Familien-Angebote

Workation: Arbeiten unter Palmen am Meer ‒ auch nach Corona

Nach der Corona-Pandemie werden deutlich mehr Menschen mobil arbeiten können als zuvor. Auf diesen Trend reagieren Hotels und Gaststätten mit Workation-Angeboten, auch Tui mischt mit. Was hat es damit auf sich?

Die Bundesregierung hat die Pflicht für Arbeitgeber, ihren Beschäftigten zum Schutz vor Corona Homeoffice zu ermöglichen, bis 30. April verlängert. Es gilt zudem weiter eine Verpflichtung zur Bereitstellung und Benutzung hochwertiger Masken. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte: „Homeoffice ist ein wichtiges Element, um Kontakte zu reduzieren und die Pandemie einzuschränken.“

BundeslandNiedersachsen
HauptstadtHannover
MinisterpräsidentStephan Weil (SPD)
Webseiteniedersachsen.de

Für viele Arbeitnehmer, auch in Niedersachsen, stellt sich die Frage: Möchte ich auch nach Corona mehr von zu Hause aus arbeiten? Oder sogar von dort aus, wo andere Urlaub machen? Die Lösung lautet Workation. Denn mal am Pool oder am Nordsee-Strand zu arbeiten, statt in den eigenen vier Wänden, ist ein willkommener Tapetenwechsel vom Homeoffice.

Der Begriff Workation ist ein Kunstwort, dass aus den beiden englischen Begriffen Work (=Arbeit) und Vacation (=Urlaub) zusammengesetzt ist. Diese zwei Begriffspaare scheinen ein Gegensatz zu sein. Wer im Urlaub ist, sucht eben keine Arbeit oder wer arbeitet, soll sich auf die Arbeit konzentrieren und erholt sich dabei selten. Workation vereint beide Seiten.

Workation gab es auch schon vor Corona. Zuerst kam diese Form des Arbeitens bei Soloselbstständigen, Freelancern oder Bloggern auf. Während der Pandemie rückte Workation immer mehr in den Fokus von weiteren Berufsgruppen.

Workation: Arbeiten mit Blick aufs Meer

Während er seinen alkoholfreien Coconut Mojito schlürft, richtet sich Tobias Mendes Blick immer wieder aufs Meer, das türkis hinter dem Laptop schimmert. Der Software-Entwickler und -Architekt arbeitet in Festanstellung bei einem deutschen SaaS-Unternehmen (Software as a Service), seit 2018 in Telearbeit.

Sein Homeoffice (meint mobiler Arbeitsplatz) hat Mende seither wahlweise nach Südafrika, Brasilien, Bulgarien, Dänemark oder auf die Kanaren verlegt. Auf Fuerteventura findet er die perfekte Inspiration für sein Nebenprojekt The Ocean Savers, mit dem sich der Lübecker für den Meeresschutz einsetzen möchte.

Viele Menschen sind seit Monaten coronabedingt im Homeoffice und möchten das auch in Zukunft tage- oder wochenweise beibehalten. War mobiles Arbeiten bis Anfang 2020 eher die Ausnahme, so wird laut einer repräsentativen Studie des Digitalverbands Bitkom in Zukunft mehr als jeder Dritte den Arbeitsort flexibel wählen können.

Erst alle beruflichen Nachrichten beantworten, dann in den Hotelpool springen - Workation in Ägypten.

„Die Vorteile für mich sind, dass ich dort arbeiten kann, wo ich mich am wohlsten fühle und am produktivsten bin“, sagt Tobias Mende. „Und in meiner Freizeit kann ich die Welt kennenlernen, ohne meinen Job aufgeben zu müssen.“ Er braucht dazu nur seinen Laptop und schnelles Internet.

Dabei ist das Konzept der sogenannten Workation nicht neu. Seit vielen Jahren sieht man in Cafés auf Bali, im mexikanischen Cancún oder auf den Kanaren neben cocktail-schlürfenden Touristen arbeitende Reisende an ihren Laptops sitzen, sogenannte digitale Nomaden. Nach Freelancern sind es nun auch immer mehr Festangestellte, welche die Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten nutzen.

Videokonferenztools mit austauschbarem Hintergrund ermöglichen heute professionelle Meetings in der einfachen thailändischen Bambusstrandhütte. Oder eben im Harzer Luxuschalet mit ergonomischer Büroeinrichtung. Um die nötige Infrastruktur, schnelles Netz und mehr Ruhe als im Café zu garantieren, entstehen an vielen Orten auch Coworking Spaces als Gemeinschaftsbüros mit wechselnden Kollegen.

Forscher sehen Trend zur Workation

Tourismusforscher Harald Pechlaner von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt glaubt, dass uns der Trend zur Workation auch nach der Pandemie erhalten bleibt und sogar einen Entwicklungsschub erleben könnte. Schon jetzt würden sich klassische Ferienregionen wie die Kanaren damit ein neues Segment aufbauen. „Aber auch Messe- und Tagungs-Destinationen, Städte wie Nürnberg, wo der Tagungstourismus praktisch zusammengebrochen ist, können davon profitieren“, sagt Pechlaner, der das Zentrum für Entrepreneurship an der Universität im Altmühltal leitet.

Harald Pechlaner schätzt, dass vor allem Städtetouren künftig öfter mit einem Arbeitsaufenthalt kombiniert und verlängert werden. „In Städten ist die Infrastruktur meist schon vorhanden, die in klassischen Ferienregionen erst aufgebaut werden muss.“

Arbeiten und gleichzeitig die frische Luft und Natur genießen - längst kein Widerspruch mehr mit Workation.

An dieser Infrastruktur arbeitet zum Beispiel Madeira. Die Inselgruppe im Atlantik ist stark vom Tourismus abhängig. In der Coronakrise will die Inselregierung neben klassischen Touristen vor allem langzeiturlaubende Mobilarbeiter ansprechen. Zusammen mit der Initiative Startup Madeira engagiert sich der Portugiese Gonçalo Hall für den Aufbau der größten europäischen digitalen Nomadengemeinschaft in dem malerisch gelegenen Dorf Ponta do Sol.

„Wir bieten nicht nur kostenfreien Internetzugang im gesamten Ort, sondern auch direkten Meerzugang“, sagt Hall, der als selbstständiger Berater für mobiles Arbeiten tätig ist. Fast 5000 Interessenten aus über 90 Ländern hätten sich bereits auf der Plattform für das Programm des Nomad Village registriert. 75 Telearbeiter seien zum Auftakt im Februar für mindestens vier Wochen zur Workation nach Ponta do Sol gekommen.

Über Partnerprogramme werden Unterkünfte, Mietwagen oder Kontakte zu anderen digitalen Nomaden vermittelt. In Zusammenarbeit mit Restaurants, Hotels und Cafés des 8200-Einwohner-Ortes soll eine in Europa bislang einzigartige Community entstehen, welche den lokalen Tourismus gerade in der Krise, aber auch danach ermöglicht.

Workation: Arbeitende Eltern als neue Zielgruppe

Prägen sonst vor allem sonnenhungrige Rentner das Bild der Kanaren im Winter, so haben nach deren Ausbleiben im Coronajahr 2020 die dortigen Hotels die Telearbeiter als neue Klientel entdeckt. Sie locken mit besonderen Angeboten: Das Selbstversorger-Apartment mit Küchenzeile und schnellem WLAN gibt es in einigen Hotels in Corralejo, dem Hotspot für mobile Arbeiter auf Fuerteventura, ab 700 Euro pro Monat. Fitnessraum und Pool inklusive.

Deutlich mehr legt man für die Workation-Pakete der Tui-Tochter Robinson Club hin. Dafür gibt es auf den Zimmern – neben garantiertem Meerblick – auch ergonomische Bürostühle und Monitore für entspanntes Arbeiten. Spanische All-inklusive-Anbieter wie die Hotelkette HD werben außerdem um reisende und arbeitende Familien. In den HD-Sommercamps auf Teneriffa und Gran Canaria können Kinder mit der Ferienanimation im Pool planschen - während die Eltern in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen. Von Kathrin Lucia Meyer, dpa/awt

Rubriklistenbild: © Benjamin Nolte

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Bindung zu Ihrem Hund stärken – Jetzt kostenlos an einem Online-Kurs teilnehmen

Bindung zu Ihrem Hund stärken – Jetzt kostenlos an einem Online-Kurs teilnehmen

Meistgelesene Artikel

Corona-Notbremse: Niedersachsen zieht mit - neue Verordnung enthält Ausgangssperre

Corona-Notbremse: Niedersachsen zieht mit - neue Verordnung enthält Ausgangssperre

Corona-Notbremse: Niedersachsen zieht mit - neue Verordnung enthält Ausgangssperre
Pilot stirbt nach Flugzeug-Absturz bei Lingen

Pilot stirbt nach Flugzeug-Absturz bei Lingen

Pilot stirbt nach Flugzeug-Absturz bei Lingen
Impfen mit Astrazeneca: Terminvergabe für über 60-Jährige soll in Niedersachsen zügig starten

Impfen mit Astrazeneca: Terminvergabe für über 60-Jährige soll in Niedersachsen zügig starten

Impfen mit Astrazeneca: Terminvergabe für über 60-Jährige soll in Niedersachsen zügig starten
Ausgangssperre in Niedersachsen: Fünf Landkreise ziehen  Corona-Notbremse

Ausgangssperre in Niedersachsen: Fünf Landkreise ziehen Corona-Notbremse

Ausgangssperre in Niedersachsen: Fünf Landkreise ziehen Corona-Notbremse

Kommentare