Protest in der Wesermarsch

Zahl der vermuteten Wolfsrisse stark gestiegen

Schäfer sollen für Wolfsopfer entschädigt werden

Hannover - Die Wölfe in Niedersachsen sorgen für Ärger: Immer mehr Wolfsrisse werden von Tierhaltern gemeldet - was aber nicht bedeutet, dass Wölfe wirklich in allen Fällen verantwortlich waren. Zum Protest gegen den Wolf versammelten sich Weidetierhalter in der Wesermarsch.

Niedersächsische Tierhalter haben in diesem Jahr bisher weit mehr mutmaßliche Wolfsrisse gemeldet als im in den ersten Monaten von 2017. Bis Ende März mussten Behörden in 51 Fällen bei toten oder verletzten Nutztieren überprüfen, ob ein Wolf die Tiere biss. 2017 waren in diesem Zeitraum 37 Fälle gemeldet worden, in 24 Fällen wiesen die Behörden nach, dass tatsächlich ein Wolf die Tiere verletzte oder tötete. In diesem Jahr konnte das Umweltministerium 23 Wolfsrisse nachweisen, 24 Fälle werden noch untersucht.

Gegen die ungehinderte Verbreitung der Wölfe in Weidegebieten protestierten am Samstag mehr als 300 Menschen in Stadland. Wölfe in der Küstenregion seien nicht vereinbar mit der Weidehaltung, sagte der Geschäftsführer der Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland, Manfred Ostendorf. Auch Politik und Gesellschaft trügen Verantwortung, wenn Hunderttausende Rinder oder Tausende von Schafen im Stall bleiben müssten. Dann werde es keine Weidemilch mehr geben.

Die Veranstalter, neben dem Landvolk auch die Landfrauen, die Deichverbände und die Schafzüchter, forderten wolfsfreie Zonen und klare Regelungen. Wölfe seien als Raubtiere mit einer ausgeprägten Weidehaltung und der Haltung von Schafen an den Deichen nicht vereinbar. Die Deichverbände seien in Sorge um den Küstenschutz, der ohne Schafe an den Deichen in Gefahr gerate. Wolfssichere Zäune gebe es nicht, und die Errichtung von wolfsabweisenden Zäunen würde allein in den Landkreisen Friesland und der Wesermarsch über 300 Millionen Euro kosten, kritisierten die Veranstalter der Kundgebung.

Rund 150 Wölfe streifen durch niedersächsische Wälder

Nach Angaben der Landesjägerschaft streifen derzeit rund 150 Wölfe durch niedersächsische Wälder. 2013 ließen sich 16 Nutztierschäden nachweisen, 2017 waren es 144 Fälle mit teils mehreren Tieren. Unlängst wurde bekannt, dass Niedersachsen die finanzielle Unterstützung für Nutztierhalter, die ihre Herden vor Wolfsrissen schützen wollen, ausweiten will. Künftig sollen demnach auch Tierhalter mit kleinen Beständen und Hobbytierhalter Förderung für Schutzzäune und Herdenschutzhunde erhalten können.

Wenn Tierbesitzer einen Wolfsangriff vermuten, sollten sie schnell den für ihre Region zuständigen Wolfsberater alarmieren. "Wichtig ist eine gute Dokumentation des Fundes", sagte die Sprecherin des niedersächsischen Wolfsbüros, Bettina Dörr. Manchmal sei schon die Fundsituation ziemlich eindeutig, häufig seien jedoch langwierige DNA-Untersuchungen notwendig, um einen Wolfsbiss nachzuweisen.

dpa

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