Bundestag berät am Freitag

Olaf Lies: „Wir müssen die Ausbreitung des Wolfes managen“

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Wölfe

Hannover/Berlin - Die Ausbreitung der Wölfe in Deutschland soll künftig stärker kontrolliert werden, zugleich sollen Nutztiere besser vor Angriffen geschützt werden. Das haben Union und SPD in den Koalitionsverhandlungen vereinbart.

Der niedersächsische Umweltminister und SPD-Unterhändler Olaf Lies sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir müssen die Ausbreitung des Wolfes managen, auffällige Wölfe müssen konsequent kontrolliert, zügig vergrämt und nötigenfalls erschossen werden, um eine Gewöhnung der Wölfe an den Menschen zu unterbinden.“ In Deutschland werden immer wieder Schafe, Rinder und andere Nutztiere von Wölfen gerissen. Viele Halter von Weidetieren sind besorgt.

Olaf Lies (SPD)

„Die Debatte war intensiv und auch kontrovers. Aber allen Beteiligten war klar, dass es ohne Management nicht weitergeht“, sagte Lies, der bei den Verhandlungen im Bereich Energie und Umwelt dabei war. „Wir wollen die voranschreitende Ausbreitung des Wolfes in Deutschland vernünftig managen: Die Sicherheit der Menschen hat dabei oberste Priorität“, zitierte er aus dem Koalitionsvertrag. Die auch aus Umwelt- und Naturschutzgründen wichtige Weidewirtschaft dürfe nicht beeinträchtigt werden. „Der Schutz der Nutztiere muss verbessert werden, Kosten für Schutzmaßnahmen sowie Schäden müssen schnell und vollständig ausgeglichen werden.“ Der Bund werde die Länder dabei unterstützen. „Wölfe, die die empfohlenen Schutzmaßnahmen für Weidetiere mehrfach überwinden, sollen entnommen werden“, stehe im Vertrag. „Der Bund wird dazu kurzfristig mit den Ländern einen Kriterien- und Maßnahmenkatalog abstimmen.“

FDP-Antrag zum Wolf

Auch unabhängig von einem Zustandekommen der Groko steht der Wolf in Berlin auf der Agenda. Am Freitag soll im Bundestag der Antrag der FDP-Fraktion zum Thema Wolf behandelt und diskutiert werden. Die FDP will die Jagd auf Wölfe erlauben. „Den Wolf jetzt in das Jagdrecht aufzunehmen macht keinen Sinn, da der Wolf dann eine ganzjährige Schonzeit hätte“, sagte Lies. Hintergrund sei der sogenannte günstige Erhaltungszustand, der angesichts von EU-Regeln als Voraussetzung für eine Jagd erreicht sein müsse. „Wichtiger ist, dass der Bund mit Polen ein gemeinsames Monitoring auf den Weg bringt“, so Lies. „Wir brauchen das, um zu sehen, wie sich die Population des Wolfes eigentlich entwickelt hat, wann wir einen gesunden Erhaltungszustand haben - und wann wir am Ende auch über Jagdrecht und Entnahme reden können.“ Ziel müsse sein, die Wölfe auf einem realistischen, gesunden Niveau zu halten.

Auch in Brüssel habe er für seinen Antrittsbesuch den Wolf auf die Tagesordnung setzen lassen, sagte Lies. „Die EU-Kommission definiert, wann der Wolf zum Beispiel ins Jagdrecht könnte - wann es also einen Erhaltungszustand gibt, der als entsprechende Grundlage gelten kann“, erklärte der Minister. Das diskutierten die Verantwortlichen das nächste Mal 2019 mit den Zahlen von 2016. Er wolle darauf drängen, dass mit realistischen und möglichst aktuellen Zahlen agiert wird.

Auf EU-Ebene werde er sich für eine sachgerechte Ausnahmeregelung bei der Entnahme auch wegen wirtschaftlicher Schäden einsetzen, versprach Lies. Das sei besonders für die Küstenregion wichtig, weil dort die Deiche nicht komplett wolfssicher eingezäunt werden könnten. „Wir sind auf die Schafshalter angewiesen und brauchen für die Sicherheit der Deiche und damit der Menschen die Schafe auf den Deichen“, betonte Lies, der schon länger klarere Regeln für den Umgang mit Wölfen fordert. Die Sicherheit der Menschen habe oberste Priorität, hatte er wiederholt betont. Das könne in bestimmten Fällen auch den Abschuss einzelner Tiere oder gar eines problematischen Rudels zur Folge haben.

Neue Forderungen nach Regulierung

In den vergangenen Tagen waren in Niedersachsen die Forderungen nach einer Regulierung lauter geworden. Am Donnerstag appellierte Landrat Manfred Ostermann aus dem Heidekreis an Lies, weitere Maßnahmen gegen den Wolf einzuleiten. Dort werde „zunehmend über auffälliges und beunruhigendes Verhalten dieser Tiere berichtet“, hieß es nach Angaben eines Kreissprechers in einem Brief Ostermanns an den Minister. „Es wird festgestellt, dass die Wölfe jegliche Scheu verlieren bzw. über keinerlei Scheu vor dem Menschen verfügen“, hieß es weiter. Mitte Januar war ein Wolf in der Innenstadt von Walsrode gesichtet worden. Im Kreis Celle soll ein Wolf in Bannnetze am vergangenen Sonntag zwei Kinder angeknurrt haben, wie die „Cellesche Zeitung“ berichtet hatte.

„Allein in Niedersachsen schätzen wir den Bestand auf etwa 150 Tiere“, sagte Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der für die Beobachtung der Tiere zuständigen Landesjägerschaft.

dpa

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