Unbeschwert tanzen

Disco-Abende sind begehrt bei jungen Menschen mit Behinderungen

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Betreute und Betreuer tummeln sich zur Disco auf dem Siedlerhof schwungvoll auf der Tanzfläche.

Stolzenau - Von Beate Ney-Janßen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistigen oder psychischen Behinderungen haben ein Recht auf zusätzliche Betreuungsleistungen – um Angehörigen Freiräume zu verschaffen und den Betreuten die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Eine Vielzahl von Angeboten dazu werden auf Stolzenaus Siedlerhof gemacht – etwa mit einer Disco für Jugendliche.

„Hier kann Jasmin so sein, wie sie ist“, sagt Silvia Goltermann. Eben hat sie ihre Tochter Jasmin zur Disco in die Remise des Siedlerhofs in Stolzenau gebracht. Menschen mit Behinderungen würden doch oft noch schief angeguckt, müssten manche dumme Sprüche über sich ergehen lassen – gerade im Teenager-Alter. Das, sagt Goltermann, sei nicht unbedingt an der Tagesordnung, komme aber immer mal wieder vor. Etwas anders zu sein, sei dann besonders schwer, Ausgrenzung und Abneigung täten besonders weh.

Auf diese Disco freue sich Jasmin jedes Mal besonders. Den Spaß an der Musik, am Tanzen, an der Gesellschaft der anderen – das vermiese der 17-Jährigen hier niemand. „Sie kommt immer so glücklich zurück“, sagt Goltermann, verabschiedete sich dann kurz von Jasmin und verschwindet. Schließlich sollen die Jugendlichen unter sich sein an ihrem Disco-Abend. Dort haben Eltern nichts zu suchen. Jasmin sitzt noch eine Weile an einem Tisch, um dann auf die Tanzfläche zu gehen.

Auch als Thekenpersonal tätig

Marcel hat um einen Platz hinter dem Tresen gebeten – Sylvia Marschall ist sein erster Gast zur Disco-Zeit.

Dort tummeln sich schon viele Jugendliche. Teilweise kommen sie aus Stolzenaus Helen-Keller-Schule, teils aus Einrichtungen der Lebenshilfe in Stadthagen, einige sind auch Bewohner der Wohngruppe für Menschen mit Behinderungen, die die GfI (Gesellschaft für Integration) auf dem Siedlerhof betreibt. Wie Ramona, die sich für diesen Abend besonders sorgfältig gekleidet hat. „Das mache ich immer zur Disco“, sagt die 35-Jährige. Auch sie ist schnell in Richtung Tanzfläche verschwunden. Marcel hingegen hat es eilig, hinter den Tresen zu kommen. Getränke ausgeben, die Tanzenden bewirten – das macht dem 17-Jährigen Spaß und damit spart er den Eintritt von fünf Euro für die Disco. Später, sagt er, werde er auch noch tanzen. Aber erst ist die Arbeit dran. Sylvia Marschall ist die erste, die sich eine Cola von Marcel geben lässt. Sie ist die Koordinatorin in der GfI für das, was unter dem Kürzel AKN läuft. Das Kürzel steht für „Assistenzkreis Nienburg“ mit der Unterzeile „Niedrigschwellige Betreuung“. Hinter dem etwas sperrigen Begriff verbergen sich allerhand Angebote, die Menschen mit Behinderungen gemacht werden.

Viele Ehrenamtliche

Seit Januar 2017 arbeitet die gelernte Krankenschwester Marschall in diesem Bereich. Das Konzept des AKN sei, erläutert sie, Menschen mit Behinderungen allerhand Angebote zur Freizeitgestaltung zu machen. Ausdrücklich gehe es nicht um Förderung und so sei es auch möglich, dass in erster Linie Ehrenamtliche das Programm bestreiten. Kosten für die Angebote können nach dem Pflegeleistungsergänzungsgesetz bei der Pflegekasse geltend gemacht werden.

Rund 50 Ehrenamtliche machen mit, ein großer Teil von ihnen in den Spielkreisen, die jeweils dienstags und donnerstags für Schüler in den Nachmittagsstunden angeboten werden. Basteln und Kochen, Spielen und allerhand andere Aktionen stehen auf dem Plan, wenn die Gruppen sich in der Remise treffen. Für die Schüler, sagt Marschall, sei das eine gute Möglichkeit, ihre Tage zu gestalten, von zu Hause wegzukommen und sich mit Freunden zu treffen. Und für die Eltern eine Entlastung. 

Neben den Spielkreisen bietet der AKN aber auch andere Aktionen an: Tanzkurse und Kegel-Nachmittage, Ausflüge beispielsweise in Tierparks. Horsepainting und Taekwondo stehen ebenso auf dem Veranstaltungs-Flyer. Viele dieser Angebote sind nicht ausschließlich für Schüler gedacht, sondern beziehen explizit auch erwachsene Menschen mit Behinderungen ein.

Es geht weiter

Manche weitere Ideen will Marschall in den Flyer für 2018 noch einbringen, immer in Absprache mit den Ehrenamtlichen. Auf die ist sie angewiesen, hat, wie sie sagt, eigentlich nur die Rolle der Koordinatorin – dass sie aber sowohl Betreuer als auch Betreute gut kennt, zeigt sich im kurzen Gespräch bei der Disco: Irgendwer hält immer an dem Tisch an, an dem Marschall sitzt, um Hallo zu sagen, ein Erlebnis zu erzählen oder eine Frage zu stellen.

Die Disco-Zeit schreitet unterdessen voran. Halloween ist dieses Mal das Thema, die Deko an den Wänden und auch das Outfit mancher Disco-Besucher macht das deutlich. Die Disco hat Marschall eingeführt. In den Jahren zuvor gab es dieses Angebot nur zweimal im Jahr und dann in der Lebenshilfe Stadthagen. Dorthin fährt ein Bus aus Stolzenau immer noch. Aber weil Tanzen vielen der Jugendlichen so wichtig und weil in der Remise doch eigentlich alles vorhanden ist, hat sie kurzerhand vier Disco-Termine für Stolzenau eingeführt. Im nächsten Jahr wird also wieder getanzt im Siedlerhof.

Wer sich für die Angebote des AKN interessiert, kann weitere Informationen von Sylvia Marschall unter Tel. 0172/1582429 oder per Mail über s.marschall@gfi-hannover-stolzenau.de bekommen.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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