Lucari Jordan aus der Partnerstadt Las Cruces besucht Nienburg

Andere Würzung bringt Abwechslung

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Fühlt sich sehr wohl im Kreise seiner Gastfamilie: Lucari (2. v. r.) mit Wolfgang, Birte und Simon Lesemann. Während sich Katze Mayo fürs Foto gerne auf den Arm nehmen ließ, schnüffelte Familienhund Tobi lieber ein bisschen herum.

Estorf - Von Friederike Schockenhoff. An das Wetter muss sich der Gast gewöhnen, an dessen Art zu würzen die Gastgeber - und alle sind zufrieden. Lucari Jordan aus der Partnerstadt Las Cruces besucht Nienburg.

Ein regnerischer Samstagvormittag in Estorf: Die Familie sitzt in warmen Pullis am Tisch, die Besucherin von der Presse hält sich an einer Tasse warmen Kaffees fest – nur das neueste Familienmitglied zeigt keinerlei Anzeichen, dass ihm der Herbst etwas ausmacht. Lucari Jordan, Austausschüler aus Las Cruces, Nienburgs Partnerstadt in New Mexico und einem Ort, in dem ziemlich oft die Sonne scheint, trägt nur ein Poloshirt mit kurzen Ärmeln. „Aber ich trage Socken“, scherzt der 16-Jährige und erzählt, dass seine Gastfamilie ihn oft aufziehe, dass er für den Herbst in Deutschland viel zu dünn angezogen sei.

Nur eine der vielen Geschichten, die zeigt, dass Lucari gut in Norddeutschland angekommen ist und wie wohl er sich bei Familie Lesemann in Estorf fühlt. Sohn Simon, der die zwölfte Klasse der Nienburger Albert-Schweitzer-Schule (ASS) besucht, hatte Lucari beim Besuch der Nienburger im vergangenen Jahr in Las Cruces kennengelernt. Als der junge Amerikaner dann eine Gastfamilie suchte, um ein Schuljahr in Nienburg zu verbringen, lud Simon ihn ein, bei der Familie in Estorf zu wohnen.

„Ich war im Vorfeld schon nervös“, sagt Gastvater Wolfgang Lesemann, aber ein Gespräch mit Lucaris Großmutter Ingrid Luchini, die selbst viele Jahre den Schüleraustausch zwischen Nienburg und Las Cruces organisiert und begleitet hat, habe ihn beruhigt. „Lucari soll ja kein Gast bei uns sein, sondern ein Teil der Familie.“ Das hat gut geklappt, die Stimmung in dem großen Estorfer Bauernhaus ist entspannt, fröhlich erzählen Wolfgang Lesemann, Simon und seine Schwester Birte, was sie mit Lucari unternommen haben und wie es sich so lebt mit einem Bruder aus New Mexico.

Alle drei Kinder kochen gerne und kümmern sich oft abwechslend um die Mahlzeiten. Mit Lucaris Würzgewohnheiten sei ein bisschen Abwechslung eingezogen, das gefällt Simon gut. Ab und zu begleitet Lucari Birte beim Gang mit Hund Tobi – aber mit dem Konzept des Spaziergangs ohne festes Ziel habe er sich erst anfreunden müssen. „Beim ersten Mal hat er mich ganz verwundert gefragt, wohin wir denn jetzt gehen und was wir machen“, sagt Birte. Kein Wunder, in Lucaris Heimatstadt Las Cruces erledigt man fast alles mit dem Auto und ist selten zu Fuß unterwegs. Mit den deutschen Verkehrsmitteln hat sich der 16-Jährige aber auch schon prima arrangiert. Er fährt mit dem Rad zur Haltestelle des Busses, der ihn zur Schule bringt, in der ASS besucht er die zehnte Klasse. Dank Simon hat er auch schon herausgefunden, dass man mit dem Zug von Nienburg aus viele deutsche Städte fahren kann, um sich zum Beispiel Konzerte anzuschauen. Mehrstündige Autofahrten in größere Städte sind in New Mexico keine Seltenheit, „und beim Zugfahren lernt man auch noch Leute kennen, das ist toll“, sagt Lucari.

Mit dem Zug waren die beiden Gastbrüder auch bei der Demonstration gegen das Handelsabkommen TTIP in Berlin. „In den USA standen in der letzten Zeit vor allem die Abkommen mit dem asiatischen Raum im Vordergrund, ich glaube deshalb, dass die meisten Amerikaner gar nichts über TTIP wissen“, sagt Lucari. Weil der 16-Jährige aber politisch sehr interessiert ist, wollte auch er gerne seine Ablehnung des Freihandelsabkommens zwischen den USA und der EU ausdrücken. „Wir waren am Anfang erstaunt, wie sehr sich Lucari für Politik interessiert und wie viele Fragen er dazu stellt“, erinnert sich Gastschwester Birte. Aber schnell machte ihnen Lucari eines der Ziele klar, die er mit seinem Aufenthalt in Deutschland verfolgt: Endlich das politische System in Deutschland verstehen.

Seine Sprachfähigkeiten stehen als Ziel eher hinten an, Lucari spricht dank seiner Großmutter mit deutschen Wurzeln nämlich sehr gut Deutsch. Ein leichter Akzent verrät ihn – und manchmal vielleicht seine Scheu fremde Menschen einfach zurück zu grüßen, erzählt er. Er habe sich mittlerweile daran gewöhnt, zum Beispiel in Geschäften auch „Moin“ zu sagen, aber er sei doch noch ein bisschen zurückhaltend.

Auch für das Foto draußen vor dem Haus mochte sich Lucari übrigens keine Jacke anziehen. „Ich glaube, ich halte es noch einige Wochen lang aus, bevor ich mir eine deutsche Winterjacke kaufen muss.“ Im Moment genieße er noch den Herbst in Deutschland. Eine Jahreszeit wie diese habe er vorher noch nicht erlebt. Besonders gefällt ihm die grüne Landschaft. New Mexico liegt auf der windabgewandten Seite der Rocky Mountains, deshalb gibt es dort wenig Niederschlag und natürlich auch nur wenige grüne Pflanzen. Heimweh hat er, vermutlich dank seiner positiven Art, auch nicht. Über die große Entfernung sei sein Stolz auf seine Heimatstadt und auch seine Schule, die Centennial High School, schon gewachsen, aber es mache ihn nicht traurig, so weit entfernt von Vertrautem zu sein. Lucari freut sich eher auf seinen nächsten deutschen Abenteuer.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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