3,3 Millionen Euro teure Bauarbeiten an Klosterkirche dauern an

Dünne Anker-Stangen halten tonnenschweres Mauerwerk

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In schwindelnder Höhe ziehen Bauarbeiter in der Loccumer Klosterkirche einen Anker von Wand zu Wand. ·

Nienburg - LOCCUM · Gerüste, Presslufthämmer und Bauarbeiter sollen in wenigen Monaten vom Gelände des Loccumer Klosters verschwunden sein. Mit dem Einbau von drei Zug-Ankern zur statischen Sicherung ist ein wichtiger Schritt der Sanierung vollbracht.

„Fünf Jahre Überzeugungsarbeit hat mich das gekostet“, sagt Constantin Anastasiou. Was dem Ingenieur so viel Mühe machte, sieht letztendlich recht unspektakulär aus: drei metallene Stangen mit jeweils rund fünf Zentimetern Durchmesser, die in 10,50 Meter Höhe von Wand zu Wand durch das Kirchenschiff der Loccumer Klosterkirche führen.

„70 Tonnen auf dieser und 70 Tonnen auf der anderen Seite muss jede der Stangen halten“, erklärt Anastasiou. Das sind die Kräfte, die auf die Außenwände der Kirche wirken und die sowohl ihm als Bauleiter wie auch dem Loccumer Abt Horst Hirschler etliches Kopfzerbrechen beschert haben.

Hirschler war es, dem Anastasiou die Einwilligung in diese Baumaßnahme abringen musste. Die Kirche, mit deren Bau um 1200 begonnen wurde, hatte nicht zuletzt wegen einiger Erweiterungen und Ausbauten statische Probleme. Die Längswände des Kirchenschiffs neigten sich nach außen, Risse waren die Folge.

„Nimmt man alle Rissbreiten zusammen, kommen wir auf zehn Zentimeter“, sagt der Bauleiter. Ohne die Anker in den Wänden hätte sich dieser Trend fortgesetzt, die Standsicherheit wäre in Gefahr geraten. Den Abt habe er schließlich überzeugt, als er ihm das Netz von Rissen gezeigt habe, das unter dem Gewölbe sichtbar sei. „Ja“, räumt Hirschler ein, „da habe ich dann missmutig zugestimmt.“ Wichtig war ihm, dass das Tafelkreuz, das am Chorraum der Kirche in mehreren Metern Höhe hängt, nicht durch die Anker verdeckt werde. So sind diese Anker nun eben oberhalb des Kreuzes eingezogen worden.

Die Zug-Anker, die so heftig diskutiert wurden, sind indes nur ein winziger Teil der Bauarbeiten an der Klosterkirche. Seit mehr als einem Jahr ist sie eingerüstet, neben der statischen Sicherung geht es auch um das Herausputzen des Gebäudes im Hinblick auf das 850-jährige Bestehen des Klosters im kommenden Jahr.

3,3 Millionen Euro seien der aktuelle Stand der Kosten, sagen Abt und Bauleiter. Einen „Spottpreis“ angesichts des Umfangs der Bauarbeiten nennt Hirschler das. Er ist guten Mutes, dass die Kirche wie geplant zum ersten Advent dieses Jahres wieder eröffnet werden kann – wenn nichts Unvorhergesehenes mehr eintrete.

Auch die neue Orgel soll dann eingebaut sein. Die Arbeiten für deren Fundament sollen demnächst beginnen. · ade

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