Umweltminister Olaf Lies sieht Handlungsbedarf

Wolf ganz nah: Menschen in Niedersachsen berichten von 64 direkten Begegnungen

Ein Wolfsrudel, daneben montiert Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD)
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Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) sieht Handlungsbedarf bei der Wolfspopulation. (kreiszeitung.de-Montage)

Immer mehr Menschen in Niedersachsen berichten von Begegnungen mit Wölfen – allein 64 Mal in diesem Jahr. Umweltminister Olaf Lies sieht Handlungsbedarf.

Hannover – In Niedersachsen häufen sich die Berichte von Bürgerinnen und Bürgern, die eine Nahbegegnung mit einem Wolf erlebt haben wollen. Wie es heißt, soll sich ein solches Aufeinandertreffen in diesem Jahr bereits 64 Mal ereignet haben. Die neueste Sichtung soll jüngst in einem Park in Hannover gewesen sein. Ein Spürhund und eine installierte Wildtierkamera konnten dem Tier aber bis jetzt nicht auf die Schliche kommen.

Bundesland:Niedersachsen
Fläche:47.709,82 Quadratkilometer
Einwohner:8.003.421 (Stand: 31. Dezember 2020)
Regierungschef:Stephan Weil (SPD)

Anders im Frühjahr, als ein Wolf in aller Seelenruhe durch die Innenstadt von Lohne spazierte. Oder als im April ein Wolf durch Ottesberg streifte. Nachdem im Februar dieses Jahres ein Wolf mitten in Stuhr gesichtet wurde, gab der Wolfsberater vor Ort noch Verhaltenstipps. Und auch bei Walsrode traf in diesem Sommer eine Spaziergängerin im Wald auf einen Wolf.

Mehr Nahbegegnungen mit Wölfen in Niedersachsen: FDP fordert Wolfs-Obergrenze für Niedersachsen

„Bei einer Nahbegegnung ist der Wolf nicht nur am Horizont erkennbar“, sagte Umweltminister Olaf Lies am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur, der genau wie die FDP eine Wolfs-Obergrenze für Niedersachsen befürwortet. „Eine solche Nähe ist bei einem Wildtier nicht zu erwarten“, so Lies. Dennoch: „Meine Haltung ist klar: Eine Koexistenz von Mensch und Wolf ist möglich und letztlich auch gesetzlicher Auftrag. Wenn es zu Problemen mit einzelnen Wölfen kommt, muss gehandelt werden.“

Die Menschen machten sich verständlicherweise Sorgen. Im gesamten Jahr 2020 waren dem SPD-Politiker zufolge lediglich 21 Nahbegegnungen mit mutmaßlichen Wölfen registriert worden. Die Meldungen würden auf Plausibilität geprüft, teilweise gebe es auch Fotos und Videos.

Zuletzt waren Sichtungen eines mutmaßlichen Wolfes am 25. und 26. September in einem Park in Hannover gemeldet worden. Allerdings blieb die anschließende Suche erfolglos. Ein auf Wolfslosung, also Wolfskot, spezialisierter Spürhund habe bei zwei Einsätzen im Park am Sonntag und Montag nicht angeschlagen, teilte das Umweltministerium mit. Auch die erste Auswertung der Bilder von fünf in der vergangenen Woche installierten Wildtierkameras habe keine Hinweise auf einen Wolf im Hermann-Löns-Park oder im angrenzenden Tiergarten ergeben.

Mehr Nahbegegnungen mit Wölfen in Niedersachsen: Ministerium stuft Meldungen als Glaubwürdig ein

Das Ministerium stufte die Meldungen als grundsätzlich glaubwürdig ein. In beiden Fällen hatten Menschen angegeben, einen Wolf gesehen zu haben. Aufgrund der urbanen Lage des Parks sei es richtig, mit besonderer Sensibilität vorzugehen, sagte Lies.

Der zuständige ehrenamtliche Wolfsberater habe sehr besonnen gehandelt. Auf Basis der nun vorliegenden Daten gelte es aber als sehr unwahrscheinlich, dass derzeit ein Wolf oder mehrere Wölfe dort unterwegs seien.

In Sellstedt im Landkreis Cuxhaven soll unterdessen eine Zwölfjährige zwei Wölfen begegnet sein. Dass ein Rudel in der Nähe der Gemeinde lebt, sei durch eine Wildtierkamera dokumentiert. Das Umweltministerium hält auch diese Wolfssichtung für glaubwürdig. Das Ministerium gibt im Internet Tipps für den Fall einer Wolfsbegegnung. So sei Ruhe zu bewahren. Wölfe zögen sich in der Regel von allein zurück, wenn sie einen Menschen bemerken.

Mehr Nahbegegnungen mit Wölfen in Niedersachsen: 36 Rudel mit mindestens 350 Tieren im Bundesland

Im Jahr 2012 siedelte sich das erste Wolfspaar in Niedersachsen an, mittlerweile sind es dem Minister zufolge 36 Rudel mit mindestens 350 Tieren. „Diese Veränderung beunruhigt“, sagte Lies. Die Zahl der Nahbegegnungen und der Risse von Nutztieren werde weiter zunehmen. Die ehrenamtlichen Wolfsberater hätten die wichtige Aufgabe zu informieren und aufzuklären, etwa dass man die Tiere nicht anlocken und nicht füttern dürfe. Inzwischen werden die Wolfsrisse so viele, dass einzelne Schäfer bereits darank denken, ihren Job an den Nagel zu hängen.

Wölfe sind streng geschützt. Für einen Abschuss ist eine behördliche Genehmigung erforderlich. Dies ändert sich auch nicht, wenn der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird, wie die Regierungsfraktionen von SPD und CDU in Niedersachsen beabsichtigen. Das Umweltministerium lässt zudem derzeit in einem Gutachten klären, wie viele Tiere für den Erhalt der Art erforderlich sind. Dann könnte eine Obergrenze für Wölfe definiert werden.

Lies sieht in einer einmaligen Annäherung eines neugierigen jungen Wolfes kein Problem. Wenn Tiere aber grundsätzlich die Distanz verlieren und Menschen immer wieder sehr nahe kommen, helfe nur eine Tötung, sagte er. Aktuell liegt nach Angaben des Ministers für keinen Wolf in Niedersachsen eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss vor. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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