Veterinär- und Forstamt führen eine Übung zur Beprobung und Bergung durch

Afrikanische Schweinepest: Kreis Nienburg auf Ernstfall vorbereitet

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Die Experten begutachten das Wildschwein.

Landkreis - Die Afrikanische Schweinepest rückt immer näher an die deutsche Grenze heran. In Osteuropa sind bei Wildschweinen schon zahlreiche Infektionsfälle gemeldet worden. Bedrohlich für Deutschland ist die Lage in Polen.

Nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt wurde in Polen kürzlich ein ASP-infiziertes Wildschwein gefunden. Für den Fall, dass die ASP in Zukunft auch den Landkreis Nienburg betreffen sollte, hat der Fachbereich Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung des Landkreises Nienburg in Kooperation mit dem Forstamt Nienburg der Niedersächsischen Landesforsten nun die Bergung von Schwarzwild unter Praxisbedingungen geprobt.

Afrikanische Schweinepest (ASP): Infizierung von Haus- und Wildschweinen

Die ASP ist einefür Menschen vollkommen ungefährliche Viruserkrankung. Ausschließlich Haus- und Wildschweine können sich infizieren. Andere Tierarten, wie zum Beispiel Hunde oder Katzen, sind nicht empfänglich. Eine Übertragung durch Kleidung, Gegenstände und Fahrzeuge ist möglich, sofern sie mit dem Virus in Kontakt gekommen sind. Ein Ausbruch der ASP in Deutschland würde zu verheerenden wirtschaftlichen Einbußen in der heimischen Landwirtschaft führen.

Vorweg ist anzumerken, dass es sich im Rahmen der Übung bei den Wildschweinen um Unfalltiere handelte. Es wurde kein Schwarzwild für diesen Anlass getötet. Die Ausgangslage der Übung war, dass vom Forstamt Nienburg ein verendetes Wildschwein mit Verdacht auf ASP im Wald in Rehburg gefunden wurde und die Fundkoordinaten dem Veterinäramt übermittelt wurden.

Das Wildschwein wird von den Experten geborgen.

Der Bergungstrupp bestand aus Dr. Christiane Mamarvar, Veterinärin beim Landkreis, sowie den Landkreis-Mitarbeitern Marcus Büsching und Christoph Tilch. Zudem waren als Beobachter zugegen: Dr. Kay Schimansky, Leiter des Fachbereiches Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung, Hubert Wichmann vom Forstamt Nienburg, Claus Reimann von der Revierförsterei Rehburg, Dr. Rebekka Fuhrmann (Veterinärin beim Landkreis) und Anne Brauer (hospitierende Tiermedizinstudentin).

Die Aufgabe lautete: Beprobung und Bergung des verendeten Wildschweins. Doch bevor von dem Tier im Dickicht eine Blutprobe gezogen werden konnte, waren aufgrund der hohen Infektiosität wichtige Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. Ein erster Schutzanzug musste angezogen werden, dann ein zweiter. Dass Gummi- und Einmalhandschuhe getragen wurden, war eine Selbstverständlichkeit. Dann hieß es, mit einem Tupfer eine Blutprobe zu nehmen. Im Anschluss musste das Tier geborgen werden.

Schützen vor der Afrikanischen Schweinepest

Infizierte Tiere ziehen sich in ihrem fiebrigen Zustand oftmals unter Bäume oder in Mulden zurück. Um möglichst sicher, bei einem potenziell infizierten Tier, die Weiterverbreitung von ASP-Viren zu verhindern, ist es erforderlich, das Tier umgehend in einen eigens dafür vorgesehenen verschließbaren Kadaversack aus speziellem Kunststoff zu verbringen und diesen äußerlich zu desinfizieren. Der Fundort wurde nach der Bergung ebenfalls umgehend desinfiziert.

Die Bergung des Wildschweins mit einem verschließbaren Kadaversack in unwegsamem Gelände wurde ebenfalls geübt.

Doch Hubert Wichmann und Claus Reimann hatten sich noch eine nicht geplante Situation überlegt, und an einer anderen Stelle ein weiteres totes Wildschwein platziert. Nachdem der speziell ausgebildete Jagdhund angeschlagen hatte, wurde auch dieses Tier fachmännisch mit in den Praxistest integriert.

Dr. Mamarvar unterstreicht: „Diese Übung hat aufgezeigt, wie wir im Fall eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest arbeiten müssen. Wir haben praxisnah gesehen, wie bei dieser Tierseuche zu reagieren ist.“ Dr. Kay Schimansky betonte nach der Übung: „Wir haben den Ernstfall geprobt und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Mit diesem Praxistest konnten wir uns besser auf eine mögliche Afrikanische Schweinepest vorbereiten, um im Bedarfsfall weitere Bergungstrupps zu schulen.“

Verhaltensweise bei ASP-Verdacht

Passanten, die beispielsweise am Straßenrand ein Wildschwein als Fallwild entdecken, werden darum gebeten, dieses nicht zu berühren. Der Kontakt eines Hundes mit dem Wildschwein ist ebenfalls zu vermeiden, um gegebenenfalls eine Weiterverbreitung von Krankheitserregern zu vermeiden.

Der Fachbereich Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung bittet darum, im Falle eines Wildschweinkadaverfundes unverzüglich den Landkreis zu informieren. Hierzu kann der Notruf 110 gewählt werden. Es besteht auch die Möglichkeit, sich direkt an das Veterinäramt unter Tel. 05021/967113 zu wenden, damit der Kadaver fachgerecht entsorgt und eine Beprobung durchgeführt werden kann. Des Weiteren richtet der Landkreis die Bitte an alle Schweinehalter, in ganz besonderem Maße an die Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen zu denken.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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