Auftragsmörder von Nienburger Tat vor Gericht in Verden

Mordprozess: Täter sagt aus

Am Freitag fand der dritte Verhandlungstag im Prozess um den Mord an einem Nienburger Geschäftsmann statt.

Verden/Nienburg. „Ich habe die Augen geschlossen, den Kopf weggedreht und geschossen“, lautet die Aussage eines 33 Jahre alten Angeklagten aus Garbsen. Zur Wiederherstellung der Ehre zweier jesidischer Familien habe er einen Geschäftsmann aus Nienburg töten sollen.

Ausführlich schilderte Nicolae S. am Freitag in dem Verdener Landgerichtsprozess wie es zu dem gescheiterten Auftragsmord kam. Teil des Plans sei es zudem gewesen, das Opfer vorher um 10 000 Euro anzupumpen, um davon den Killer zu bezahlen. Zum dritten Verhandlungstag hatte der Rumäne eine 23-seitige Erklärung mitgebracht, die Satz für Satz von einer Dolmetscherin übersetzt wurde. Wie bereits am vorherigen Verhandlungstag schilderte er zunächst, wie er vor rund elf Jahren den Mitangeklagten Mustafa B. aus Hoya kennengelernt habe und von diesem als billige Arbeitskraft ausgenutzt und schlecht behandelt worden sei. Dennoch will er dem Kurden seine Hilfe angeboten haben, als er bemerkte, dass den vermeintlichen Freund etwas bedrückte.

Es war eine außereheliche Beziehung der Schwiegertochter mit dem türkischstämmigen Geschäftsmann. Der betrogene Ehemann Ragip B. sowie der Vater der Frau, Adnan T., und deren Bruder Umut T., alle aus Nienburg, müssen sich ebenfalls wegen versuchten Mordes beziehungsweise Beihilfe in dem Prozess verantworten. Alle waren nach der Schilderung des 33-Jährigen in den mörderischen Plan involviert. Ragip B. habe zudem angekündigt, sich nach der Tat um seine untreue Ehefrau „kümmern“ zu wollen.

Nicolae S. will Mustafa B. zunächst vorgetäuscht haben, dass er jemanden für die Tatausführung gefunden habe. „Das war aber nicht wahr. Ich wollte Geld rausholen für die lange Zeit, in der er mich gequält hat“, übersetzte die Dolmetscherin. Irgendwann habe der 52-Jährige aus Hoya das Spiel durchschaut und den Garbsener bedrängt, die Tat selbst auszuführen. Versprochen habe man ihm 10 000 bis 15 000 Euro, die er gut gebrauchen konnte.

Das Opfer sei vor der Tat beobachtet worden. Es habe einen ersten Anlauf gegeben, doch da will der 33-Jährige noch einen Rückzieher gemacht haben. Dann wurde der Plan noch perfider: Der 24 Jahre alte Umut T. habe seine Freundschaft zu dem Geschäftsmann dafür nutzen wollen, dass dieser ihm 10 000 Euro leiht. Davon habe der Schütze bezahlt werden sollen.

Am 7. Dezember 2014 habe ihn Mustafa B. zum Tatort gefahren. „Er wollte im Auto bleiben. Ich sollte gehen und die Sache erledigen“, so der 33-Jährige. Er wartete vor dem Geschäft auf das Opfer bis es hinaus kam. „Er telefonierte, hatte Kopfhörer in den Ohren.“ Die Anweisung habe gelautet: „erste Kugel in den Kopf, restliche Kugeln ins Herz“. Doch der Garbsener will gezielt in den Rücken geschossen haben.

„Nach dem ersten Feuer hat er sich mit dem Gesicht in meine Richtung gedreht. Er war ängstlich, in Panik. Er sah aber nicht so aus, als wenn ihn eine Kugel getroffen hätte.“ Dann fiel der zweite Schuss. Zur Überzeugung der Staatsanwaltschaft in der Absicht, das Herz zu treffen, doch das bestreitet der Schütze: „Ich war nicht in der Lage ihn zu töten, wollte ihn nur verletzen.“ Dann flüchtete er vom Tatort und will sich über Nacht bei Angehörigen von Mustafa B. versteckt haben.

Der Prozess wird am 6. Oktober fortgesetzt.

wb

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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