CDU-Politiker Clemens Große Macke referiert vor Rapserzeugern über den Strukturwandel – oder auch nicht

Agrarfachmann macht Witze statt Anregungen

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Der Referent Clemens Große Macke (links) war bis 2013 agrarpolitischer Sprecher des Niedersächsischen Landtags. Rechts im Bild: der Vorsitzende der Rapserzeuger, Carsten Meyer.

Eitzendorf - Von Heiner Büntemeyer„Welche Chancen bleiben den Bauern? Strukturwandel in der Landwirtschaft“ – unter diesem Titel referierte der ehemalige agarpolitische Sprecher des Niedersächsischen Landtags, Clemens Große Macke, in Eitzendorf.

Die Erzeugergemeinschaft für Getreide und Raps „Weser-Aller“ hatte ihn zu ihrer Jahreshauptversammlung (gesonderter Bericht folgt) im Gasthaus „Zur Post“ eingeladen. Nach dem Wahlsieg von Rot-Grün ist der CDU-Politiker nun in seiner Fraktion für den Bereich Strukturpolitik zuständig.

Der Strukturwandel habe schon in den 1950er-Jahren begonnen und setze sich fort, sagte Große Macke. Gemessen an der Zahl der Berufsschulabsolventen gebe es nur noch für jeden dritten Bauernhof einen Nachfolger. „Die Boden- und Pachtpreise spielen verrückt“, erklärte er, doch der Kampf um die Flächen werde nicht unter den Landwirten ausgetragen, sondern erfolge immer häufiger zwischen den Landwirten und den Energie-Erzeugern.

Um bei betriebswirtschaftlichen Veränderungen sinnvoll anzusetzen, sollte jeder Landwirt vorher eine Schwachstellen-Analyse vornehmen und einen Marketingplan erarbeiten. Hilfreich wären dafür Praktika auf erfolgreich wirtschaftenden Höfen.

Von dem Vortrag des ehemaligen agrarpolitischen Sprechers des Niedersächsischen Landtags konnten die Zuhörer erwarten, dass sie konkrete Anregungen und Hinweise erhalten würden, wie sie ihre Betriebe im Zeichen des fortschreitenden Strukturwandels zukunftssicher aufstellen könnten. Was sie hörten, waren Allgemeinplätze: Trends rechtzeitig erkennen, Mut zur Veränderung haben, Imagepflege betreiben. Wahrscheinlich hätte es die Zuhörer interessiert, was das konkret bedeutet. Aber darauf blieb der Referent eine Antwort schuldig.

Stattdessen nutzte er die Zeit, um die Agrarpolitik der neuen Landesregierung zu kritisieren. Die Absicht beispielsweise, die Flächenprämie für die ersten 46 Hektar zu erhöhen und damit kleinere Betriebe zu stützen, kommentierte er mit den Worten: „Wer den Fortbestand seines Hofs davon abhängig macht, sollte lieber gleich verkaufen“. Dass diese Veränderungen mit sinnvollen Umweltschutz-Auflagen verbunden sind, verschwieg er. Er spottete über die Anregung des Ministeriums, quer zur vorherrschenden Windrichtung zu pflügen, um Bodenerosion zu vermeiden. Als Beispiel wählte er einen 65 Meter breiten und 450 Meter langen Acker „in Windrichtung“. Beim häufigen Wenden würde der Bauer wenigstens nicht einschlafen, meinte er und verschwieg, dass es sich lediglich um eine Empfehlung handelte.

Als eine interessante Variante dürften die Raps- und Getreide-Erzeuger auch die Alternative zur Käfighaltung von Hühnern empfunden haben, denn den Kritikern empfahl er, selbst drei Hühner auf dem eigenen Balkon zu halten, um den Eierbedarf einer Familie zu decken.

Er habe noch seinen Helm und die Keule im Schrank stehen, berichtete der Referent. Damit habe er früher Demos besucht, um für die Rechte der Landwirte zu streiten. Zu Beginn seines Vortrags hatte er allerdings die Milchbauern kritisiert, die vor einigen Jahren für bessere Milchpreise in Lieferstreik getreten waren. Sie hätten in ihren Dörfern Gräben gerissen zwischen denen, die streikten, und jenen, die weiter lieferten.

Bei seinem Referat bewies der Referent aus dem Raum Cloppenburg Talent als Büttenredner. Durch pantomimische Einlagen und kleine Witze sorgte er immer wieder für Heiterkeit. So gesehen war es ein unterhaltsamer Nachmittag.

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