Wirkunsgweise von Impfstoffen

Zwischen Erst- und Zweitimpfung: Das Warten auf den vollen Corona-Schutz

Immer mehr Menschen sind vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Aber warum findet die zweite Impfung in unterschiedlichen zeitlichen Abständen statt?

Berlin – Mit der zunehmenden Menge an Impfungen gibt es auch viele Menschen, die über kurz oder lang vor ihrem zweiten Termin stehen. Je nachdem, welchen Impfstoff sie bei ihrer Erstimpfung bekommen haben, ist die zweite Spritze in einem bestimmten zeitlichen Abstand angesetzt. Das hängt mit der Funktionsweise des menschlichen Immunsystems und der Wirkungsweise des Impfstoffes zusammen. Nach der Impfung sollte man seinem Körper die Ruhe für die Immunreaktion gönnen*.

Virus:Coronavirus, COVID-19
Krankheitserreger:SARS-CoV-2
Vorkommen:Weltweit
Erster bekannter Fall:1. Dezember 2019

Warum genau das so ist, was bei den verschiedenen Impfstoffen im Körper passiert und warum mittlerweile auch sogenannte „Kreuzimpfungen“ des Astrazeneca-Impfstoffes mit einem anderen Vakzin möglich sind, hat die Süddeutsche Zeitung nun in einem Video aufgearbeitet und verständlich erklärt.

Die Immunreaktion des Körpers und was bei einer Corona-Impfung passiert

Um zu verstehen, warum zwischen der ersten und zweiten Spritze einige Zeit vergehen muss, ist es zunächst wichtig zu verstehen, wie das Immunsystem arbeitet. Bei einer Infektion mit einem Virus gibt es eine Abwehrreaktion des Körpers. Bis diese auf voller Betriebstemperatur ist, vergehen jedoch einige Tage.

Der Körper sorgt aber vor, sollte es in der Zukunft zu einer Infektion mit dem gleichen Virus kommen. Ein Teil der Immunreaktion ist daher die Bildung von Gedächtniszellen. Kommt es zu einer erneuten Covid-19-Infektion, kann der Körper nun schon viel schneller reagieren, da er „sich daran erinnert“, wie er das Virus beim vorherigen Mal bekämpft hat.

Die Abstände zwischen der ersten und der zweiten Impfung sind abhängig vom Impfstoff. Mit der Möglichkeit der Kreuzimpfung kommt nun noch ein neues Modell hinzu.

Das Prinzip der Impfung basiert auf dieser Vorgehensweise. Die Impfung stellt die erste Infektion nach, allerdings mit weniger intensiven Auswirkungen und daher auch weniger gefährlich als eine echte Infektion. Durch die erste Impfung beginnt der Körper sich die Vorgehensweise gegen das Virus zu erarbeiten und für die Zukunft in den neu gebildeten Gedächtniszellen zu merken.

Die zweite Impfung simuliert nun eine erneute Infektion, wodurch diese Gedächtniszellen aktiviert werden. Dadurch erhöht sich der Schutz gegen das Virus weiter. Das Vorgehen erklärt auch, warum Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben, keine zwei Impfungen benötigen. Durch die Infektion ist der Prozess, der durch die Erstimpfung in Gang gebracht werden soll, bereits geschehen. Es reicht eine Dosis des Impfstoffes, um das gleiche Ergebnis zu erhalten.

Zeitlicher Abstand zwischen Impfungen mit Moderna, Astrazeneca oder Biontech ist abhängig vom Impfstoff

An diesem Punkt spielt es nun eine Rolle, welchen Impfstoff man erhält. Bei Astrazeneca, Moderna oder Biontech hängt es davon ab, in welchem Abstand die Erst- und Zweitimpfung vorgenommen werden sollten. Im Fall von Johnson & Johnsonreicht sogar eine Dosis, um eine hohe Schutzwirkung zu erhalten. Bei den Mitteln gibt es sogenannte Vektor- und mRNA-Impfstoffe*.

Die mRNA-Impfstoffe wirken so, dass der Körper dazu veranlasst wird, Antikörper zu bilden, indem man ihm Teile der Erbinformation des zu bekämpfenden Virus spritzt. Mit diesem Erbmaterial wird im Übrigen bei einem PCR-Test auch eine Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen*.

Im Fall der Impfung sind diese Teile aber harmlos.

Allerdings bewirken sie, dass der Körper mit der natürlichen Reaktion auf eine Infektion beginnt. Die Mittel von Moderna und Biontech/Pfizer sind solche Impfstoffe. Vektor-Impfstoffe hingegen arbeiten so, dass der zu impfenden Person ein abgeschwächter und somit harmloser Virus gespritzt wird. Darauf reagiert der Körper mit Bildung des Immunschutzes. Astrazeneca gehört zu dieser Art der Impfstoffe.

Beim Impfstoff von Astra-Zeneca ist die Schutzwirkung höher, je mehr Zeit zwischen der ersten und der zweiten Dosis vergeht.

Bei Astrazeneca ist die Schutzwirkung höher, je mehr Zeit zwischen den beiden Impfterminen liegt. Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) beinhaltet daher einen Abstand von neun bis zwölf Wochen. Nach zwölf Wochen liegt die Schutzwirkung bei mehr als 80 Prozent, während sie bei einem Abstand von unter sechs Wochen nur bei knapp 55 Prozent liegt.

Voller Impfschutz erst einige Zeit nach der zweiten Dosis gegeben

Das Vakzin von Biontech/Pfizer benötigt aufgrund der anderen Wirkweise nur einen Abstand von drei bis sechs Wochen zwischen den beiden Impfungen, um die volle Wirkung zu erhalten. Möchte man nun die neue Möglichkeit der Kreuzimpfung nutzen und soll als zweite Impfdosis das Mittel von Biontech/Pfizer erhalten, liegt die Empfehlung der STIKO bei einem Abstand von vier Wochen, wie in dem Beitrag der SZ ausgeführt wird.

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass die volle Impfwirksamkeit auch nach der zweiten Spritze nicht direkt gegeben ist. Der Körper braucht einige Zeit, um die notwendigen Reaktionen und Ergebnisse zu erzielen. In der Regel ist der volle Impfschutz zwei Wochen nach der zweiten Impfung gegeben. Ausnahme ist auch hier Johnson & Johnson. Auch wenn man von diesem Vakzin nur eine Dosis benötigt, sind die Geimpften erst nach vier statt zwei Wochen „vollgeimpft“. Dieser Status wird dann auch im digitalen Impfpass angezeigt*. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe / picture alliance / dpa

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