Mittelweser Klinik: neue Struktur für Notaufnahme / Manchester-Triage-System

Damit der erste Eindruck der richtige ist

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Pressesprecher Stefan Aust (l.) mit Oberarzt und Projektleiter Dr. Hans-Georg Sextro im Schockraum der Notaufnahme in der Mittelweser Klinik Nienburg. Dort soll das Manchester-Triage-System umgesetzt werden. ·

Nienburg - Von Katrin PliszkaDer erste Eindruck entscheidet – in manchen Fällen gar über Leben und Tod. Das gilt insbesondere für die Notfall-Medizin. Damit alle Patienten optimal versorgt werden, muss das Notaufnahme-Team der Nienburger Mittelweser Klinik rasch und präzise feststellen, was ihnen fehlt, und dann entscheiden, wie die Behandlung aussehen soll. Das Manchester-Triage-System (MTS) soll Ärzten und Pflegekräften künftig dabei helfen.

„Beim Manchester-Triage-System werden die Aufgaben des Teams anders verteilt“, erklärt Oberarzt Hans-Georg Sextro. Die Belastung des Teams bleibe gleich, ebenso die Zahl der Mitarbeiter, stellt er klar. Der Mediziner leitet die Notaufnahme und eine fachübergreifende Arbeitsgruppe an der Klinik, die MTS in Nienburg etablieren möchte.

MTS ist eine standardisierte Methode zur ersten Einschätzung von Patienten, mit dessen Hilfe Mediziner und Pflegepersonal in der Notaufnahme arbeiten. Laut Sextro gehe es darum, schnell, aber sicher und nachvollziehbar eine Reihenfolge festzulegen, nach der alle versorgt werden.

„Zurzeit haben wir eine chirurgische Ambulanz und eine internistische Notaufnahme“, erklärt der Oberarzt. Diese Struktur sei nicht mehr zeitgemäß. Eine übergreifende Notaufnahme, die alle Patienten auffange und sie nach der ersten Beurteilung in die Fachabteilungen überweise, vermeide Reibungsverluste zwischen den Stationen.

Sextro zufolge hat die Notaufnahme in Nienburg im Schnitt 16 000 Patienten-Kontakte pro Jahr, rund 7 000 davon kommen über die Notaufnahme in das Krankenhaus. „Tendenz steigend“, so der Mediziner. Trifft ein Patient ein, klären Sextro und sein Team im Rahmen des MTS zunächst fünf Leitsymptome ab: „Schmerzen“, „Blutverlust“, „Bewusstsein“, „Temperatur“ und „Krankheitsdauer“. Anhand dieser Informationen ordnen sie dem Kranken maximale Wartezeiten zu. Ist er sehr schwer verletzt, kommt er in die Gruppe „1“, die den sofortigen Kontakt mit einem Arzt bedingt. Bei harmlosen Blessuren wie einer Schürfwunde am Knie würde der Patient in die Gruppe „5“ kommen, und versorgt werden, nachdem die Notfälle behandelt worden sind.

„Auf 90 Prozent der Patienten wird das System keine Auswirkungen haben“, ergänzt Sextro. Bleiben zehn Prozent, die es auch erfahrenen Kräften schwer machen, eine präzise Erst-Einschätzung zu treffen. Laut Sextro sind das unter anderem diejenigen, „die nicht krank aussehen, aber es sind“. Er nennt ein Beispiel: Besonders ältere Menschen seien oft sehr bescheiden und hielten sich auch beim Arzt mit Wehklagen zurück. „Die kommen dann zu Fuß hier rein, sitzen still in der Notaufnahme und später stellt sich heraus, dass der ältere Herr oder die Seniorin einen Herzinfarkt hat“, sagt der Oberarzt.

Auch andersrum helfen die objektiven Kriterien weiter, nämlich wenn jemand im Krankenwagen und in Notarzt-Begleitung eintreffe, aber letztlich nichts Schwerwiegendes vorliege. „Die Methode ersetzt die Qualifizierung des Personals nicht“, betont Sextro. Das System ergänze das Fachwissen vielmehr.

Wann das Manchester-Triage-System eingeführt wird, steht Stefan Aust zufolge noch nicht fest. Auch zu den Kosten kann der Klinik-Sprecher derzeit keine Angaben machen, da sich das Projekt in der Planung befinde.

Im nächsten Schritt sollen Aust zufolge Ärzte und Pflegepersonal in einem zweitägigen Seminar mit den Grundlagen des MTS vertraut gemacht werden. Zudem seien Hospitanzen im Röhn-Klinikum in Frankfurt/Oder angedacht, wo das System bereits eingesetzt wird.

Außerdem sind Umbau-Maßnahmen in der Notaufnahme notwendig, es fehlen unter anderem Warteräume und Sprechzimmer. „Da warten wir auf das Angebot des Architekten“, ergänzt Sextro.

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