Katzen-Überpopulation: Tierschutz fordert im Landkreis Kastrationsverpflichtung

„Ein Teufelskreis des Leids“

Glück gehabt haben diese Katzen. Sie sind im Tierheim Drakenburg gelandet, wo sich die Mitarbeiter um sie kümmern. Wegen der Überpopulation fordern die Tierschützer inzwischen immer lauter eine Kastrationsverpflichtung und bieten in der Diskussion ihre Mitwirkung an.

Nienburg - Von Kurt HenschelDRAKENBURG · „Katzenjammer“ – ein vieldeutiges Wort. In diesem Fall eines, das den Verantwortlichen des Vereins Tierschutz Nienburg im Tierheim Drakenburger Heide zunehmend Sorge bereitet: Es geht aktuell um die Katzen-Überpopulation sowie darum, möglichst eine Kastrationsverpflichtung im gesamten Landkreis Nienburg zu erreichen.

Helke Romann, 2. Vorsitzende des Vereins, hat mitgeteilt, dass sie sich freue: Und zwar darüber, dass die Stadt Verden nun offenbar aktiv in die Katzenproblematik eingreife und von jedem Katzenbesitzer verlange, sein Tier kastrieren zu lassen. „Es sollen sogar Gutscheine für die Kastrationen ausgegeben werden, um die Halter finanziell zu unterstützen“, erklärt Helke Romann.

Sie und ihre Mutter Silvana Romann, die als Leiterin des Drakenburger Tierheims fungiert, sehen „die unkontrollierte Fortpflanzung frei lebender Katzen“ als „ein echtes Tierschutzproblem“. Dieses habe sich „nicht plötzlich, sondern in den vergangenen Jahren mehr schleichend entwickelt“, wie Helke Romann sagt und anschließend ein Rechenbeispiel liefert: „Angenommen, dass eine Katze wenigstens zweimal im Jahr Nachwuchs bekommt, jeweils nur drei Junge pro Wurf überleben und die Katzen nach sechs Monaten geschlechtsreif sind, ergibt dies nach zehn Jahren die Anzahl von mehr als 80 Millionen Nachkommen“, so die Vize-Vorsitzende. Verwilderten die Tiere, würden sie für Bürger zum Ärgernis: „Lautstark tragen sie nachts ihre Revierkämpfe aus“, so Romann, die auch von Menschen weiß, die wegen Katzen und deren „Klo-Gewohnheiten“ nicht gern in ihrem Garten arbeiten...

Doch das nur am Rande erwähnt. Helke Romann: „Die Behörden sind dazu berufen, nicht nur Missstände zu beseitigen, sondern die vorhersehbare Störung der öffentlichen Ordnung zu verhindern. Leidende Tiere sind eine Störung der öffentlichen Ordnung.“

Nur punktuell gebe es gemeinsame Aktionsbündnisse zwischen Tierschutzvereinen und Veterinärbehörden (zum Beispiel in Herford) und in Paderborn sogar eine Kastrationspflicht per Kommunalverordnung.

Im Landkreis Nienburg gibt es diese nicht. Wie Anita Hartmann von der Pressestelle des Landkreises auf Nachfrage erklärte, sei der Landkreis für eine entsprechende Verordnung auch nicht der richtige Adressat. „Diese Thematik gehört in den Rechtsbereich Gefahrenabwehr“, so Hartmann, „und die liegt bei den Städten und Gemeinden.“ Einige Städte und Gemeinden, so wisse sie, hätten diese Problematik bereits aufgegriffen.

Die Tierschützer aus Drakenburg bezeichnen Katzen als wahre Überlebenskünstler, da sie äußerst robust gebaut seien. Zudem hätten unterernährte, kranke Katzen wie gesunde Katzen eine hohe Fortpflanzungsrate. Bei einer immer mehr steigenden Populationsdichte litten die Katzen „vermehrt an sozialem Stress“, sagt Helke Romann.

Damit aber nicht genug: Wegen der Überpopulation steige auch die Zahl vorhandener Erreger – und damit die Infektionsgefahr für bisher gesunde Katzen. „Sie erkranken an Katzenschnupfen oder anderen Tierseuchen mit bleibenden Schäden wie Blindheit oder Atemnot. Wenn die Tiere Glück haben, landen sie in einem Tierheim, wo sie versorgt werden. Die enormen Kosten tragen oft die Tierschutzvereine alleine.“ Romanns Erkenntnis: „Es ist ein Teufelskreis ohne Ende, ein Teufelskreis des Leids, hausgemacht von unser ach so zivilisierten Bevölkerung.“

Dabei sei dieser Teufelskreis leicht zu durchbrechen: Es bräuchte doch nur jeder seine Katze kastrieren lassen. Romann: „Das ist mit etwas Geldaufwand verbunden, aber es ist nur eine einmalige Zahlung, die sich jeder leisten kann, und die so viel unsägliches Katzenleid verhindert!“

Die Tierschützer fordern die Kastrationsverpflichtung für alle Halter von Freigänger-Katzen und gemeinsame Kastrationsaktionen mit den Kommunen. Das sei dringend anzustreben, um das Leid der Tiere zu minimieren. „Wenn man aber sofort und wirkungsvoll etwas erreichen will, müssen Gemeinde, Kommune, Städte, Veterinäramt, Bürger und Tierschutz Hand in Hand arbeiten und konsequent mitmachen.“ Romann abschließend: „Vielleicht könnte auch bald der Landkreis Nienburg ein Pilotprojekt initiieren? Wenn ja, würden wir uns freuen, von Anfang an mit in das Boot geholt zu werden.“

Weitere Infos zum Thema und über das Tierheim in Drakenburg auch unter

WWW.

tierheim-drakenburg.de

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