Trotz höchster Warnstufe Lagerfeuer entfacht / Drei Wehren im Einsatz

Brandschützer brüskiert über Jäger-Verhalten im Wald

Dieser Weg führt im Wald in Schessinghausen zu der Stelle, an der eine Gruppe von Jägern am Sonntag ein Lagerfeuer entzündet und damit drei Feuerwehren auf den Plan gerufen hat.

Nienburg - Von Kurt HenschelSCHESSINGHAUSEN · Kreisbrandmeister Bernd Fischer sowie rund 60 Aktive der Ortswehren Schessinghausen, Leeseringen und Husum sind brüskiert: Eine Gruppe von Jägern hatte am Sonntagabend in einem Wald bei Schessinghausen ein Lagerfeuer entfacht. Und das, obwohl derzeit die höchste Waldbrandgefahr-Stufe gilt und es zudem recht windig war. Damit nicht genug: Unter den Jägern sollen sich eine führende Kraft der Kreisfeuerwehr und namhafte Politiker sowie Mitglieder des niedersächsischen Justizministeriums befunden haben.

„Es ist unverantwortlich, bei Stufe fünf und relativ heftigem Wind im Wald ein Lagerfeuer zu entzünden“, erklärte gestern auf Nachfrage Kreisbrandmeister Bernd Fischer. „Richtig sauer“ sei er, dass eine führende Kraft in der Kreisfeuerwehr an der Lagerfeuer-Party im Anschluss an die traditionelle Maibock-Jagd beteiligt war. Er hätte laut Fischer eindringlich darauf hinwirken müssen, in Anbetracht der Lage kein Feuer anzuzünden. Fischer will die „persönliche Aussprache“ mit Besagtem suchen und sieht „jede Menge Gesprächsbedarf“. Ob der Vorfall Konsequenzen nach sich ziehe, ließ der Kreisbrandmeister noch offen.

Aus Feuerwehr-Sicht, so verlautete gestern, sei dieser Fall nicht zu verharmlosen. Dass es das Lagerfeuer gegeben habe und deshalb nach dem Notruf des Radwanderers die rund 60 Kräfte von drei Feuerwehren ausrücken mussten, um ihrem ehrenamtlichen Engagement nachzukommen, sei „sehr bitter“, wie es Reinhard Bittner, Pressesprecher der Feuerwehren der Samtgemeinde Landesbergen, ausdrückte.

Dass es sich um eine Gruppe von Männern und Frauen der Kreis-Jägerschaft gehandelt habe, bestätigte gestern Polizei-Pressesprecherin Gabriela Mielke. Sie berichtete, dass um 21.35 Uhr am Sonntag der Notruf eines Radwanderers bei der Polizei eingegangen sei. Der Mann gab an, Feuerschein im Wald entdeckt zu haben. Beamte der Polizei seien dann zum beschriebenen Ort gefahren und hätten die Feiernden angesprochen. Es sei „ein privates Grillfest, bei dem die Polizei nichts zu suchen“ habe, soll der „Redeführer“ der Gruppe den Beamten gesagt haben. Auch habe dieser gefordert, dass der Dienstabteilungsführer der beiden Polizisten ihn anrufen solle.

Die Beamten vor Ort, erklärte Mielke, hätten festgestellt, dass die Gruppe alle Vorschriften des niedersächsischen Gesetzes über den Wald und die Landschaftsordnung eingehalten habe und deshalb keine weiteren polizeilichen Maßnahmen erforderlich gewesen seien. Das kleine Lagerfeuer habe in einem Betonring auf einer Freifläche gebrannt, ein Gartenschlauch lag an der Feuerstätte bereit, so Mielke weiter. Ihre Kollegen hätten deshalb diesen Einsatz lediglich als „sonstiges Ereignis“ verbucht.

Drei Orte seien durch Sirenenalarm aufgeschreckt worden, die Einsatz-Kräfte hätten den 1. Mai nicht in Ruhe ausklingen lassen können, sieben Fahrzeuge seien auf Gemeindekosten unterwegs gewesen – alles „wegen dieser Leichtsinnigkeit, die schon der normale Menschenverstand verbietet“, wie es in der Feuerwehr-Erklärung heißt.

Zum Vorfall und zu den Vorwürfen gegen die Jäger-Gruppe war gestern keine Stellungnahme zu bekommen. Kreisjägermeister Harald Frerking war ebenso nicht zu erreichen wie Landesbergens Samtgemeindebürgermeister Walter Busse. Eine Verbindung zur erwähnten führenden Kraft im Bereich der Kreisfeuerwehr, die nach der Maibock-Jagd zu den Gästen gehört hatte, kam ebenfalls nicht zustande.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

150. Jubiläum des Wecholder Kirchenschiffs: Ein Überblick

150. Jubiläum des Wecholder Kirchenschiffs: Ein Überblick

150. Jubiläum des Wecholder Kirchenschiffs: Ein Überblick
Eystrup-Doenhausen: Abrissarbeiten an der Brücke starten -Bahnstrecke muss gesperrt werden

Eystrup-Doenhausen: Abrissarbeiten an der Brücke starten -Bahnstrecke muss gesperrt werden

Eystrup-Doenhausen: Abrissarbeiten an der Brücke starten -Bahnstrecke muss gesperrt werden
Testzentrum Hoya: Corona-Abstriche wieder kostenlos - ASB begrüßt Entscheidung

Testzentrum Hoya: Corona-Abstriche wieder kostenlos - ASB begrüßt Entscheidung

Testzentrum Hoya: Corona-Abstriche wieder kostenlos - ASB begrüßt Entscheidung
Omas gegen Rechts: „Wir sind kein Kaffeekränzchen“

Omas gegen Rechts: „Wir sind kein Kaffeekränzchen“

Omas gegen Rechts: „Wir sind kein Kaffeekränzchen“

Kommentare