Ungewisser Zeitplan für Atommüll-Bergung

Ein Landwirt sperrt sich gegen den Asse-Betreiber

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Landwirt Rolf Steinkampf verbietet dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) Messungen auf seinem Land.

Wolfenbüttel - Der Müll aus der Asse soll weg, doch solange er nicht geborgen ist, muss das marode Lager saniert werden. Das kommt nur mühsam voran. Nun blockiert auch noch ein Landwirt wichtige Messungen. Er sagt: Wer eine Asse ohne Radioaktivität will, muss gleich den Berg abtragen.

Für die Sanierung des maroden Atomlagers Asse will das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mit speziellen Messungen mehr über den Untergrund und mögliche Wasserwege rund um das Lager herausfinden. Doch Landwirt Rolf Steinkampf versperrt dem Amt den Zugang zu seinem Grundstück.

Er ist nicht der einzige Grund, warum sich die Vorbereitungen für die Rückholung der 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen hinziehen. Warum scheinen die Vorbereitungen für die Bergung des Asse-Mülls nur so langsam voranzukommen? Die Bergung der Fässer aus der Asse soll frühestens 2033 beginnen.

Doch noch ist nicht mal klar, wo der Müll hin soll. Rund zwei Jahre lag die Suche nach einem Zwischenlager auf Eis, weil es Reibereien gab zwischen dem BfS und der Asse-2-Begleitgruppe, die die Interessen der Region und der Bürger vertreten soll. Außerdem ist unter Tage noch viel Arbeit nötig: Um den Müll zu bergen, muss ein zusätzlicher Schacht gebohrt werden. Darüber hinaus muss das BfS Daten zu den verschütteten Fässern sammeln.

Dem Asse II-Koordinationskreis geht das alles zu langsam. Der Kritiker-Kreis wirft dem BfS Untätigkeit vor und warnte davor, dass der Atommüll absaufe. Was hat der Landwirt mit den Verzögerungen zu tun? In die Asse läuft Wasser ein, woher es genau kommt, ist nicht so recht klar.

Deshalb will das BfS mit Hilfe seismischer Messungen ein räumliches Modell des Gebietes erstellen. Dazu sollen von der Oberfläche aus Schwingungen in den Boden eingebracht und mit Geophonen aufgenommen werden. Mit den Aufzeichnungen lässt sich die Struktur des Untergrunds genauer bestimmen. Rolf Steinkampfs Grundstück ist groß und deshalb wichtig. Für diese Messungen müssen rund 700 Menschen das BfS auf ihre Grundstücke lassen. Zehn von ihnen lehnen das bislang ab, darunter auch Steinkampf.

Landwirt will Fässer nicht aus der Asse holen lassen

Warum will er das BfS nicht auf sein Land lassen? Steinkampf sagt, solange die Fässer in der Asse lagern, gehe keine Gefahr von ihnen aus. „Gegen die natürliche Radioaktivität, die der Salzstock hat, ist die Strahlung der Fässer sehr gering“, erklärt er. Dazu komme, dass in der Zeit des Bergbaus mit dem Kalisalz so viel Radioaktivität herausgeholt wurde, wie mit den Fässern nun wieder eingelagert worden sei.

Er beruft sich dabei auf Veröffentlichungen des Physikers Hermann Hinsch. Steinkampf wirft dem BfS vor, diese Tatsache zu verschweigen Was sagt das BfS zu den Argumenten? Zu den Anschuldigungen von Steinkampf gibt das BfS keine eindeutige Antwort. „Für die Sicherheit ist die Rückholung entscheidend“, erklärt eine Sprecherin lediglich.

Nachdem das BfS mit dem Betrieb der Asse beauftragt wurde, sei mit Hilfe von Experten geprüft worden, welche Stilllegungsoption den größten Sicherheitsgewinn für Mensch und Umwelt bringe. 2013 habe der Bundestag die Bergung der Abfälle beschlossen.

Wie könnte es weiter gehen? Steinkampfs Land gehört zu den größten unter den 700 betroffenen Grundstücken. Wenn er nicht einwilligt, die Messungen auf seinem Grundstück durchführen zu lassen, könnte das einen Qualitätsverlust bringen und die Ergebnisse würden zu ungenau. Wie entscheidend dies tatsächlich wäre, will das BfS dann vorab prüfen lassen. Der Zeitplan ist bereits jetzt hinfällig, denn eigentlich sollten die Messungen im April beginnen. Einen aktuellen Plan gibt es nicht.

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