Was Nowitzki für Deutschland, ist Rabe für den Kreis Nienburg

Andy Rabe hängt seine Basketballstiefel endgültig an den Nagel

Katrin, Eva, Andy und Nora Rabe geben eine Autogrammstunde.
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Katrin, Eva, Andy und Nora Rabe geben eine Autogrammstunde.

Nienburgs „Mr. Basketball“ Andreas Rabe hängt seine Basketballstiefel endgültig an den Nagel. Blickpunkt-Mitarbeiter Maik Hoffmeyer nutzte die Gelegenheit zu einem Interview mit ihm.

Nienburg - von Maik Hoffmeyer. Inmitten der von der Pandemie gestörten Euphoriewelle der TKW Basketballsparte platzt die Nachricht, dass Andy Rabe mit 40 seine Basketballstiefel endgültig an den Nagel hängt und sich auf die Spartenleitung und das Teammanagement fokussiert. Was Nowitzki für Deutschland, ist zweifelsohne Rabe für den Kreis-Nienburger Basketball. Mit seiner beachtlichen sportlichen Laufbahn wuchs auch parallel stets die Basketballsparte des TKW Nienburg.

Als „Mr. Basketball“ stand Andreas Rabe nach seiner Rückkehr 2004 aus Braunschweig zunächst mit einer Handvoll Spielern beim TKW in der Halle. Mittlerweile jagen rund 200 Korbjäger von jung bis alt in der Leitorhalle dem großen roten Ball hinterher – man ist zum Stützpunkt geworden. Die Erfolgsstory des Vereins gipfelte in der Saison 2019/20 mit dem Aufstieg der 1. Herren und der Damen in die Landesliga. Gezwungenermaßen müssen die Coaches Denis Dettmar/Kai Renken (Herren) und Jens Plumhoff/Patrick Goretzka (Damen) nun noch warten, um in der Landesliga erste Fußstapfen zu hinterlassen.

Magic Moments! Andy Rabe hat sogar einmal mit „German Wunderkind“ Dirk Nowitzki trainiert.

Elf Fragen an Andreas Rabe

Andy, deine Entscheidung nun als Spieler einen Schlussstrich zu ziehen, kommt für viele Basketballfans überraschend. War das eine Bauchentscheidung oder von langer Hand geplant?

Am Ende war es eine durchdachte Entscheidung. Wenn man 30 Jahre lang Hallenluft schnuppert, hat man basketballerisch so ziemlich jede Situation durchlebt. Dem Basketballsport werde ich auf der administrativen Ebene natürlich erhalten bleiben. Doch spätestens mit der Geburt meiner zweiten Tochter und einem Krankheitsfall in der Familie hat für mich ein Umdenken stattgefunden. Die mittlerweile ausgereiften Strukturen in der TKW Basketball-Sparte erleichtern mir diesen Schritt. Durch unser Spartenleitungsteam um Fabian und Kristina Reichardt, Jan Gerdes, Jens Plumhoff sowie die zahlreichen Coaches und Engagierten kann ich ruhigen Gewissens auch mal Aufgaben delegieren, ohne nachts schweißgebadet aufzuwachen.

Viele Jugendliche träumen vom Profisport. Du standest in Deutschlands attraktivsten Hallen. Ist das heute okay für dich oder hättest du hier und da etwas anders machen müssen, um in Übersee Fuß zu fassen?

Basketball war für mich immer mehr als nur ein Spiel: Mein Ziel war es „außerhalb der Box“ zu denken und zu agieren. Sicherlich hätte man die rein sportliche Komponente noch weiter fokussieren können, aber dafür war vermutlich der Anspruch zu groß, etwas Individuelles wie zum Beispiel die TKW Basketball- Sparte zu erschaffen. Wenn deine Taten einen Menschen auf deinem Weg inspirieren, dann hast du alles erreicht, damit dieser die Leidenschaft für den Sport weiter in diese Welt trägt. Darum geht es am Ende. Basketball ist eine Familie – und beim TKW sind wir über 200 „Onkel und Tanten“.

Du bist in Leese aufgewachsen und hast früh angefangen Basketball zu spielen. Hat Fußball dich auf dem Land nie gereizt?

In der Fußball-Pampers-Liga beim TuS Leese wurde das erste Mal der Spaß am Teamsport geweckt, doch wenn du bei der Einschulung knappe 1,60 Meter groß bist, wirst du schnell mit Basketball in Verbindung gebracht und so sollte es geschehen: Mein ehemaliger Lehrer Herr Goretzka – der Witz an der Sache: Der Vater unserer heutigen Damencoaches Patrick Goretzka – riet mir, in einen Basketballverein einzutreten. Meinen Eltern habe ich sehr viel zu verdanken. Meiner Mutter war kein Weg zu weit, um mit mir zu Lehrgängen und Spielen zu reisen, während mein Vater mir eine dunkfähige Basketballanlage im heimischen Garten schweißte. Die Liebe zum orangenen Leder habe ich primär ihrer Unterstützung zu verdanken. Der Reiz am Basketball war immer die Kultur und Vielseitigkeit, die der Sport bietet.

Du bist befreundet mit NBA-Star Dennis Schröder, hast ein Training mit Dirk Nowitzki absolviert. Du hast vor knapp 19 000 Zuschauern und laufenden TV- Kameras gespielt. Was war dein größter Gänsehaut-Moment?

Als ich 2003 aus der Uni kam und plötzlich im All-Star-Day-TV-Werbespot der Basketball-Bundesliga durchs Bild flog und ich im gleichen Jahr auf dem Werbeflyer mit einem Actionfoto erschien – ja, da kullerte schon die ein oder andere Freudenträne. Sehr bewegend war für mich auch der Moment, als ich den damals kleinen Dennis Schröder kennenlernte, den ich streetball-technisch an die Hand nahm. Jahre später dankte er es mir, indem meine Frau und ich ihn in Atlanta besuchen konnten und er dann 2015 sogar für eine Autogrammstunde zu uns an die Weser reiste. Basketballer sind halt eine große Familie.

Was war dein größter sportlicher Erfolg?

2002, 2003 und 2005: Rabe qualifizierte sich unter den kritischen Augen der prominenten Jury um Detlef Dee Soost und Dj Tomekk in Berlin und Köln für den All-Star-Day der Basketball-Bundesliga. Zwei mal davon schaffte er vor 18 500 Zuschauern in der Kölnarena und der Max-Schmeling-Halle in Berlin den Sprung in die Finalrunde der sechs besten Dunker Deutschlands.

2002 Deutscher Freiwurfmeister: Rabe trifft beim Deutschlandfinale der Streetballmeisterschaft in Schwerin 32 Freiwürfe in Folge

2003: Rabes All-Star-Day-Aktionsfoto zierte 2003 den bundesweiten Werbeflyer des Zusammentreffens der Crème de la Crème der Basketball-Bundesliga.

2009,-13,-14,-15: Erster Platz beim „43 Christmas Bash“ (Norddeutschlands 1-on-1-Competition)

2014: „Be like Garris“ beim TKW: Rabe fordert Nationalspieler und WM-Medaillisten Nino Garris als Workshop-Bonbon in heimischer Halle zum Privatduell heraus und siegt 14:12 in einem intensiven Match.

2014: Rabe qualifiziert sich in Hamburg für die nationale Endrunde des weltweit größten 1-on-1-Events „King of the rock“ (Finale: Alcatraz-Gefängnishof, San Francisco).

Du bleibst dem TKW als Spartenleiter, Teammanager und Trainer erhalten. Deine Frau Katrin spielt Basketball, so habt ihr euch selbstredend kennengelernt. Siehst du bei deinen Töchtern bereits Talente?

Im Spielzimmer geht es heiß her: Eva (5) und Nora (2) üben täglich auf ihren Indoor-Körben. Da wird auch schon mal ein lockerer Wurf über Papa und Mama eingenetzt. Es ist noch zu früh, um hier auf Talentsichtung zu gehen. Die Grundeinstellung per Dunking den Korb verbiegen zu wollen, scheint aber bei beiden im Blut zu liegen. Das macht Hoffnung. Wenn am Ende aber der Ponyhof zum Zuhause wird, ist das auch okay. Wir freuen uns, dass sich beide Töchter individuell entfalten und erziehen sie zu Toleranz und Offenheit.

Die Familie steht nun erst einmal im Vordergrund. Glaubst du trotzdem, dass du in ein so viel zitiertes „Loch“ fallen könntest oder gibt es Aufgaben im Überfluss?

Langeweile ist für mich ein Fremdwort. Wenn ich nicht gerade arbeite oder mit der Familie beschäftigt bin, interessiere ich mich sehr für Musik und Filme. Es ist schön, mit meiner Frau Katrin einen Menschen gefunden zu haben, der meine Begeisterungsfähigkeit teilt und mit mir und unseren beiden Mäusen durch dick und dünn geht. Das ist das Wertvollste, was man sich neben Gesundheit wünschen kann.

Viele sagen, 40 ist das neue 30. Hast du dir vielleicht auch schon Alternativsportarten ausgesucht?

Basketball wird immer ein Teil meines Lebens bleiben. Auch wenn ich meine Wettkampflaufbahn hiermit beende, so werde ich als Trainingspartner mit Abstrichen weiter zur Verfügung stehen. Wer gerne Pizza ist, der muss natürlich auch was tun. Alternativ halte ich mich mit Schwimmen, regelmäßigen Saunagängen, strampelnd auf dem Ergometer und mit Fitnesstraining in Form.

Du warst Spezialist im 1 vs 1- und 3 vs 3-Battle. Letzteres ist neuerdings auch olympisch. Schön oder schade, dass das erst so spät kommt?

Alles hat seine Zeit. Der olympische Gedanke ist schön und gut, entfremdet aber auch leider den Streetball-Grundgedanken. Als Kind der 90er bin ich froh, den Streetballhype durchlebt zu haben. Gerade das „King of the Rock“-Event mit seinem Weltfinale auf der Gefängnisinsel Alcatraz hatte in meinen Augen mehr Flair als das olympische Modell mit einem neuartigen Ball, der sich anfühlt wie ein zu groß geratener Plastikflummi. Daran merkt man vielleicht, dass es Zeit ist, sich den Sonnenuntergang anzuschauen.

Erinnert dich das Talent Meikel Kuri an den jungen Andreas Rabe?

Der junge Andreas Rabe und Meikel Kuri haben das gleiche Basketball-Mindset, auch wenn sie spielerisch komplett verschieden sind. Meikel ist ein Soulballer wie er im Bilderbuch steht. Er vereint Basket- und Streetball in seinem Spiel. Meikels Stärken liegen in der Ballkontrolle, während der junge Andy sein Spiel auf seiner Wurf- und Sprungdyamik aufbaute. Kurz bevor Meikel das Jugendfinale des X-Mas-Bash 2019 gewann, haben wir im Training viel gegeneinander gespielt. Ein Deja-vu: War da nicht noch so jemand, der heute bei den Los Angeles Lakers spielt?

Was traust du der jungen Truppe von Deniz Dettmar zu?

Deniz Dettmar ist ein Glücksgriff für das Team, da er das Herz am rechten Fleck hat. Nach dem Landesligaaufstieg mit dem Team war für mich klar, dass er mein Nachfolger als Coach werden würde. Das Team steht vor einem wichtigen Entwicklungsprozess. Die größte Aufgabe ist es, lauter ungeschliffene Rohdiamanten an Systembasketball heranzuführen. Das braucht Zeit, wird aber am Ende mit den gewünschten Resultaten belohnt werden. Ein sehr positives Feedback erhielt Deniz auch jüngst auf einem Trainerlehrgang. Hier wurde ihm eine gute Perspektive im Mentoring aufgezeigt. Dies unterstreicht mein Gesamtbild und es ist mir eine Freude als Spartenleiter, Deniz in jeglicher Form den Rücken zu stärken.

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