Nienburger Feuerwehr ärgert sich über Fehlalarm-Streiche in Parkhaus

Drücken sie noch oder zahlen sie schon?

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Erst nachdenken, dann drücken: Der Notruf sollte immer nur im Ernstfall genutzt werden, fordern Polizeisprecherin Gabriela Mielke sowie Mark Henkel von der Feuerwehr. ·

Nienburg - Von Katrin PliszkaSie sind klein, rot und ziemlich laut. Und sie bescheren der Freiwilligen Feuerwehr Nienburg in diesen Tagen immer wieder zusätzliche Arbeit. Wobei die Notrufkästchen selbst nicht die Wurzel des Übels sind. Das sind unbekannte Spaßvögel, die allein im Januar sechs Fehlalarme im Parkhaus am Schlossplatz zu verantworten haben.

Marc Henkel von der Freiwilligen Feuerwehr Nienburg ist sauer. „In der Häufigkeit gab es das sonst noch nie“, sagte er auf Nachfrage dieser Zeitung. Eine unbekannte Person habe Henkel zufolge jedes Mal in den Treppenhäusern die Scheibe bei den Alarmmeldern eingeschlagen und den entsprechenden Knopf gedrückt. Die Folge: „Die Feuerwehr Nienburg rückt aus, der angrenzende Media Markt muss wegen der baulichen Lage evakuiert werden“, erklärt Henkel.

Doreen Sieck ist Geschäftsführerin des Marktes. Auch sie ärgert sich über den „Rattenschwanz“, den diese Alarmierungen nach sich ziehen. Vier Mal sei die Auslösung bisher während der Geschäftszeit erfolgt, zwei Mal außerhalb. Ist der Markt im Alarmfall geöffnet, muss er geräumt werden. „Das geht automatisch, so wie es der Gesetzgeber vorschreibt“, sagt Sieck. Die Kunden hätten dafür durchaus Verständnis. „Aber für das Image ist das schlecht.“ Und: Schrillt der Alarm, komme eben auch so mancher Einkauf nicht mehr zustande. Inzwischen schaue ihr Team beim Alarm erstmal nach draußen, „um zu sehen, ob wirklich was brennt“.

Alarmiert werden über die Leitstelle 20 Personen, sieben bis acht fahren zum Einsatzort, erklärt Henkel. Ortsbrandmeister Harald Ellermann ärgert sich: „Jedes Mal, wenn wir zu einem böswilligen Alarm ausrücken, besteht die Gefahr, dass wir nicht rechtzeitig bei den Leuten sind, die zur gleichen Zeit wirklich unsere Hilfe brauchen.“ Außerdem gibt er zu bedenken, dass die Mitglieder der Feuerwehr zum Teil von ihren Arbeitsplätzen aus zum Einsatz fahren und somit Kosten entstünden, die die Stadt als Trägerin der Feuerwehr begleichen müsse.

Henkel bringt eine weitere Seite der Medaille ins Spiel: Die Fehlalarme machten es den ehrenamtlichen Mitgliedern der Feuerwehr auf Dauer sehr schwer, sich neben ihrem Beruf zu engagieren. „Die Akzeptanz ist bei den Arbeitgebern ohnehin nicht gerade toll. Durch die Fahrten zu den Einsätzen geht ja Zeit verloren, die der Mitarbeiter sonst im Betrieb gewesen wäre. Und wenn sich dann noch raus-stellt, dass das umsonst war...“ Zudem könne es der Arbeitgeber wegen „betrieblicher Belange“ verbieten, dass die Ehrenamtlichen zu Einsätzen fahren. „Das regelt das niedersächsische Brandschutzgesetz“, ergänzt Henkel.

Wer hinter diesen Schildbürgerstreichen steckt, ist bislang unklar. Henkel vermutet, dass es Schüler sind. „Die Alarmierungen waren immer vor 8 und nach 16 Uhr, also vor und nach der Schule.“ Gabriela Mielke, Sprecherin der Polizei Nienburg/Schaumburg, ist da zurückhaltend. Die Polizei ermittele, weitere Details gibt sie nicht bekannt.

Fehlalarmierungen seien kein Einzelfall, ergänzt sie. „Das kommt immer mal wieder vor, dass jemand beim Notruf anruft, um mit jemandem reden zu können oder einen Scherz zu machen.“ Aber die Beamten würden diese Anrufer in der Regel deutlich in ihre Schranken weisen.

Streiche dieser Art können strafrechtliche Folgen haben: Mielke zufolge sei das der Missbrauch von Notrufeinrichtungen gemäß §145 StGB (Strafgesetzbuch). Für Vergehen dieser Art können Verursacher mit bis zu einem Jahr Gefängnis oder einer Geldstrafe rechnen.

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