Staatsanwaltschaft beantragt mehrjährige Freiheitsstrafen

Brutaler Überfall in Nienburg: Klebeband „zufällig in der Hand“

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Der brutale Überfall auf eine Nienburger Seniorin wird derzeit vor dem Verdener Landgericht verhandelt.

Verden/Nienburg - Von Wiebke Bruns. Mehrjährige Freiheitsstrafen und die Unterbringung in der Entziehungsanstalt hat die Staatsanwaltschaft in dem Verdener Landgerichtsprozess um den brutalen Überfall auf eine zum Tatzeitpunkt 79 Jahre alte Nienburgerin beantragt.

Die Verteidiger der mutmaßlichen Räuber halten die Indizien jedoch für nicht ausreichend. Eine Verurteilung könne deshalb nur wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung erfolgen.

Unstrittig ist, dass sich die Tat am 24. Februar 2017 so abgespielt hat, wie es die heute 80 Jahre alte Nebenklägerin geschildert hat.

Nach der Rückkehr von einem Theaterabend wurde sie von zwei Räubern in ihrem Haus erwartet. Sie wurde zu Boden getreten und geschlagen, damit sie das Versteck ihres Tresorschlüssels offenbart. Dann beraubte man sie um Schmuck im Wert von über 41 000 Euro und rund 1 300 Euro Bargeld. Sie wurde schwer verletzt und mit Klebeband an einen Stuhl gefesselt zurückgelassen. „An der Glaubhaftigkeit ihrer Aussage kann kein vernünftiger Mensch zweifeln“, betonte ihr Anwalt Max Reimers in seinem Plädoyer. „Ganz eindeutig“ handele es sich bei den 23 und 31 Jahre alten Angeklagten um die Räuber. Der Meinung war auch der Staatsanwalt.

Der dritte Angeklagte habe sich hingegen „nur“ des versuchten Wohnungseinbruchdiebstahls schuldig gemacht, denn zu seinen Gunsten sei anzunehmen, dass nichts weggekommen ist, während er noch im Haus war.

Für den anschließenden Raub hat der 41-Jährige ein Alibi. Eine 18-monatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung beantragte der Staatsanwalt. Verteidiger Harald Brauer forderte unter Einbeziehung eines weiteren Urteils drei Jahre und zwei Monate Haft. Gegen den 31-Jährigen beantragte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und bei dem 23-Jährigen sieben Jahre. Für den 31-Jährigen war zu prüfen, ob auch Sicherungsverwahrung in Betracht komme. „Davon sollte man dieses Mal noch mal absehen“, so der Staatsanwalt. Es sei „noch einmal zu früh für die Sicherungsverwahrung“.

Die Verteidiger versuchten in ihren Plädoyers, alle Indizien zu entkräften. Man könne nicht einfach sagen, der 41-Jährige ist gegangen und die anderen Beiden sind im Haus geblieben. Laut der Einlassung der beiden anderen Angeklagten sei noch ein ominöser vierter Mann bei dem Einbruch dabei gewesen. „Der hat sich offenbar noch mal eigeninitiativ zurückorientiert“, argumentierte Dr. Christian Hilgartner. Von dem Wohnungseinbruchdiebstahl sei sein Mandant strafbefreiend zurückgetreten. Während Hilgartner 90 Tagessätze beantragte, forderte Verteidigerin Katharina Theuerkaufer für ihren Mandanten eine sechsmonatige Strafe. „Irgendwann hatte er zufällig das Klebeband in der Hand“, so die Juristin zu der daran gefundenen DNA des 31-Jährigen. Es bestünden Zweifel, und die müsse die Kammer zunächst überwinden. Nur bei der Frage der Unterbringung in der Entziehungsanstalt waren sich alle Verteidiger mit dem Staatsanwalt einig.

Selbst äußern wollte sich gestern in seinem Schlusswort nur der 41 Jahre alte Angeklagte. „Für die Verwüstung der Wohnung entschuldige ich mich, aber keiner von uns Drei würde eine alte Dame so misshandeln“, betonte er. Bei der Aussage der Frau sei es auch ihm „kalt den Rücken runtergelaufen“, schildert er zum Schluss. 

Am Mittwoch, 7. März, soll um 9 Uhr das Urteil verkündet werden.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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