"Das Beste genommen"

Urteil gegen Vater des totgeschüttelten Babys

+
Landgericht Braunschweig

Braunschweig - Eine frischgebackene Familie führt ein zufriedenes Leben. Doch als die Mutter eines Tages vom Einkaufen zurückkommt, ist plötzlich alles anders: Ihr Mann hat den schreienden Sohn heftig geschüttelt. Das Baby stirbt. Gegen den Vater fiel am Freitag das Urteil.

Nervös rutscht der junge Vater in seinem Stuhl hin und her, knetet sich die Finger. Tränen laufen ihm über das Gesicht, während der Vorsitzende Richter das Urteil verkündet. Der Mann, der sein Baby zu Tode geschüttelt hat, muss nicht ins Gefängnis. Das Landgericht Braunschweig verurteilt ihn am Freitag zu einer zweijährigen Haftstrafe, die aber zu vier Jahren zur Bewährung ausgesetzt wird.

Im Prozess hatte der 28-Jährige aus Wolfsburg gestanden, seinen dreieinhalb Monate alten Sohn heftig geschüttelt zu haben, weil dieser nicht aufhörte zu schreien. Das Kind starb einen Tag darauf ihm Krankenhaus.

Es sei "ein außergewöhnlicher Fall" gewesen, sagt Richter Ralf Polomski, obwohl es keine traurige Seltenheit sei, dass in Deutschland Babys zu Tode geschüttelt würden. "Sie waren ein liebevoller Vater und wer Sie hier erlebt hat, kann sich nicht vorstellen, dass es an dem Tag anders war", sagt er zum Angeklagten.

Etwa eine Stunde sollte der Mann im vergangenen September auf seinen kleinen und für sein Alter sehr aktiven Sohn aufpassen, während seine Ehefrau zum Einkaufen ging. Als sie zurückkommt, hat sich alles verändert. Bleich und schwer atmend liegt das Kind auf dem Sofa. Der Junge habe sich gestoßen, erklärt der Vater zunächst. Erst später gesteht er, dass er allein für den Zustand des Kindes verantwortlich ist.

Die Eltern rufen den Notarzt. "Doch es war zu spät für eine Rettung", sagt Richter Polomski. Im Krankenhaus lassen die beiden das bewusstlose Kind noch taufen, einige Stunden später ist es tot. "Ich habe mir das Beste, was ich hatte, selbst genommen", bekannte der Angeklagte während des Prozesses. Sein Sohn sei ein Wunschkind gewesen.

Auch die Kammer habe erkannt, dass der Mann schwer unter dem Geschehenen leide, so der Richter. Dennoch geht das Gericht davon aus, dass er seinen Sohn in dem Moment verletzen wollte. Er sei erschöpft gewesen von der Arbeit und wütend darüber, dass er das Kind nicht ohne Hilfe beruhigen konnte - also schüttelte er den Jungen mehrfach heftig. "Sie haben eine Verletzung Ihres Sohnes zumindest billigend in Kauf genommen, auch wenn Sie das schon Sekunden später bitterlich bereut haben", sagt der Richter.

Im Publikum sitzt am Freitag auch die erneut schwangere Ehefrau des Angeklagten. Auch sie verfolgt die Urteilsverkündung weinend. Ihre Aussage im Prozess und das Geständnis des Angeklagten seien für das Gericht von hohem Wert gewesen und hätten sich positiv ausgewirkt, sagt der Richter. "Wenn Ihre Frau beschlossen hat, Ihnen weiter zu vertrauen, sollte auch das Gericht nicht allzu leichtfertig nach hohen Strafen rufen", sagt er. "Seien Sie froh, dass Sie so eine Ehefrau haben."

Mehr zum Thema:

Manchester-Attentäter war wahrscheinlich in Syrien

Manchester-Attentäter war wahrscheinlich in Syrien

Abend der Talente an der Realschule Verden 

Abend der Talente an der Realschule Verden 

In diesen 10 Berufen arbeiten die glücklichsten Menschen

In diesen 10 Berufen arbeiten die glücklichsten Menschen

Poledance sorgt für durchtrainierte Figur

Poledance sorgt für durchtrainierte Figur

Meistgelesene Artikel

Streifenwagen der Bereitschaftspolizei beschossen

Streifenwagen der Bereitschaftspolizei beschossen

Bewährungsstrafen für Großfamilie nach Tumulten in Hameln

Bewährungsstrafen für Großfamilie nach Tumulten in Hameln

Mann ertrunken: Ermittlung gegen Männer aus Trinkerszene

Mann ertrunken: Ermittlung gegen Männer aus Trinkerszene

Frau hinter Auto hergeschleift - Mann gesteht „grauenvolle Tat“

Frau hinter Auto hergeschleift - Mann gesteht „grauenvolle Tat“

Kommentare