Von Afrika über Kanada bis Indien

Zoo Hannover feiert 150. Geburtstag

+
Der Zoo Hannover investiert große Summen. Foto: Peter Steffen/Archiv

Hannover - Der vor 150 Jahren gegründete Zoo Hannover sieht sich für die Zukunft gut gerüstet. Für die kommenden zehn Jahren sind Investitionen in Höhe von etwa 71 Millionen Euro geplant. Unter anderem sollen Laufhallen für Giraffen und Elefanten gebaut werden, so dass die Tiere auch bei schlechtem Wetter angeschaut werden können.

Einen umgeknickten Baum nutzten fünf clevere Schimpansen im Zoo Hannover zur Flucht aus ihrem Gehege. Eine Stunde lang mischten sich die Menschenaffen im Juli 2012 unter die Besucher. Mit dem spektakulären Schimpansen-Ausbruch machte der Zoo Hannover, der am 4. Mai seinen 150. Geburtstag feiert, zuletzt bundesweit Schlagzeilen. Als Konsequenz entstand für drei Millionen Euro das neue Affenland Kibongo. Es ist ausbruchssicher und soll mit Bambus, Bäumen, Felsen und Höhlen an eine afrikanische Feuchtsavanne erinnern.

Die jährlich rund 1,3 Millionen Gäste bewegen sich in dem vielfach ausgezeichneten Erlebnis-Tierpark von einem Kontinent zum anderen. Sie können eine Bootstour auf dem Sambesi unternehmen, im indischen Dschungelpalast Elefanten bestaunen oder von einem kanadischen Frachtschiff aus durch Panoramascheiben die Schwimmkünste von Robben und Eisbären bewundern. Mehr als 100 Millionen Euro haben die seit Mitte der 90er Jahre sukzessiv eingerichteten Themenwelten gekostet.

Die künstlichen Steppen- und Dschungellandschaften stießen anfangs auf Kritik. „Der Vorwurf lautete: „Ihr macht aus einer wissenschaftlichen Einrichtung ein Disneyland““, sagt Zoo-Chef Andreas Casdorff. „Mittlerweile ist aber aus dem dahinter liegenden Ansatz der Besucherorientierung ein Trend geworden und andere Zoos folgen unserem Beispiel.“

Aber haben auch die Zebras und Giraffen etwas von den liebevoll gestalteten Kulissen? Der Tierrechtler Colin Goldner kritisiert, dass das neue Außengehege für Schimpansen in Hannover „mit seinen Affenbrotbäumen aus Beton mehr an Disneyland erinnert als an eine Urwaldlichtung“. Goldner hat die Haltungsbedingungen in deutschen Zoos recherchiert und kommt zu dem Schluss, dass exotische Wildtiere in Gefangenschaft nichts verloren haben.

„Eisbären durchstreifen Reviere von bis zu 30.000 Quadratkilometern, etwa die Größe Brandenburgs. In Zoos bekommen sie Betonflächen zugewiesen, die noch nicht einmal der Größe des Strafraumes auf einem Fußballplatz entsprechen“, bemängelt der Autor.

Im Unterschied zu Tierrechtsorganisationen lehnt der Deutsche Tierschutzbund Zoos nicht generell ab, sofern die tierischen Bewohner frei von Schmerzen, Leiden und Schaden gehalten werden. Außerdem müsse dafür gesorgt werden, dass sie ihren artgemäßen Bedürfnissen nachkommen und ihr Sozialverhalten ausleben können.

Hannovers Zoo-Chef Casdorff hält solche ethische Diskussionen für wichtig: „Letztlich geht es darum: Was darf der Mensch? Darf er sich Tieren überordnen?“ In den vergangenen Jahren hätten die Zoos viel gelernt. „Bei der Tierpflege legen wir großen Wert darauf, dass es Wildtiere sind und bleiben.“ Die Frage, ob von ihren Müttern vernachlässigte Junge mit der Hand aufgezogen werden, sei sehr komplex. „Je nach Tierart und Situation wählen wir heute unterschiedliche Herangehensweisen.“

Trotz der Debatte über Wildtiere in Gefangenschaft: „Zoos als Bildungs- und Erholungseinrichtungen wird es auch noch in 50 Jahren geben“, ist Casdorff überzeugt. „Auswilderungsprojekte und die einhergehenden Diskussionen über Lebensräume werden zunehmen.“ Als Beispiel nennt der Zoo-Chef die in ihrer nordafrikanischen Heimat ausgestorbenen Berberlöwen: „In Zoos bemühen wir uns, Berberlöwen zu erhalten.“ Eine Auswilderung solcher Tiere müsse aber in jedem Einzelfall genau geprüft werden.

Die Naturschutzorganisation WWF Deutschland sieht in gut geführten Zuchtprogrammmen bedrohter Tierarten von Zoos einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz. Tierrechtler Goldner hat daran jedoch Zweifel. Er sagt: „Träfe es zu, dass Zootiere einen Beitrag zum Verständnis von Tieren und zum Artenschutz leisten, müssten sich heute Millionen Menschen, die als Kinder Zoos besuchten, für den Schutz der Tiere in deren Heimat einsetzen. Tun sie aber nicht.“

dpa

Zoo Hannover

Mehr zum Thema:

Proklamation beim Schützenfest in Aschen

Proklamation beim Schützenfest in Aschen

40 Jahre Städtepartnerschaft Bonnétable und Twistringen gefeiert

40 Jahre Städtepartnerschaft Bonnétable und Twistringen gefeiert

BVB feiert Ende des Finalfluchs

BVB feiert Ende des Finalfluchs

Bilder: So ausgelassen war die BVB-Pokalfeier 2017

Bilder: So ausgelassen war die BVB-Pokalfeier 2017

Meistgelesene Artikel

Streifenwagen der Bereitschaftspolizei beschossen

Streifenwagen der Bereitschaftspolizei beschossen

Gedenken an großen Tierfilmer: Zutiefst zufrieden dank der Natur

Gedenken an großen Tierfilmer: Zutiefst zufrieden dank der Natur

52-Jähriger stirbt nach Frontalzusammenstoß 

52-Jähriger stirbt nach Frontalzusammenstoß 

Fahrradfahrer stirbt bei Unfall mit Lkw

Fahrradfahrer stirbt bei Unfall mit Lkw

Kommentare