Christian Habl will Netzwerk für Firmen und körperlich Beeinträchtigte aufbauen

Behinderter macht sich für Behinderte stark

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Christian Habl möchte bald wieder mehr tun, als nur Bewerbungen zu schreiben. Er setzt sich für körperbehinderte Menschen auf der Suche nach Arbeit ein. ·

Br.-Vilsen - Von Marvin Köhnken„Qualifizierte Mitarbeiter mit einer körperlichen Behinderung sind nicht weniger leistungsfähig, sicherlich aber motivierter, wenn sie einen sicheren Job ausüben können“, meint Christian Habl. Der 31-Jährige ist gelernter Versicherungsfachmann und seit Februar arbeitslos. Um einen neuen Job zu finden, will er sich nicht mehr nur auf die staatlichen Einrichtungen verlassen, sondern ein Netzwerk für Betroffene und Firmen aufbauen.

Von seinem Schreibtisch in Bruchhausen-Vilsen aus hat Habl vor seiner Arbeitslosigkeit rund zwei Jahre lang seinen Beruf als selbstständiger Versicherungsvermittler im Außendienst koordiniert. Jetzt bleibt ihm, wie vielen anderen Arbeitssuchenden auch, nur, Bewerbungen zu schreiben. Seine berufliche Zukunft sieht Habl im Bereich der Verwaltung oder im Innendienst des Versicherungswesens.

Ursprünglich hatte der 31-Jährige eine reguläre Ausbildung als Bürokaufmann gemacht. Im Anschluss war er von 2006 bis 2008 arbeitslos und begann eine Fortbildung zum Versicherungsfachmann. Seine selbstständige Tätigkeit gab er auf, um im Umgang mit den Kunden „das Gewissen nicht hinter mir lassen zu müssen“. Jetzt setzt sich Habl dafür ein, dass Vorbehalte von Arbeitgebern, wenn es um die Anstellung körperlich behinderter Menschen geht, abgebaut werden.

Seit seiner Geburt ist sein linker Arm fast vollständig gelähmt. Durch stetiges Training gelingt es ihm trotzdem, alltägliche Tätigkeiten selbst zu übernehmen. Auf der Straße ist der Bruchhausen-Vilser in einem speziell für seine Bedürfnisse umgebauten Wagen unterwegs. Und dennoch: In den jüngsten Bewerbungsverfahren stieß Habl bei seinen Gesprächspartnern auf Ablehnung. Er fühlte sich missverstanden und falsch eingeschätzt.

Während er in Bewerbungsschreiben zuerst noch indirekt über die Möglichkeit von Lohnzuschüssen auf seine Behinderung hingewiesen hatte, konfrontiert er die Arbeitgeber mittlerweile erst persönlich mit seiner Beeinträchtigung. „In zwei Gesprächen habe ich die Erfahrung machen müssen, trotz einer unbefristeten Ausschreibung nur ein Angebot für eine befristete Anstellung zu erhalten“, erzählt der Arbeitslose.

„Für geistig behinderte Menschen existieren über die Lebenshilfe und Behindertenwerkstätten viele Angebote, sich in eine begrenzte Berufswelt zu integrieren. Aber für körperlich beeinträchtigte Menschen gibt es in meinen Augen keine individuellen Möglichkeiten, in den regulären Arbeitsmarkt zu finden“, sagt Christian Habl. Natürlich kenne er die Angebote von Integrationsfachdiensten, die wenigen Jobvermittlungs-Versuche hätten bisher jedoch nicht weitergeholfen.

Nun möchte Habl selbst aktiv werden, um Hilfe zur Selbsthilfe für Behinderte und eine Anlaufstelle für Firmen zu bieten. „Ich stelle mir vor, ein Netzwerk aufzubauen, das nach dem Vorbild der Jobbörse der Agentur für Arbeit funktioniert und unter anderem eine Bewerber- und Firmendatenbank umfassen soll“, beschreibt Habl eine Säule seiner Idee, die er in Kooperation mit Berufsbildungswerken, zum Beispiel in Bremen und Hannover, sowie mit dem Behindertenbeirat auf Landkreis-Ebene vorantreiben möchte.

„Firmen wissen häufig nur von den für sie negativen Auswirkungen wie dem besonderen Kündigungsschutz und zusätzlichen Urlaubstagen für behinderte Angestellte“, sagt er. Als Anreize nennt er die zahlreichen staatlichen Förderungsmöglichkeiten, die ein Arbeitgeber beantragen könne. Habl ist überzeugt, dass Unternehmer eher Schwerbehinderte einstellen würden, wenn sie ein umfangreicheres Vorwissen hätten. Gezielte Informationen könnten die Akzeptanz fördern. In dem Netzwerk sollen die Betroffenen untereinander und in den Dialog mit den Firmen treten.

„Betroffene und Firmen, die ihre Aufmerksamkeit auf die Arbeit mit Behinderten richten möchten, lade ich dazu ein, sich bei mir zu melden“, sagt Habl. Auch für Mitstreiter, die selbst nicht behindert sind, sondern ihn mit ihren Erfahrungen unterstützen können, ist er unter Telefon 04252/9090275 oder per E-Mail an christianhabl@ gmx.de erreichbar.

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