Blick auf die 875-jährige Geschichte Schweringens und den Weg zum Gotteshaus

Altes Dorf musste sich lange mit einer Kapelle begnügen

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Die Kirche wurde vor 90 Jahren geweiht. ·

Schweringen - Von André SteuerSchweringen feiert im September sein 875-jähriges Bestehen. Wir nehmen das Jubiläum zum Anlass, in einer kleinen Serie über ortsprägende Gebäude, Einrichtungen und Ereignisse zu berichten und beginnen mit der Kirche. Das Bauwerk ist noch recht jung, jahrhundertelang mussten sich die Schweringer mit einer Kapelle begnügen.

Sonntag, 8. Oktober 1922. Vor der alten Kapelle hat sich eine stattliche Zahl Menschen eingefunden, um mit einem letzten Gottesdienst Abschied von dem kleinen Gotteshaus zu nehmen. Nach der Ansprache von Superintendent Kahle beginnt der Festumzug zur neuen Kirche. In festlichem Girlanden- und Kranzschmuck steht sie in der strahlenden Herbstsonne, während die Gemeinde zum Weiheakt in das neue Gotteshaus einzieht.

Jetzt ist es doch endlich gebaut worden, aber bis es soweit war, hatten die Schweringer einen langen Weg zurücklegen müssen. Bereits 1858 bat die Gemeinde, man möge ihr den Bau einer Kirche erlauben. Die alte Kapelle, sie stand hinter der heutigen Volksbank, war stark reparaturbedürftig. Das Gebäude, das dem Heiligen Kreuz gewidmet war, wird erstmals 1574 in einem Visitationsbericht erwähnt. Allerdings dürfte die Kapelle deutlich älter gewesen sein.

Die erste urkundliche Erwähnung der Kirchengemeinde Schweringen findet sich im Jahr 1260. Zur Kirche gehörte seinerzeit beträchtlicher Grundbesitz. Aus den Einkünften zahlte die Kirche unter anderem Reparaturen. Aus einem Güterregister von 1724 ergibt sich, dass die Kapelle einen „Dachreiter“ (Glockenhaus) gehabt haben muss, der sich in der Mitte des Dachs befand. Bei einem größeren Umbau soll gegen 1755 ein Turm im Westen angebaut worden sein.

1775 hieß es, eine Reparatur der Kapelle sei dringend geboten. Doch anscheinend führte man sie erst 1830 aus. Dabei musste das gesamte Ziegeldach erneuert werden. 1839 war dann das Gestühl unbrauchbar und wurmstichig, ebenso die Kanzel. 1843 mussten die Fundamente erneuert werden, und wieder wurde das Dach ausgebessert.

1890 schließlich erwarb die Gemeinde das Grundstück, auf dem die Kirche heute steht. Den förmlichen Beschluss zum Kirchenbau fasste man 1913. Veranschlagte Kosten: 75 000 Mark.

Die Bauarbeiten begannen im April 1914 – doch schon im August lag die Baustelle brach, weil Deutschland für den Ersten Weltkrieg mobil machte. Der Schweringer Maurer Stuwe wurde zum Kriegsdienst eingezogen. Die Bauarbeiten an der Kirche ruhten.

Nach dem Krieg nahmen die Schweringer trotz Inflation die Arbeiten rasch wieder auf.

Am 8. Oktober 1922 ist der Tag der Einweihung gekommen. Das „Hoyaer Wochenblatt“ berichtet tagsdrauf: „Generalsuperintendent Möller hielt die Weiherede, welcher er die Worte aus der Offenbarung Johannes ,Siehe da, die Hütten Gottes‘ zu Grunde legte. (...) Verschönert wurde die ganze Feier durch den vorzüglichen Gesang des Gemischten- und Männerchores Schweringen unter teilweiser Begleitung des Posaunenchores Balge. Voll Stolz kann unsere Gemeinde auf das nun vollendete Werk und die Weihe desselben zurückblicken.“

Das alte Kapellengebäude wurde weitergenutzt – als Lager für Kunstdünger. 1958 riss man es ab. Heute steht auf dem alten Ka pellenhof eine Maschinenhalle.

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