden derer, die sich an der Umfrage nicht beteiligt haben:

· Kandidatin 1: Eine Frau mittleren Alters. Ihre Ausrede: Sie käme gerade von der Arbeit und habe darum weder Zeit noch Lust, sich zu äußern.

· Kandidatin 2: Eine Mutter mit schätzungsweise 12-jährigem Sohn. Sie lässt verlauten, sie habe keinerlei Informationen zum Thema Wiesenhof-Erweiterung und sich darum noch kein Urteil gebildet.

· Kandidatin 3: Mutter mit zwei Kindern, die, ohne das Umfrage-Thema zu kennen, mit den Worten „Nein, danke“ abwehrt.

· Kandidatin 4: Eine Frau in den 40-ern, die sich noch nicht mit dem Thema befasst habe, weil es sie nicht betreffe.

· Kandidaten 5 und 6: Ein Ehepaar mittleren Alters, das sich gern äußern würde, wenn dies nicht einen Spagat zwischen eigentlicher und jobmäßiger Überzeugung und Freunden bedeutete, die unweit des Geflügelhofs wohnen.

· Kandidatinnen 7, 8 und 9: Drei nacheinander angesprochene Frauen verschiedenen Alters, die sich nicht äußern wollen, Zeitdruck vorschieben oder aber kein Interesse daran haben, ihren Namen und ihr Bild in der Zeitung zu sehen.

· Kandidatin 10: Eine Frau Anfang 50. Sie bringt zwar Zeit mit und ist auch gewillt, an der Umfrage teilzunehmen, hat jedoch keinerlei Ahnung von der Sachlage.

· Kandidat 11: Ein etwas älterer Herr. Er will sich lieber nicht öffentlich äußern. Eine Meinung scheint er sich allerdings doch schon gebildet zu haben: „Wir brauchen den Wiesenhof hier nicht.“

· Kandidaten 12 und 13: Ein Ehepaar fortgeschrittenen Alters. Die beiden möchten sich lieber raushalten, das hielten sie für besser.

· Kandidatin 14: Eine junge Mutter, die sich nicht äußern möchte.

Nach dieser Ausbeute verließ das Umfrage-Duo das Areal des Einkaufsmarkts in Wietzen.

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